Preissturz beim Rohöl – Opec+ berät Konsequenzen

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Krisentreffen der Ölproduzenten: Die Opec+ Staaten beraten über mögliche Gegenmaßnahmen, um den Preisverfall am Ölmarkt zu stoppen. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Die Angst vor dem Coronavirus und seinen wirtschaftlichen Folgen hat inzwischen auch die Rohstoffmärkte erfasst. Besonders deutlich zeichnet sich der Trend in der Entwicklung der Ölpreise ab. Kein Wunder, immerhin ist China seit einigen Jahren der größte Ölimporteur der Welt.

Nun allerdings werden wegen der sich ausbreitenden Lungenerkrankung ganze Millionenstädte abgeriegelt, in mehreren Regionen herrscht der Ausnahmezustand. Beobachter rechnen mit einem Einbruch der chinesischen Ölnachfrage um bis zu 20 Prozent.

Nachfrageeinbruch und Preisverfall seit Jahresbeginn

Doch nicht nur der nachlassende Bedarf der chinesischen Wirtschaft hat Auswirkungen auf den Ölpreis. Hinzu kommt eine geringere Nachfrage nach Kerosin, nachdem gleich mehrere Fluggesellschaften ihre Verbindungen ins Reich der Mitte vorläufig komplett eingestellt haben, darunter auch die Lufthansa, die mindestens bis Ende der Woche keine chinesischen Flughäfen ansteuern will.

Seit Jahresbeginn sind die Preise für Rohöl um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Die Nordseesorte Brent fiel Anfang der Woche auf unter 55 Dollar je Barrel zurück, die US-Sorte WTI lag zeitweise sogar unter 50 Dollar je Fass.

Preisstabilisierung durch weitere Förderkürzungen?

50 Dollar gilt jedoch als absolute Schmerzgrenze der Öl exportierenden Staaten. Die Opec und weitere Staaten haben sich bereits vor einigen Jahren als Opec+ zusammengetan, um die Fördermenge zu drosseln und auf diese Weise den Ölpreis nach einer anderthalbjährigen Talfahrt wieder zu stabilisieren.

Eine Zeit lang hat das auch ganz gut funktioniert, zuletzt jedoch zeigte eine weitere Ausweitung der Förderkürzung kaum noch Wirkung, im Gegenteil: Obwohl die Opec+ Staaten im Dezember eine Drosselung um weitere 500.000 Barrel pro Tag beschlossen und damit gut 2 Millionen Barrel täglich weniger produzieren als noch im Oktober 2018, ist der Ölpreis seither deutlich gefallen.

Beschluss noch heute erwartet

Das Coronavirus hat die Lage nun zusätzlich verschärft und den Preisverfall weiter beschleunigt. Grund genug für die Opec+, ein Krisentreffen einzuberufen, um weitere Maßnahmen zu beraten. Noch heute soll demnach beschlossen werden, wie es weitergeht, ob also weitere Förderkürzungen umgesetzt werden sollen oder nicht.

Dafür spricht, dass eine Produktionsdrosselung der direkteste Hebel ist, den die Ölexporteure in der Hand haben. Allerdings waren die Einschnitte der vergangenen Jahre für einige Staaten bereits recht schmerzhaft. Eine weitere Kürzung müsste daher wohl Saudi Arabien weitgehend alleine stemmen – inwieweit das Land dazu bereit ist, ist fraglich.

Einen weiteren Preisrutsch aber können sich die Opec und ihre Verbündeten kaum leisten, im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Abrutschen des Ölpreises auf deutlich unter 50 Dollar schlägt sich direkt in den Staatshaushalten der Produzenten nieder, deren Volkswirtschaften zu einem Großteil auf dem Geschäft mit dem Öl beruhen.

Entscheidungen dazu, wie es weitergehen soll, werden im Laufe des Tages erwartet.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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