Prime Standard für Anleihen

Ab Anfang 2012 können Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse ihre Anleihen im Prime Standard für Unternehmensanleihen begeben.

Nachdem die Mittelstandsanleihen in diesem Jahr im Fokus von Investoren und Emittenten standen, haben fast alle Deutschen Börsen eigene Anleihensegmente eingeführt.

Neben der Börse Stuttgart bietet auch die Deutsche Börse im Entry Standard, die Börse Düsseldorf mit dem Mittelstandmarkt, die Börse München mit m:access bonds sowie die Börsen Hamburg und Hannover mit der Mittelstandsbörse eigene Börsensegmente an.

Diese Segmente haben sich in der Regel an Unternehmen aus dem Mittelstand gerichtet.

Alexander Höptner, Leiter des Bereichs Markets Services bei der Deutschen Börse sagte „Nach der erfolgreichen Einführung des Entry Standards für Anleihen im Februar ist das neue Segment die logische Ergänzung für Emittenten, die sich an den Gepflogenheiten der institutionellen Emissionen orientieren, neue Investorengruppen mit einem liquiden Handel erschließen und dabei ein hohes Maß an Transparenz zeigen wollen.“

Der Prime Standard für Unternehmensanleihen richtet sich an größere börsen- und nicht-börsennotierte Unternehmen, die ein Emissionsvolumen von über 100 Mio. Euro platzieren wollen.

Das Mindestvolumen ist somit weit aus höher als bei allen anderen Anleihensegmenten. So liegt das Mindestvolumen in Stuttgart und München bei 25 Mio. Euro und in Düsseldorf bei 10 Mio. Euro. Frankfurt und Hamburg/Hannover verzichten komplett auf ein Mindestvolumen.

Grundsätzlich müssen die Emittenten ihre Anleihe nicht zwingend an der Börse einführen, jedoch ist die Zulassung der Anleihen im Freiverkehr sehr verbreitet.

Zuteilungsquote für private Investoren

Private Investoren sollen bei der Platzierung berücksichtigt werden. Der Prime Standard für Unternehmensanleihen sieht für jede Anleihe eine feste Zuteilungsquote von mindestens zehn Prozent an private Investoren vor.

Als private Investoren gelten dabei diejenigen Anleger, die eine Ordergröße von unter 25.000 Euro platzieren. Die Stückelung der Wertpapiere ist auf 1.000 Euro festgelegt.

Für die Unternehmen erfolgt der Eintritt in das neue Segment flexibel über zwei Zugänge: Entweder über den Regulierten Markt oder den Open Market.

Vor allem große, nicht-börsennotierte und familiengeführte Unternehmen profitieren von einem alternativen Eintritt in das neue Segment über den Open Market.

Hohe Transparenzanforderungen für Emittenten

Im Gegensatz zum Entry Standard für Anleihen, der sich an mittelständische Unternehmen richtet, müssen Emittenten im Premiumsegment höhere Transparenzanforderungen und erweiterte Folgepflichten erfüllen.

Dazu gehören unter anderem die Veröffentlichung von insgesamt 24 Unternehmenskennzahlen. Ist eine Anleihe im Entry Standard für Unternehmensanleihen gelistet müssen insgesamt nur sechs Unternehmenskennzahlen veröffentlicht werden.

Darüber hinaus gehört auch die Durchführung einer jährlichen Analystenkonferenz für Kreditinvestoren zum Pflichtprogramm.

Ratingbericht ist Pflicht

Die Erstellung eines Ratingberichts ist bei der Notierung im Prime Standard für Unternehmensanleihen ebenfalls verpflichtend.

Die Anleihen können sowohl im geregelten Markt als auch im Freiverkehr begeben werden. Das soll den Prime Standard für Unternehmensanleihen auch für Unternehmen interessant machen, die kein Aktienlisting im Prime Standard haben.

22. November 2011

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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