Polytec: Die Zeichen stehen wieder auf Wachstum

Nach der durchgeführten Sanierung will Polytec vor allem sein Kerngeschäft mit Motorraumteilen und Car Styling weiter ausbauen.

Die Österreicher profitieren vom Aufschwung in der Autoindustrie und sind im Branchenvergleich sehr günstig bewertet.

Unternehmensprofil

Die österreichische Polytec Holding AG ist ein bedeutender Lieferant von Kunststoffteilen für die Automobilindustrie. Der Fokus liegt auf der Produktion von Exterieur- und Motorraumteilen sowie auf der Fertigung von Funktions- und Zubehörteilen. Das Familienunternehmen ist in zwei Segmente mit drei Kompetenzbereichen aufgeteilt.

Im Segment Automotive/ Systems werden Spritzgussteile für den Motorraum (z. B. Zylinderkopfhauben, Ölwannen) und faserverstärkte Kunststoffteile für Lkw (z. B. Kabinendächer, Motorabdeckungen, Frontgrills) hergestellt.

Der Bereich Interieur des Automotive-Segments wurde kürzlich verkauft. Im Segment Car Styling ist Polytec ein Spezialist unter anderem für Schwellerleisten, Spoiler, Scheinwerfergitter und Front-/Heckschürzen.

Hauptkunden sind VW, BMW, Daimler, Ford, Volvo, Aston Martin, MAN und Scania. Standorte finden sich in 8 Ländern Europas sowie in Kanada und den USA. Allein in Deutschland ist Polytec mit 5Werken vertreten.

Polytec wurde 1986 vom Vorstandsvorsitzenden Friedrich Huemer gegründet und notiert seit 2006 an der Wiener Börse.

Überzeugende Halbjahreszahlen

Nach einer umfassenden Restrukturierung im Jahr 2009 und der Trennung von wenig profitablen Tochtergesellschaften in den vergangenen Monaten ist Polytec wieder auf Erfolgskurs. Die Geschäftsentwicklung ist aber auch vom anhaltenden Aufschwung in der Autoindustrie geprägt.

Die Polytec-Kunden verzeichnen deutliche Zuwachsraten beim Pkw- und Lkw-Absatz. Der Umsatz stieg im 1. Halbjahr um 10,8% auf 405,4 Mio €, wobei der Vergleichswert des Vorjahres noch 13 Mio € einer zwischenzeitlich veräußerten italienischen Tochter enthält.

Das operative Ergebnis hat sich auf 29 Mio € nahezu verzehnfacht. Ursächlich waren auch positive Effekte aus dem Verkauf des Bereichs Interieur (dazu später), die erfolgreiche Sanierung von Werken in Spanien und Deutschland sowie geringere Abschreibungen.

Unter dem Strich gelang mit 25,5 Mio € Gewinn die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Ausgezeichnete Wachstumsperspektiven

Da Interieur im 2. Halbjahr nicht mehr konsolidiert wird, rechnet Polytec im Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang auf 620 Mio €, was auf vergleichbarer Basis einem Wachstum von rund 15% entspricht. Der Gewinnausblick war weniger konkret.

Das Betriebsergebnis soll aber, auch bereinigt um Einmaleffekte aus der Veräußerung, überproportional zum Umsatz steigen. Wir erwarten einen Gewinn von 36 Mio €.

Die mittelfristigen Perspektiven sind ebenfalls ausgezeichnet. Die Zulassungszahlen in den wichtigen Ländern Deutschland, Frankreich, USA und China zeigen, dass es mit dem Pkw- Absatz weiter bergauf geht, besonders im für Polytec wichtigen Geschäft mit Premium-Fahrzeugen. Und auch der Markt für Nutzfahrzeuge brummt.

Wachstumstreiber für die Polytec-Produkte ist vor allem der Trend zur Leichtbauweise, um Treibstoff zu sparen. Dennoch wird der Umsatz 2012 wegen der vollständigen Entkonsolidierung von Interieur weiter sinken, die Rentabilität aber zunehmen.

Verkäufe stärken Rentabilität und Finanzkraft …

Polytec hat den margenschwachen Bereich Interieur mit einem Jahresumsatz von 340 Mio € Ende Juni an den japanischen Autozulieferer Toyota Boshoku Europe verkauft.

Die Entscheidung war strategisch richtig. Interieur stand unter anderem für die Herstellung von Tür- und Kofferraumverkleidungen, Ladeböden und Dachhimmel.

Selbst bei einer globalen Positionierung wären die Wachstumschancen gering. Denn der Konkurrenzdruck ist extrem hoch. Das Geschäft wird von erheblich größeren Wettbewerbern wie Johnson Controls oder International Automotive Components dominiert.

Ende 2010 hatte sich Polytec bereits von einer italienischen Tochtergesellschaft mit 30 Mio € Umsatz getrennt.

Nach den Verkäufen verbessern sich die im Unternehmen durchschnittlich erzielte operative Rendite sowie die Finanzkraft. Die Eigenkapitalquote ist schon zum Halbjahr auf 41% gestiegen und die Netto-Finanzschulden von 26,6 Mio € per 31.12.2010 haben sich in eine Netto-Cash-Position von 20,5 Mio € verwandelt.

… und ermöglichen Akquisitionen

Der neu erlangte finanzielle Spielraum ermöglicht jetzt Wachstum auch durch Akquisitionen. Mit dem Verkaufserlös will Polytec vor allem die Kernbereiche Exterieur, Motor- und Motorraumteile sowie Spritzguss-Komponenten ausbauen. Der erste Schritt wurde bereits eingeleitet.

Polytec übernimmt für 10 Mio € den österreichischen Spritzgussbetrieb PPI Plastic Products Innovation (Umsatz 2011e: 26 Mio €).

Aufgrund der geografischen Nähe zu bedeutenden Standorten der Autoindustrie wie Ingolstadt, München, Bratislava und Györ sowie zu den österreichischen Motorenwerken von Opel und BMW ist PPI eine sinnvolle Ergänzung des Produktionsnetzwerks.

Die vielen Neuaufträge aus der Autoindustrie zwingen zudem zum Kapazitätsausbau. Entsprechend investiert Polytec 5 Mio € in die Standorte Lohne in Deutschland und Hörsching in Österreich.

Bewertung spricht für Kursverdoppelung

Die Aktie ist zwar auf Jahressicht relativ gut gelaufen, das Kursniveau spiegelt aber die operativen Fortschritte sowie die deutlich gesunkene Verschuldung noch nicht ausreichend wider. Mit einem KUV von 0,3 und einstelligen KGVs für 2011 und 2012 ist Polytec im Branchenvergleich sehr günstig und daher ein Kauf. 

24. August 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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