Polytec: Aktienkurs passt nicht zur operativen Performance

Bei dem mittelständischen österreichischen Autozulieferer Polytec passt die operative Performance nicht zur Performance der Aktie. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der österreichische Autozulieferer Polytec war von Oktober 2016 bis Oktober 2017 einer der ganz großen Überflieger in der österreichischen Börsenlandschaft. Seither schwächelt die Polytec-Aktie. Zu den Gründen dafür komme ich gleich.

Außerdem werden Sie erfahren, wie ich die Polytec-Aktie derzeit einschätze und wie es weitergehen könnte. Zunächst aber ein paar Worte zum Unternehmen und zum Geschäftsmodell der Polytec Group.

Das ist die Polytec Group

Polytec wurde 1986 als Polytec Elastoform GmbH von Friedrich Huemer in Grieskirchen (Oberösterreich) gegründet. Seit 1995 wird die Automobil-Industrie beliefert. Im Jahr 2000 übernahm die Beteiligungs-Gesellschaft Capvis die Mehrheit am Konzern. Dies ermöglichte den Erwerb von Kunststoff-Werken in Italien und Schweden.

Im Jahr 2006 ging Polytec an die Börse, während Capvis aus dem Unternehmen ausstieg. Firmengründer Friedrich Huemer ist weiterhin Großaktionär. Heute ist Polytec als Autozulieferer und Kunststoff-Verarbeiter tätig.

Warum die Polytec-Aktie schwächelt

Für Polytec ist 2018 ein schwieriges Jahr. Verschiedene negative externe Faktoren belasten. Dazu zählen vor allem das Dieselthema und WLTP. Das neue Testverfahren „Worldwide harmonized Light-duty Test Procedure“, kurz WLTP, soll Schritt für Schritt dabei helfen, auf dem Prüfstand realitätsnähere Angaben zum Kraftstoffverbrauch von Pkw zu ermitteln.

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Für die Autobauer und deren Zulieferer ist WLTP derzeit ein großer Belastungsfaktor. Hinzu kommt, dass Polytec seit einiger Zeit in viele neue Produkte und Projekte investiert, was vorübergehend die Ergebnis- und Margensituation belastet.

Die Frage aber ist, ob dadurch ein Kursrückgang von gut 22 auf knapp 11 Euro gerechtfertigt ist. Aus meiner Sicht ganz klar nein! Denn Polytec wird in diesem Jahr zwar nicht an das sehr erfolgreiche Jahr 2017 anknüpfen können, doch von der Diskussion um den Dieselmotor ist Polytec im operativen Geschäft kaum berührt.

Denn das Unternehmen baut vor allem Kunststoffteile, die unabhängig von der Antriebsform enorm wichtig sind. Bei Verbrennungsmotoren helfen die Kunststoffteile von Polytec dabei, den Ausstoß von Schadstoffen zu reduzieren und bei Elektroantrieben helfen sie dabei, die Reichweiten zu erhöhen. Denn weniger Gewicht führt zu weniger Spritverbrauch bzw. zu höheren Reichweiten.

Insofern kann es Polytec relativ egal sein, welche Antriebsform sich in den kommenden Jahren durchsetzt. Die Zahlen für das laufende Jahr sind aus den genannten Gründen bislang nicht so positiv wie gewohnt ausgefallen und werden auch im 3. und 4. Quartal nicht übermäßig gut ausfallen. Überzeugend sind aber aus den ebenfalls genannten Gründen die Perspektiven.

Wenn die Prognosen für 2019 und 2020 auch nur annähernd aufgehen, sollte die Polytec-Aktie in absehbarer Zeit wieder die alten Höchststände bei gut 22 Euro erreichen. Geduldige und antizyklisch agierende Anleger sollten sich die Aktie genauer anschauen.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.