Procter & Gamble-Aktie: Konsumgüterriese setzt nach Quartalszahlen Höhenflug ungebremst fort

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Procter & Gamble: Konsumgüterriese meldet stärkstes Wachstum seit über 10 Jahren. Aktienkurs setzt Haussemodus ungebremst fort - der Börsenwert kratzt an der 300 Milliarden Dollar-Marke. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Dass Anleger auch mit vermeintlich langweiligen Geschäftsmodellen durchaus Geld verdienen können, zeigt Ihnen ein Blick auf die Procter & Gamble-Aktie. Seit Jahresbeginn liegen die Papiere rund 30% in der Gewinnzone, auf 12-Monatssicht können sich die Aktionäre über einen Zuwachs von satten 50% freuen.

Dabei hat der jüngste Höhenflug mehrere Gründe: Zum einen strömen die Anleger in konjunkturell unsicheren Zeiten vermehrt in Aktien mit stabilen Geschäftsmodellen. Zum anderen hat der US-Konsumgüterriese gerade bärenstarke Zahlen vorgelegt und mit seinem Wachstum die höchsten Zuwachsraten seit über einem Jahrzehnt erzielt.

P&G – Traditionskonzern par excellence

Procter & Gamble wurde 1837 von zwei Auswanderern aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland in den Vereinigten Staaten von Amerika gegründet. Namentlich waren dies der englische Kerzenzieher William Procter (1801–1884) und sein Schwager, der irische Seifensieder James Gamble (1803–1891). Das Unternehmen hat sich seit seiner Gründung unter anderem durch Entwicklungen im Konsumgütermarkt einen Namen gemacht und hat immer wieder neue Wege im Marketing beschritten. Besonderes Kennzeichen ist das ausschließlich an den einzelnen Marken orientierte Marketing, während der Konzern und sein Name meist im Hintergrund bleiben. Procter & Gamble gilt daher auch als Pionier des Markenmanagements.

Heute gehört der Konzern mit einem Jahresumsatz von über 66 Milliarden Dollar zu den größten Konsumgüterkonzernen der Welt. Das diversifizierte Sortiment in erster Linie über Großabnehmer, Lebensmittelhändler und Drogerien sowie kleinere Einzelhandelsfilialen vertrieben. Das umfangreiche Portfolio vereint zahlreiche Marken wie Oral-B, Always, Gillette, Febreze, Head & Shoulders, Charmin, Ariel, Pampers oder Swiffer. Derzeit plant das Unternehmen, die Sparte um rezeptfreie Medikamente des deutschen Pharma-Konzerns Merck zu übernehmen.

Umsatzplus von 7% überrascht die Analysten

Im abgelaufenen Schlussquartal des laufenden Geschäftsjahres gingen bei Procter & Gamble Umsätze in Höhe von 17,09 Milliarden Dollar durch die Bücher. Bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie Währungseffekte war dies ein Zuwachs um immerhin 7%. So stark wuchs der Konzern in den letzten 10 Jahren nicht mehr. Nicht weniger positiv sah es bei der um Sondereffekte bereinigten Gewinnentwicklung aus. Je Aktie erzielte der US-Konzern einen Anstieg des Gewinns auf 1,10 Dollar. Das entspricht einer Steigerung um 17%.

Starkes Geschäft mit Gesundheitsmitteln sorgt für Rückenwind

Besonders stark entwickelte sich mit einem Absatzplus von 13% (2,04 Milliarden Dollar Umsatz) der Bereich mit Gesundheitsprodukten. Vor allem höhere Preise und eine saisonal späte Erkältungswelle haben die Bilanz aufgebessert. Daneben verkauften sich auch hochpreisige Hautpflegeprodukte der Premiummarke SK-II und der Marke Olay Skin Care gut.

Gilette sorgt für hohe Sonderabschreibung

Allerdings musste der Konsumgütergigant auch eine heftige Sonderabschreibung auf seine Tochtergesellschaft Gilette verbuchen. Zu Ihrer Information: Procter & Gamble hat den Rasierklingenkonzern vor 14 Jahren für 57 Milliarden Dollar übernommen. Auf Grund signifikanter Währungsabwertungen seither muss der Konzern jetzt den Firmenwert um 8 Milliarden Dollar abwerten.

Zugleich ist der Markt für Rasierklingen und -apparate zuletzt rückläufig gewesen. Nicht nur die gestiegene Konkurrenz, auch der insgesamt nachgelassene Absatz hat die Ergebnisse gedrückt. Daher rutschte Procter & Gamble im letzten Quartal mit einem negativen Ergebnis von 5,24 Milliarden Dollar tief in die Verlustzone.

Starke Prognose und Aktienrückkauf lässt die Anleger jubeln

Auch für den weiteren Jahresverlauf ist die Konzernführung ausgesprochen optimistisch. Für 2020 rechnet der Konzern mit einem organischen Umsatzwachstum von 3 bis 4% sowie einer Steigerung des Gewinns je Aktie auf 4,70 bis 4,93 Dollar. Zugleich hat P&G ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 6 bis 8 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2020 angekündigt. Die Anleger freut es. Die einmalige Gilette-Abwertung trübte die positive Stimmung nicht. Nachdem der Kurs gerade ein neues Rekordhoch erreicht hat, überschritt der P&G-Börsenwert kurzfristig beim Börsenwert die Marke von 300 Milliarden Dollar.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.