Portugal: der nächste Krisenfall direkt vor der Tür

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Eurozone: auch diese Daten sind für Sie sehr wichtig (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Derzeit redet alle Welt von Griechenland und deren neuen Haushaltsproblemen. Aber:

Auch Portugal fährt die eigenen Staatseinnahmen und -ausgaben derzeit vor die Wand.

Denn das Haushaltdefizit-Ziel, das für Portugal gilt, wird anscheinen deutlich verfehlt. Dies zeigen die neuesten Zahlen und Schätzungen für den kleinen Partner von Spanien. Die Portugiesen sind bereits einer der Hilfeempfänger innerhalb der EU und werden in den nächsten Monaten die Chance haben, ihre Krise zu beenden, so hoffen die Analysten.

Nur: Wir sehen den aktuellen volkwirtschaftlichen Zahlen eher eine umgekehrte Entwicklung an, bei der es für das vom Volumen her unbedeutende Land nach unten gehen wird. Das bedeutet, die Eurozone wird auch dieses Desaster formal wegstecken. Die Eurozone insgesamt verliert jedoch weiter deutlich an Vertrauen. Wer zuviel auf den Euro setzt, geht Risiko ein.

Portugal: Zahlen sind schlecht

Das heißt: Die Zahlen aus Portugal sind denkbar schlecht. Das Defizitziel für Portugal lag bei 4,5% vom BIP, dem Bruttoinlandsprodukt. Die Steuereinnahmen aber sanken beispielsweise gleich um 3,5% – in den ersten sieben Monaten -, wobei das Land sogar steigende Einnahmen kalkuliert und auch innerhalb der Eurozone versprochen hatte.

2,6% sollte der Steuerzahler in Portugal mehr zahlen: dies sind demnach 6,1%-Punkte mehr als es jetzt tatsächlich geworden sind. Versprochen hatte das Land – quasi als Vorbild für Griechenland und andere kriselnde Volkswirtschaften – einen mustergültigen Reformprozess, begleitet eben von diesen Mehreinnahmen auf der Steuerseite.

Die Wahrheit sieht anders aus:

  • Alleine die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer sind um 11,7% gesunken. Erwartet, kalkuliert und versprochen hatte Portugal demgegenüber Mehreinnahmen von 1,1%. Damit ist auch diese Reformpolitik gescheitert, denn Portugal hatte behauptet, die Mehrwertsteuer ließe sich so einfach erhöhen.
  • 23% beträgt der Satz aktuell, nachdem das Land in zwei Stufen erhöht hatte. Zudem stieg die Arbeitslosigkeit trotz Reformansätzen massenhaft an, sodass der Konsum schlicht darnieder liegt. Folge davon ist die Rezession.
  • Das BIP – Bruttoinlandsprodukt – sank mittlerweile um 3,2% gegenüber dem Vorjahresquartal. Dies ist das sechste Quartal hintereinander, in dem Portugal BIP-Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal verliert. Wer einen Beleg für die Rezession sucht, wird auch beim Strom fündig. Denn:
  • Die Nachfrage sank um weitere gut 6% gegenüber dem Juli 2011, sodass zum Allzeithoch jetzt bereits mehr als 36% fehlen.

GeVestor meint: Portugal befindet sich in einer massiven Rezession. Das Land hat in den entscheidenden Kennziffern einen gigantischen weiteren Abschlag gegenüber dem Vorjahr hinnehmen müssen. Dies zeigt: die Reformen wie etwa die Mehrwertsteuererhöhung greifen doch nicht so gut, wie es auch für andere Länder gelingen soll.

Die Rendite und das Vermögen sind für alle Investoren in Gefahr, die zu viel Geld verleihen und nicht in Aktien investieren. Das Risikoist hoch, wenn Sie mehr als 30% in Anleihen investieren.

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.