P&R: Spektakuläre Pleite und die Folgen

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Lesen Sie jetzt, wie die spektakuläre Pleite des Seecontaineranbieters P&R zustande kam und was Sie als Anleger daraus lernen können. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Die Kursverluste dieser Tage an den Aktienmärkten sind schmerzlich für investierte Anleger. Allerdings handelt es sich dabei zunächst einmal nur um Buchverluste und ich bin überzeugt davon, dass wir bei den meisten Unternehmen zeitnah wieder deutlich höhere Kurse sehen werden, sobald US-Präsident Donald Trump kurz vor oder kurz nach der Wahl im November neue Handelsabkommen mit der EU und China abschließt.

Mit anderen Worten: Wer jetzt keine Liquidität benötigt, sollte die Situation einfach aussitzen. Anders sieht es für die Anleger der Pleitegesellschaft P&R aus. Die werden keine Chance haben, jemals ihren vollständigen Einsatz wieder zurückzuerhalten. Da hilft auch kein Warten oder Aussitzen.

Details zur P&R-Pleite

Im März dieses Jahres stellte der Seecontaineranbieter P&R einen Insolvenzantrag. Tausende Anleger verlieren viel Geld. Kommen wir nun zum Geschäftsmodell von P&R: Das Unternehmen war nach eigenen Angaben seit mehr als 40 Jahren im Geschäft mit Transportcontainern tätig.

P&R hat seinen Anlegern neue und gebrauchte Schiffs-Container verkauft, um diese dann weiterzuvermieten. Nach 5 Jahren sollte der Rückkauf der Container durch P&R erfolgen. Die dabei in Aussicht gestellte jährliche Rendite lag vor Steuern bei 5% und nach Steuern bei rund 3%. Auf den ersten Blick also ein Investment, das, gemessen an der Rendite, nicht unbedingt von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

Dennoch hätte P&R wohl schon im Jahr 2009 Insolvenz anmelden müssen. Da war der Containervertrieb laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé bereits schwer ins Schlingern gekommen. Doch der Vertrieb sammelte in der Folge noch einige Jahre Milliardenbeträge von zahlreichen gutgläubigen Anlegern ein.

Insgesamt hatten 54.000 Anleger 3,5 Mrd. Euro bei P&R investiert. Zum Zeitpunkt der Insolvenz gab es von den in den Büchern angegebenen 1,65 Mio. Containern eine Mio. Container nur auf dem Papier. Die Containermieten, die auch in den schwierigeren Jahren an die Anleger ausgezahlt wurden, wurden also mit neuen Anlegergeldern finanziert.

Mindestens zwei Drittel der Anlagesumme der Investoren sind verloren. Und erst nach knapp 10 Jahren dürften die Anleger das restliche Drittel in mehreren Teilbeträgen zurückerhalten haben. Das konnten sich die Anleger nach den Ausführungen des Insolvenzverwalters im Rahmen einer kürzlich stattgefundenen Gläubigerversammlung ausrechnen.

Wie Sie sich schützen können

Die P&R-Pleite ruft auch Verbraucherschützer auf den Plan, die fordern, dass der sogenannte graue Kapitalmarkt stärker reguliert werden soll bzw., das derartige Anlageprodukte nicht an Privatanleger verkauft werden dürfen.

Meine Empfehlung: Verlassen Sie sich nicht auf Verbraucherschützer und Anlegerschützer, sondern schützen Sie sich selbst. Das tun Sie am effektivsten, indem Sie nur das kaufen, was Sie auch verstehen. Dadurch lässt sich in den meisten Fällen ein größrer Kapitalverlust vermeiden.

Außerdem sollten Sie auf börsengehandelte Investments setzen (und nicht auf Produkte vom grauen Kapitalmarkt), denn bei diesen sehen Sie börsentäglich die Preisentwicklung. Sie können diese Investments auch börsentäglich kaufen und verkaufen.

Es ist dabei nahezu ausgeschlossen, dass Sie jahrelang denken, dass sich Ihr Investment prächtig entwickelt und dass dann über Nacht eine Insolvenzmeldung kommt, die gleichbedeutend damit ist, dass Ihr Kapital ganz oder größtenteils verloren ist.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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