Porsche: VW-Übernahme war greifbar nah

An den internationalen Aktienmärkten ging es zunächst kräftig nach unten. Die Talfahrt der chinesischen Aktien hat Ängste vor einer neuen Crash-Phase geweckt. Doch im Abendhandel drehten die US-Indizes nach oben und schlossen sogar noch im Plus. Auch der DAX konnte nachbörslich zulegen.

Getragen wurde der Aufschwung von den Öl-Aktien, die von steigenden Rohstoffpreisen profitierten. Steigende Rohstoffpreise gelten als Indikator für eine wirtschaftliche Belebung und eine wachsende Produktion.

VW: Stämme verlieren, Vorzüge gewinnen

In Deutschland stand erneut VW im Mittelpunkt. Die Kursentwicklung war bemerkenswert: Die VW-Stammaktien verloren 14% und schlossen bei 145 Euro, die VW-Vorzugsaktien schossen dagegen 15% in die Höhe und kletterten auf 68 Euro. Beide Aktiengattungen nähern sich weiter an.

Auslöser für den Kurssprung der VW-Vorzüge war das glaubhafte Gerücht, dass Porsche im Übernahmepoker nicht nur im großen Stil die stimmberechtigten VW-Stammaktien eingesammelt hat, sondern über Termingeschäfte angeblich auch Zugriff auf 50% (!) der VW-Vorzüge hatte. Der neue VW- und Porsche-Großaktionär Katar hat sich offensichtlich auch Teile dieses Pakets gesichert.

(Börsen-)Zukunft der VW-Stammaktie unsicher – Vorzüge attraktiver

Die Großaktionäre stocken bei VW immer weiter auf. Dadurch werden interessante Szenarien denkbar: Die Stämme könnten mit den Vorzügen verschmolzen werden. Oder die Großaktionäre sichern sich über ein Squeeze-out-Verfahren alle VW-Stämme und lassen dafür die Vorzüge in den DAX aufsteigen. Beide Varianten wären vorteilhaft für die VW-Vorzüge.

Unklar bleibt dagegen die Lage bei den Stammaktien. Bei einer Verschmelzung würde der Kurs wahrscheinlich weiter fallen. Kommt es dagegen zu einem Squeeze-out, wäre eine satte Übernahmeprämie möglich. Wetten auf fallende oder steigende Kurse der VW-Stammaktie bieten sich daher weiterhin nicht an. Die für Investoren attraktivere Aktie bleibt die VW-Vorzugsaktie, die wir vor 4 Wochen bei Kursen knapp unter 55 Euro im Börsendienst „Der Depot-Optimierer“ zum Kauf empfohlen haben. Aktuell notiert die Aktie bereits bei 68 Euro.

Porsche hatte vollständige VW-Übernahme vorbereitet

Es bleibt natürlich die Frage, warum Porsche im Übernahmepoker mit VW eine zusätzliche Baustelle eröffnet und sich am Terminmarkt auch noch VW-Vorzüge gesichert hat. Der Schachzug war an sich clever. In den vergangenen 12 Monaten notierte die Vorzugsaktie fast immer deutlich unter dem Buchwert. Porsche konnte sich ein großes Aktien-Paket zu Schnäppchenpreisen sichern.

Das war wichtig, denn: Hätte Porsche die Schwelle von 75% bei den VW-Stammaktien erreicht und nach dem Fall des VW-Gesetzes die Kontrollmehrheit erlangt, hätte Porsche allen VW-Aktionären (also auch den Besitzern der Vorzugsaktien) ein Übernahmeangebot machen müssen. Die Vorzugsaktie wäre dann natürlich weit über die 100-Euro-Marke geschossen. Der Gedanke war also richtig, sich frühzeitig möglichst viele Vorzugsaktien zu sichern.

Ohne Finanzkrise und Behördenstau hätte der Plan aufgehen können

Die neuen Details aus dem Übernahmeplan zeigen, dass Porsche nur hauchdünn an der VW-Übernahme gescheitert ist. Wäre das VW-Gesetz von Brüssel gekippt worden, hätte der Übernahmeplan klappen können. Das Porsche-Management hat jedoch nicht mit der Finanzkrise und mit der Untätigkeit der EU-Behörden gerechnet. Zumindest sind die Ex-Porsche-Manager finanziell sehr sanft gelandet.

20. August 2009

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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