Profitiert diese Aktie vom Zykliker-Comeback?

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Die Zykliker kommen wieder, meinen zumindest einige Marktbeobachter. Wir haben einen Zykliker - nämlich Salzgitter - für Sie analysiert. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Haben Sie die jüngsten Berichte in der Wirtschaftspresse verfolgt? Angeblich sind Zykliker wieder interessant und Tech-Titel zu teuer. Dass es an der Börse nicht immer so einfach ist, zeigt der Blick unter die Haube. Gemeint ist die Analyse der Bilanzen. Statt pauschal bestimmte Branchen hochzujubeln, sollte man sich zuerst die Fundamentaldaten ansehen. Diese fördern bei Salzgitter einiges zu Tage und schaffen Klarheit. Lesen Sie unbedingt unsere Analyse. Vorab aber ein paar Eckdaten zum Unternehmen an sich.

Schwache Zahlen

Salzgitter gehört zu den größten Stahltechnologie-Konzernen Europas. In Deutschland ist das Unternehmen hinter thyssenkrupp die Nummer 2. Im Bereich Großrohre ist Salzgitter nach der Übernahme der Mannesmannröhren-Werke (MRW) Weltmarktführer. Die Produktpalette umfasst Flachstahlprodukte, Träger, Grobbleche sowie nahtlose und geschweißte Rohre in allen Dimensionen.  Salzgitter ist wegen der Corona-Pandemie im 1. Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht.

Der Umsatz gab – insbesondere mengenbedingt – um ein Fünftel nach. Besonders der Nachfrageeinbruch aus der Automobilindustrie belastete den Konzern, während sich die Baubranche stabil zeigte. So verzeichneten die Tochtergesellschaften eine um 10 bis 70% geringere Auslastung. Darüber hinaus entfalteten die schon vor der aktuellen Krise überdimensionierten Importquoten für zollfreie Stahlimporte in die EU keinerlei Schutzwirkung, da sich deren prozentualer Anteil infolge des Rückgangs der Stahlnachfrage in der EU im 2. Quartal sogar noch erhöhte. Das Vorsteuerergebnis verschlechterte sich von +145,3 auf -127,8 Mio €.

Zukäufe machen Hoffnung

Frühzeitig und konsequent eingeleitete Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung wirkten gegenläufig. Unterm Strich fiel dennoch ein Verlust von 144,7 Mio € an. Die Nettofinanzposition (-472,3 Mio €; 30.6.2019: -164,4 Mio €) verringerte sich vor allem aufgrund der Zahlung eines Bußgeldes an das Bundeskartellamt. Mit 34,4% Eigenkapitalquote ist die Bilanz aber nach wie vor solide.

Mit der Übernahme des auf Grobblech spezialisierten Unternehmens Statendam Steel Plates baut Salzgitter sein europäisches Handelsnetzwerk aus. Die Statendam Steel Plates beliefert Kunden aus den Bereichen Baugewerbe, Handel, Kesselbau, Maschinenbau, Metallbau, Offshore und Schiffsbau. Wegen der anhaltenden Unsicherheit lässt sich die weitere Geschäftsentwicklung nicht prognostizieren.

Warum Sie trotzdem abwarten sollten

Auch wenn es aktuell einen kurzfristigen Trend hin zu Zyklikern gibt, so ist dieser Umstand eher für taktische Investoren relevant. Wer langfristig anlegen möchte, sollte sich stattdessen auf Fakten verlassen. Was sich allerdings anbieten kann, ist eine kleine Position, sozusagen um einen Fuß in die Tür zu stellen. Die fundamentale Situation ist dafür bei Salzgitter aber auch nicht gerade die beste. Warten Sie besser ab!

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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