PPG verliert Übernahme-Kampf um Akzo Nobel: Investoren bleiben gelassen

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Übernahme-Kampf um Akzo Nobel beendet – Obwohl es keinen Deal gab, bringt das PPG-Interesse den Akzo-Aktionären einen 2-stelligen Gewinn ein. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Gestern Nacht endete für den US-amerikanischen Chemie-Konzern PPG Industries die Möglichkeit, ein Übernahme-Angebot für den niederländischen Branchen-Kollegen Akzo Nobel abzugeben.

Die als „Put up, or shut up“ bekannte Frist endete damit, dass PPG kein Angebot vorlegte.

Damit ist der seit Anfang März laufende Übernahme-Kampf um die Niederländer nun schließlich beendet.

Die beiden Konzerne machen nun also alleine weiter. Für die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten hat sich der Übernahme-Kampf bislang dennoch gelohnt.

Akzo-Management setzt auf Plan B

Für das Akzo-Management ist der Rückzug von PPG ein großer Erfolg:

Die Manager waren trotz einer 2-maligen Angebots-Nachbesserung nicht bereit, sich mit dem Bieter an einem Tisch zu setzen.

Akzo Nobel bezweifelte, dass ein Deal das Beste für die Investoren und Arbeitnehmer sei.

Hinzu kamen Bedenken, ob ein Zusammenschluss der beiden Branchen-Größen überhaupt genehmigungsfähig ist.

Stattdessen setzte das Management auf einen eigenen Plan:

Der Unternehmens-Bereich Spezial-Chemie soll verkauft werden und das Geld zum Großteil an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Dieser Plan ist nach Ansicht des Managements für die Aktionäre attraktiver.

Aktie trotz Übernahme-Aus 17% höher…

Am Aktienmarkt sorgte das Übernahme-Aus für keinen nennenswerten Kursrückgang.

Nicht selten verliert die Aktie des Übernahme-Kandidaten stärker, wenn die Chance auf eine attraktive Prämie verflogen ist.

In diesem Fall sorgte allerdings der Plan B des Akzo Managements dafür, dass ein großer Teil der Gewinne verteidigt werden konnte.

Mit aktuell 75,50 € liegt die Aktie rund 17% über dem Niveau vor Aufkommen der Gerüchte.

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 …doch es hätten auch 50% sein können

Trotz des Zugewinns dürften nicht alle Akzo-Investoren mit dem Ausgang des Übernahme-Kampfes zufrieden sein.

Finanz-Investoren waren empört, dass Akzo die von PPG gereichte Hand einfach so ausschlug, obwohl PPG eine Prämie von rund 50% auf den Aktienkurs bot.

Der Übernahme-Aktivist Elliott versuchte sogar zusammen mit anderen wichtigen Akzo-Aktionären den Aufsichtsrats-Chef Antony Burgmans zu Fall zu bringen, scheiterte aber mit dem Versuch am Ende vor Gericht.

Das Elliott mit 17% Kurs-Plus und weiterem Investitions-Risiko nicht so sehr zufrieden ist, wie bei einem sicheren 50%-Gewinn, ist verständlich.

Auch PPG-Aktie trotz Übernahme-Aus fester

Gescheitert ist auch das PPG-Management, das jetzt mit leeren Händen dasteht, nachdem der Übernahme-Versuch hoher Beratungs-Kosten verursachte und wichtige Management-Kapazitäten gebunden waren.

Die Aktionäre des Bieters haben für den kostspieligen und zeitaufwändigen Vorstoß allerdings Verständnis gezeigt; je näher PPG dem Ziel war, desto stärker stieg die Aktie.

Erst als sich abzeichnete, dass die Tür für einen freundlichen Deal zu ist, verlor die PPG-Aktie wieder.

Die Drohung einer feindlichen Übernahme-Offerte sorgte dann für weitere Kursrückgänge der PPG-Aktie.

Nachdem die PPG-Spitze den Plan gestern jedoch begrub, kamen auch die ersten Aktionäre wieder zurück.

Seit Bekanntgabe des Übernahme-Interesses hat die PPG-Aktie 7% zugelegt.

Neuauflage des Übernahme-Versuchs 2018 gut vorstellbar: Letztes Wort noch nicht gesprochen?

Es wird erwartet, dass PPG sich jetzt nach anderen Übernahme-Zielen umschaut. Durch die Chemie-Branche rollt eine Übernahme-Welle und der führende Spieler wird dabei eine aktive Rolle einnehmen wollen.

Sollte sich jedoch kein passender Kandidat finden, könnte es zu einer Neuauflage bei Akzo Nobel kommen.

Gemäß dem niederländischen Übernahme-Recht darf PPG Akzo Nobel jetzt zwar 6 Monate nicht mehr umwerben.

Doch es ist gut möglich, dass sich Anfang 2018 die „neue“ Akzo und PPG an den Verhandlungstisch setzen werden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.