Politik und Börse: GroKo schockt Online-Apotheken

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Erfahren Sie jetzt, warum ich Unternehmen meide, die zu stark von politischen Entscheidungen abhängig sind. (Foto: Piotr Swat / shutterstock.com)

Die Aktien des in den Niederlanden ansässigen Unternehmens Shop Apotheke Europe, einem Versandhändler für Medikamente und Gesundheitsprodukte, sind am gestrigen Tag dramatisch eingebrochen. Die Papiere gingen mit einem Minus von knapp 25% aus dem Xetra-Handel.

Auslöser des Absturzes der Shop-Apotheke-Aktie ist eine Formulierung im Koalitionsvertrag der neuen Großen Koalition (GroKo) aus SPD, CDU und CSU, die vorbehaltlich eines positives Ausgangs des SPD-Mitgliederentscheids zustande kommt:

„Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein“, heißt es darin. Auch die Aktien des Schweizer Shop-Apotheke-Konkurrenten Zur Rose Group brachen gestern zweistellig ein. Bei der Zur-Rose-Aktie belief sich das Tagesminus jedoch „nur“ auf 12%.

In einer Stellungnahme vom gestrigen Abend betont Shop Apotheke Europe, dass gegen das Vorhaben mehrfach verfassungs- und europarechtliche Bedenken geäußert wurden. Das hindert die GroKo-Parteien aber nicht daran, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten verbieten zu wollen.

Sowohl Shop Apotheke Europe als auch der Schweizer Konkurrent Zur Rose Group haben angekündigt, „notwendige Schritte“ zu ergreifen, um den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten aufrechtzuerhalten.

Shop-Apotheke-Aktie im Fokus

Das Unternehmen Shop Apotheke ist erst im Oktober 2016 an die Börse gegangen. Die Aktie notierte zu diesem Zeitpunkt bei rund 28 Euro. Bis April 2017 pendelte die Aktie grob gesagt zwischen 24 und 28 Euro. Dann folgte jedoch der Ausbruch nach oben. Von Mitte April bis Ende Mai 2017 legte die Aktie um fast 60% von 27 auf 43 Euro zu.

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Bis Ende August 2017 folgte eine Konsolidierung. Dann stieg die Aktie von Ende August bis Anfang November von knapp 40 auf rund 63 Euro (+58%). Heute notiert die Shop-Apotheke-Aktie bei knapp 35 Euro und damit um etwa 45% unter dem Höchststand des vergangenen Jahres.

Zur Rose Group ebenfalls betroffen

Das Vorhaben der GroKo-Parteien, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten zu verbieten, hat auch massive Auswirkungen auf die Geschäfte von Europas größter Versandapotheke, der Schweizerischen Zur Rose Group.

Daher ist – wie bereits erwähnt – auch die Zur-Rose-Aktie gestern abgeschmiert. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, sich mit allen juristischen Mitteln gegen diese Entscheidung der deutschen Groko zur Wehr zu setzen.

Verliert Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli diesen Kampf, steht er vor einem Scherbenhaufen. Denn dann würde sein wichtigster Wachstumstreiber wegfallen.

Fazit: Das aktuelle Beispiel zeigt Ihnen, warum ich seit Jahren in meinen Börsendiensten und auch in meinem privaten Depot – so gut es geht – Unternehmen meide, die zu stark von politischen Entscheidungen abhängig sind.

Das Risiko, dass nach Wahlen oder bestimmten Ereignissen plötzlich ein politischer Plan auftaucht, der massiv in die Geschäfte der Unternehmen eingreift, ist einfach zu groß. Denken Sie dabei zum Beispiel an die vielen Milliarden Börsenwert, die sich nach der erzwungenen Energiewende bei RWE und Eon einfach in Luft aufgelöst haben.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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