Postbank Übernahme: Deutsche Bank hält 93,7%

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Wie jetzt bekannt wurde hat der Großaktionär Deutsche Bank seinen Anteil am Bonner Geldhaus auf 93,7% ausgebaut. (Foto: Slava2009 / shutterstock.com)

In die  Postbank Übernahme ist Bewegung gekommen.

Wie jetzt bekannt wurde hat der Großaktionär Deutsche Bank seinen Anteil am Bonner Geldhaus auf 93,7% ausgebaut.

Die Aufstockung ist vom Markt erwartet worden. Bereits im Vorfeld hatte sich die Deutsche Bank über Pflicht-Wandelanleihen große Aktienpakete an der Postbank gesichert.

Noch ist die Deutsche Bank jedoch nicht voll am Ziel.

Es fehlen noch 1,3% der Postbank-Aktien, um die verbliebenen Aktionäre mittels „Squeeze Out“ aus dem Unternehmen zu drängen.

Wenn die Deutsche Bank die Komplett-Übernahme will, muss es eine Prämie geben

Für Postbank-Investoren stellt sich die Frage, wie es mit der Übernahme weitergeht. Unterbreitet die Deutsche Bank ein weiteres Übernahme-Angebot?

Das wäre der Idealfall, denn dann können die Investoren noch auf eine satte Abfindungsprämie hoffen.

Die Deutsche Bank müsste eine Prämie auf den aktuellen Börsenkurs bieten, um die Anlegerschaft zur Angebotsannahme zu bewegen.

Viele Aktionäre argumentieren mit dem Preis, den die ehemalige Postbank-Mutter Deutsche Post bekommen hat – und dieser Preis betrug durchschnittlich 35,50 Euro. Für eine Pflichtwandelanleihe zahlte die Deutsche Bank sogar 45 Euro. Ohne Prämie werden diese Aktionäre nicht auf ein Übernahme-Angebot eingehen.

Heutiger Postbankwert ist nicht mit dem alten Wert zu vergleichen

Aus heutiger Sicht brauchen Aktionäre nicht darauf zu hoffen, dass ein Abfindungsangebot von 45 Euro kommt.

Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass der vor einigen Jahren vereinbarte Kaufpreis auch heute noch Gültigkeit hätte – oder dass die Deutsche Bank bereit ist, so einen Preis zu zahlen. Schließlich hat sich der Wert der Postbank durch die Finanzkrise 2009 und der Schulden-Krise 2011 reduziert.

Der aktuelle Postbank-Kurs liegt jedoch fast 40% unter der damaligen Zahlungsbereitschaft der Deutschen Bank.

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Ob dieser hohe Wertverlust für Deutschlands größter Privatkunden-Bank (14 Mio. Kunden) gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Papier.

Postbank Übernahme nimmt der Deutschen Bank die Gewinn-Risiken des Investment-Bankings

Die Postbank hat für die Deutsche Bank einen enormen strategischen Wert. Es war strategisches Ziel von Konzern-Chef Josef Ackermann, die Gewinne über die Marktphasen zu glätten.

Gerade in schwachen Konjunkturphasen, wenn im Investmentbanking keine hohen Milliardengewinne möglich sind, soll das klassische Bankgeschäft als Stütze funktionieren. Mit der Postbank ist dies für die Deutsche Bank deutlich besser möglich als vorher.

Denn der Übernahme-Kandidat verfügt über 14 Mio. Kunden und 120 Mrd. Euro an Kundengeldern.

Das stärkt das Deutsche Bank-Filialgeschäft enorm, senkt die Risiken des Gesamtkonzerns und bietet gleichzeitig neue Absatzmöglichkeiten für die Deutsche Bank-Produktpalette.

Natürlich sollte dieser strategische Vorteil bei der Findung des fairen Übernahme-Preises angemessen berücksichtigt werden.

Mehr dazu: Postbank-Übernahme durch Deutsche Bank: Die Folgen

Lukratives Warten auf die Postbank Komplett-Übernahme

Jüngste Deutsche Bank-Äußerungen gehen dahin, dass nicht mit einer zügigen Komplett-Übernahme zu rechnen ist.

Investierte Aktionäre können das gelassen gesehen, denn es laufen bereits Verhandlungen über den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag.

Dieser Vertrag versüßt den Aktionären die Wartezeit bis zur Komplett-Übernahme. Die Investoren erhalten eine jährlich garantierte „Dividendenzahlung“, die unabhängig von der Gewinnsituation der Postbank gezahlt wird.

Gleichzeitig wird ein Preis festgesetzt, zu dem die Investoren Ihre Aktien an den Großaktionär abgeben können. Während der Annahme-Frist ist also ein Rücknahme-Preis garantiert und das Verlustrisiko nach unten begrenzt.

Da sich abgezeichnet hat, dass die Deutsche Bank die Postbank-Übernahme vorantreibt, reagierte die Aktie (trotz Krise!) in den vergangenen Monaten mit einem kräftigen Kursanstieg.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.