Portugal: Auch hier brodelt die Euro-Krise weiter

In Europa sind die Perspektiven zurzeit komplett verschoben. Geht es Ihnen nicht auch so? Irgendwie bekommt man immer mehr den Eindruck, die gesamte Euro Krise konzentriert sich auf das kleine Griechenland.

Diese Sicht der Dinge ist völlig falsch. Griechenland ist das Land mit der größten Aufmerksamkeit. Zudem sind sicherlich die akuten Probleme in Griechenland in der Eurozone am größten. Ein Staatsbankrott oder ein Austritt aus dem Euro sind Probleme mit denen sich die neu gewählte Regierung rumschlagen muss.

Vor drei Jahren grassierte die Euro Krise eben nicht nur in Griechenland sondern auch in Portugal oder Irland. Auch diese Länder mussten unter den Rettungsschirm flüchten.

Anders als in Griechenland gelang es Portugal beispielsweise schon frühzeitig wieder, sich aus den Rettungsschirm zu befreien. Seitdem schauen die meisten Experten gar nicht mehr genau hin was in Lissabon passiert. Ich kann ihn aber sagen: Das ist ein großer Fehler.

Ganz aktuelle Zahlen aus Portugal liegen einmal mehr nahe, dass dort die Krise weiter lodert. An einer kleinen Zahl ist das direkt ablesbar. Portugal hat im Jahr 2014 das Haushaltsdefizit wieder auf 4,5 % gesteigert.

Laut der Vorgaben der ehemaligen Geldgeber sollte das Haushaltsdefizit jedoch die Marke von 4 % nicht überschreiten. Doch diese Vorgaben sind Makulatur. Nur noch einmal für sie zur Verdeutlichung: Das eigentliche Stabilitätsziel beim Haushalt liegt bei einer Neuverschuldung von maximal 3 %.

Neuverschuldung in Portugal steigt deutlich an

Die weiterhin großen Probleme bei den Schulden sind in Portugal schon eine erstaunliche Tatsache. Die Zinsen in der Eurozone und auch für Portugal sind in den vergangenen zwölf Monaten massiv gesunken. Derzeit kann sich Portugal am Kapitalmarkt extrem günstig mit frischem Kapital versorgen.

Der Blick auf die Zahlen Portugals zeigt aber ganz klar: Das Land steht heute weitaus schlechter da als zu dem Zeitpunkt als es den Rettungsschirm verlassen hat. Die Staatsverschuldung ist weiter angestiegen und hat nun die Marke von 131 % erreicht. Dieser Wert bezieht sich auf die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

Doch es gibt noch einen weiteren Indikator, der die dramatische Lage des Landes schön untermauert. Dabei geht es um die Gesamtverschuldung des Staates der Unternehmen und auch der Haushalte. Dies ist mit fast 360 % der Wirtschaftsleistung extrem hoch. Nur noch die Niederlande haben einen höheren Wert innerhalb der Eurozone.

Auch in Portugal kann also nicht ohne weiteres von einem Ende der Euro Krise gesprochen werden. Doch dafür ist in den Medien kein Platz. Griechenland beansprucht alle Schlagzeilen für sich. Das ist eine fatale Entwicklung, die meiner Ansicht nach massive negative Folgen haben wird.

7. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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