PPG beantragt im Übernahme-Kampf um Akzo Nobel Fristverlängerung

Der Übernahme-Kampf um Akzo Nobel könnte länger dauern als gedacht. Bieter PPG hat bei den Behörden eine Fristverlängerung beantragt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der spannende Übernahme-Kampf zwischen dem US-amerikanischen Chemie-Konzern PPG Industries und dem niederländischen Branchen-Kollegen Akzo Nobel könnte länger dauern als gedacht.

Eigentlich endet nach niederländischem Recht für PPG die Möglichkeit ein Angebot offiziell vorzulegen am 01. Juni.

Da für das weitere Vorgehen jedoch ein Gerichtsurteil entscheidend ist, das erst am 29 Mai gefällt wird, will PPG die Frist bis zum 14. oder 15. Juni verlängern.

Uhr tickte laut PPG erst nach dem 2. März

Es ist fraglich, ob PPG die Fristverlängerung gewährt wird. Streng genommen wurde das Übernahme-Interesse am 02. März publik.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt die 3 monatige Frist, ein Übernahme-Angebot offiziell vorzulegen. Die Frist endet demnach am 01. Juni.

Mit der 3-Monats-Frist soll gewährleistet werden, dass der Übernahme-Kandidat Klarheit darüber hat, ob es ein Bieter ernst meint oder nicht.

Denn Ungewissheit kann sich negativ auf das Geschäft auswirken. Kunden könnten Bestellungen verschieben oder streichen, Management-Kapazitäten werden gebunden.

Bieter PPG argumentiert jedoch, dass am 1. März noch kein Preis genannt wurde und somit die Frist dann noch nicht begonnen hatte.

Erst am 22. März wurde ein informelles Angebot inklusive Übernahme-Preis öffentlich.

Aktionäre werfen Aufsichtsratschef Pflichtverletzung vor

Nach drei abgelehnten Übernahme-Angeboten braucht PPG mehr Zeit, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Am 29. Mai wird gerichtlich entschieden, ob die Aktionäre über die Zukunft des Akzo Nobel-Aufsichtsratschef Antony Burgmans entscheiden dürfen.

Der Übernahme-Aktivist Elliott fordert zusammen mit anderen Aktionären die Abwahl.

Aus ihrer Sicht hat Burgmans durch seine ablehnende Haltung zu den PPG-Offerten eine Pflichtverletzung gegenüber den Aktionären begannen.

Elliott forderte dabei nicht, dass die Offerten angenommen werden, sondern, dass man sich zumindest unterhalte.

PPG will weiterhin mit Akzo über Deal verhandeln

Mit dem Unverständnis über die konsequente Ablehnung von Übernahme-Gesprächen ist Elliott nicht allein.

Auch Analysten zeigten sich überrascht, da die zuletzt vorgelegte Offerte eine Prämie von 50% auf den Akzo-Aktienkurs vor Aufkommen des Übernahme-Interesses beinhaltete.

Wenig verwunderlich ist, dass auch für Bieter PPG die Haltung des Akzo-Managements nicht nachvollziehbar ist.

PPG kündigte an, dass man für Zugeständnisse beim Streitthema Stellenabbau bereit sei.

Auch sei man bereit, eine hohe Vertragsstrafe zu zahlen (break-up fee) falls ein vereinbarter Deal doch noch scheitert – z. B. an Wettbewerbs-Bedenken.

Der Preis sei indes das Ende der Fahnenstange.

Übernahme-Aus dürfte Akzo-Aktie belasten

An der Heimatbörse in Amsterdam notiert die Akzo Nobel-Aktie heute bei 76,45 Euro. Das PPG-Angebot hatte einen rechnerischen Wert von 96,75 € je Aktie.

Die hohe Lücke zum Angebotspreis hatte sich nach der Ablehnung der 3. PPG-Offerte und den verhärteten Fronten vergrößert.

Dies zeigt Ihnen, dass nicht wenige Investoren Bedenken haben, dass es am Ende für eine Übernahme reicht.

Sollte es keinen Deal geben, besteht die Gefahr, dass die Aktie noch weiter zurück kommt.

Zwar ist nicht zu erwarten, dass das Akzo-Papier auf das ursprüngliche Niveau von rund 65 Dollar zurückfällt, ein 10%-Rücksetzer ist dann aber wohl wahrscheinlich.

Auf der anderen Seite:

Wenn Aufsichtsrats-Chef Burgmans seinen Hut nehmen muss, dann dürfte das die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit für einen Deal deutlich erhöhen und die Akzo-Aktie ebenso stark nach oben bugsieren.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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