Post NL: Übernahmekampf bei niederländischer Post geht in die nächste Runde

Das Übernahme-Fieber grassiert ungebremst weiter.

Dass es jetzt auch vermeintliche langweilige Sektoren erwischt, können Sie bei der belgischen und niederländischen Post beobachten:

Bereits im Mai lancierte Bpost (belgische Post) ein erfolgloses Übernahme-Angebot für den niederländischen Rivalen PostNL.

Auch das 2. Angebot vor wenigen Wochen lockte die Konzern-Führung des Rivalen nicht hinterm Ofen hervor; zu niedrig sei die 2,5-Mrd.-€-Offerte.

Zugleich sehe man auf Grund der positiven Geschäfts-Entwicklung keine Notwendigkeit für einen Zusammenschluss, argumentierte die Firmenriege von PostNL.

Doch so leicht lassen sich die Belgier nicht abschütteln und haben beim Preis jetzt nochmals nachgebessert.

Was die Hintergründe der Übernahme sind und ob der Deal eine hohe Erfolgs-Wahrscheinlichkeit hat, erfahren Sie hier.

Neue Offerte bei 5,75 € je Aktie

Auf der einen Seite versucht Bpost mit einem neuen Angebotspreis von 5,75 € (alt: 5,65 €) aus der Reserve zu locken.

Zum anderen bieten die Belgier an, die Anzahl der Aufsichtsräte mit einer Beteiligung oberhalb einer bestimmten Schwelle zu begrenzen.

Damit versucht Bpost den Bedenken der Holländer entgegenzuwirken. Diese fürchten nämlich die hohe Beteiligung des belgischen Staates, der aktuell 51% aller Bpost-Aktien hält.

Zwar würde der Anteil in dem Gemeinschafts-Unternehmen auf rund 40% verwässert, was aber dennoch den Einfluss der Gesellschafter der PostNL schmälert.

Fusion soll massiv Stellen schaffen

Bpost will mit der Fusion einen neuen Postkonzern schaffen. Damit will die Konzern-Führung  dem gerade überall stattfindenden Wechsel vom klassischen Brief- zum Paket-Geschäft besser begegnen.

Während die Leute heutzutage längst nicht mehr so viele Briefe schreiben wie früher, sind aufgrund des wachsenden Internet-Geschäfts deutlich mehr Pakete unterwegs.

Nach Aussagen von Bpost  sollen nach der Fusion in diesem Bereich immerhin 3.200 Stellen geschaffen werden – wohlgemerkt: auf beide Länder verteilt.

Klar ist hingegen auch, dass im Gegenzug das Brief-Geschäft zusammengekürzt wird, auch wenn hierzu noch keine konkreten Angaben gemacht wurden.

Bis 2020 soll das internationale Geschäft mit Paket-Sendungen im Vergleich zu 2015 verdoppelt, der Anteil am belgischen Markt auf mindestens 75% hochgefahren werden, teilte Bpost jetzt mit.

Der Gewinn vor Steuern soll auf 620 Mio. € klettern.

PostNL mit schwacher Geschäfts-Entwicklung – Bpost deutlich ertragsstärker

PostNL beschäftigte nach eigenen Angaben zuletzt rund 49.000 Mitarbeiter und kam 2015 auf einen Umsatz von knapp 3,5 Mrd. € – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren:

Bis 2013 lagen die Erlöse noch zwischen 4,1 und 4,3 Mrd. €.

Auch bei der Gewinnspanne konnte die Postfirma nicht überzeugen: Die zuletzt erreichte Marge von 4,31% lag deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (6,49%).

Der belgische Rivale zeigt sich hingegen deutlich ertragsstärker:

Obwohl Bpost mit Erlösen von 2,39 Mrd. € deutlich kleiner ist, scheffelte der Konzern mit 307 Mio. € im letzten Jahr mehr Gewinn als die Holländer (149 Mio. €).

Damit lag die relevante Gewinnmarge immerhin bei 12,83%.

Abstand zur Deutschen Post soll verringert werden

Mit der Fusion würden die Belgier das erste Mal einen großen ausländischen Konkurrenten aufkaufen. Das neue Gemeinschafts-Unternehmen wäre danach immerhin die Nr. 4 in Europa.

Ziel des Ganzen dürfte auch sein, im Kampf mit den Wettbewerbern wie der DHL nicht ganz ins Hintertreffen zu geraten.

Aktionäre preisen niedrige Deal-Wahrscheinlichkeit ein

Das neue Angebot löste keinen Freudensprung der Aktie aus: Aktuell notieren die PostNL-Papiere mit 4,66 € deutlich unter dem Angebots-Preis von 5,75 €.

Wie niederländische Medien berichten, hoffe die Anteilseigner der niederländischen Post offenbar, dass die Offerte auf über 6 € angehoben werden könnte.

Die verhaltene Reaktion des Aktienkurses zeigt aber, dass die breite Masse dem Deal keine hohe Erfolgs-Wahrscheinlichkeit einräumt.

In der Tat könnte sich der Zukauf auf Grund der hohen politischen Komponente als äußerst schwierig erweisen.

1. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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