Privater Konsum in China: 5-Jahrplan fordert Ausbau des Inlandkonsums

Der private Konsum in China könnte schon bald das neue Zugpferd der Wirtschaft werden, geht es nach dem neuen 5-Jahrplan. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Made in China: Immer öfter lesen Sie dieses Label.

Und es ist bekannt: China ist der globale Exportweltmeister.

2020 könnten bereits ein Viertel aller Exporte von China bestritten werden.

Doch verkündet der neue 5-Jahrplan der chinesischen Regierung einen Wandel. Einen Wandel, hin zu mehr privatem Konsum in China. Es gilt damit den Export in seiner Wichtigkeit zumindest etwas zu beschneiden.

Der neue 5-Jahrplan: Privater Konsum in China bald das neue Zugpferd

Chinas Nationaler Volkskongress hat vor wenigen Tagen den neuen 5-Jahrplan bis 2015 beschlossen. Der Kernpunkt: Die Volksrepublik soll etwas langsamer wachsen, aber dafür balancierter.

Will heißen: Mehr sozialer Ausgleich, weniger Lohnunterschiede zwischen boomender Küste und bäuerlichem Hinterland sowie höhere Energieeffizienz und – besonders wichtig – ein neues Zugpferd für das langfristige Wachstum.

Der private Verbrauch soll die Rolle des Treibriemens für die Volkswirtschaft übernehmen und dabei die Exporte ablösen. Im Zusammenhang mit dem Desaster in Japan kommt diesem Beschluss nun noch mehr Bedeutung zu.

Internationales Umfeld spricht für Absicherung gegen Exportausfall

Denn Japan – die drittgrößte Volkswirtschaft auf dem Globus – wird in den kommenden Monaten, just wenn die Weltwirtschaft ohnehin von ihrem Momentum einbüßt, große Probleme haben. Gleichzeitig kommen aus den USA – der größten Volkswirtschaft der Erde – immer noch gemischte Nachrichten.

Und in Europa wird rigoros gespart, während die Schuldenkrise auf ihre Lösung wartet. In diesem globalen Umfeld ist es besonders wichtig, dass China nicht übermäßig Dampf verliert.

Auch vor diesem Hintergrund muss der geplante Wechsel der Pferde innerhalb Chinas zu mehr privatem Konsum gesehen werden.

Aktuelle Exportraten sprechen ebenfalls für mehr privatem Konsum in China

Die Exporte, die bislang die Turbo-Konjunktur zusammen mit den Anlage-Investitionen unter Feuer gehalten haben, müssen schon aus mathematischen Gründen mit einer Beruhigung rechnen.

Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 20 Prozent in jedem der vergangenen 10 Jahre ist Chinas Anteil an den Gesamtausfuhren der Welt von einstmals 3,5 Prozent auf jetzt über 9 Prozent gewachsen.

Damit hält das Reich der Mitte vor Deutschland schon die Goldmedaille. Bei einer Fortsetzung des aktuellen Exportwachstums würde China bis 2020 ein Viertel aller Exporte auf dem Globus bestreiten.

Schon jetzt drängen jedoch seine wichtigsten Handelspartner – allen voran die USA – auf eine besser balancierte Weltwirtschaft, in der China mehr selbst konsumiert und weniger exportiert.

Überdies hat China in den vergangenen 15 Jahren seine Infrastruktur und seine Immobilienwirtschaft dramatisch ausgebaut.

Das Land wird künftig mit geringeren Zuwachsraten auskommen, wenn es genügend Straßen, Brücken und Kraftwerke bereitstellen will, um das geplante Wachstum zu ermöglichen.

In diesem Umfeld spielt der Inlandskonsum eine enorm wichtige Rolle. Das ist auch der Grund, warum die Führung in Peking trotz der negativen Wirkung auf die Exportpreise beherzt steigende Löhne fördert.

Allein im vergangenen Jahr haben 14 Provinzen in China ihre Mindestlöhne um 15-20 Prozent angehoben.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.