Prognose leicht modifiziert, doch die Kurschancen stimmen bei diesem Chiphersteller

Die gestrige Börsenerholung war nicht nachhaltig: Heute gab der deutsche Leitindex DAX deutlich nach und fiel das erste Mal seit dem 12. April wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten.

Vor allem die bisher schwach verlaufende Berichtssaison belastet die Kurse. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) schrumpfte im ersten Quartal 2016 der Umsatz der 16 DAX-Konzerne, die bisher Zahlen vorgelegt haben, um 4 Prozent auf insgesamt 153 Mrd. Euro.

Auch der operative Gewinn (EBIT) gab deutlich um 9 Prozent auf 15,3 Mrd. Euro nach. Sicher: Das ist weiterhin ein gutes Ergebnis, zumal im vergangenen Jahr der schwache Euro das Umsatzwachstum zusätzlich angekurbelt hatte. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei rund 1,16 Dollar – so hoch wie seit Anfang 2015 nicht mehr.

Euro gibt keine Impulse mehr

Alle Zeichen stehen nun für eine weiterhin deutliche Erholung des Euros. Die Unternehmen werden, anders als im vergangenen Jahr, von dieser Seite keine zusätzlichen Impulse erwarten dürfen. Eine schwächere Umsatzentwicklung als im Vorjahr ist also vorgezeichnet.

Nach Angaben von EY konnte übrigens von den 16 DAX-Unternehmen, die bereits ihre Zahlen veröffentlichten, ProSiebenSat.1 mit einem Plus von 22 Prozent das größte Umsatzwachstum verzeichnen. Den stärksten Gewinnanstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erzielte wiederum der Chiphersteller Infineon: Das EBIT stieg um 120 Prozent.

Dennoch musste auch die Infineon-Aktie heute nach der Zahlenpräsentation Federn lassen. Der Grund: Das Unternehmen reduzierte seine Prognose für sein Geschäftsjahr 2015/16, das bis zum 30. September läuft.

Beim Umsatz erwartet Infineon jetzt einen Anstieg um rund 12 Prozent – bisher hatte der Konzern mit 13 Prozent plus oder minus zwei Prozentpunkte gerechnet. Der Grund für den vorsichtigeren Ausblick: Infineon kalkuliert für das laufende Geschäftsjahr nicht mehr mit einem durchschnittlichen Euro-Kurs in Höhe von 1,10 Dollar, sondern von 1,15 Dollar.

Marginale Anpassung bei der Gewinnprognose

Daher wird auch von jedem erlösten Dollar weniger in der Gewinn- und Verlustrechnung ankommen. Entsprechend soll die operative Marge im Gesamtjahr einen Wert von 15 bis 16 Prozent erreichen – bisher hatte der Konzern rund 16 Prozent erwartet.

Noch ein Blick ins vergangene Quartal: Während der Umsatz zwischen Januar und Ende März im Vergleich zum letzten Quartal 2015 um 4 Prozent auf 1,61 Mrd. Euro stieg, legte das operative Ergebnis um ebenfalls 4 Prozent auf 228 Mio. Euro zu. Damit schnitt Infineon etwas besser ab als erwartet. In der Halbleiterbranche werden die Geschäftszahlen wegen stark schwankender Chippreise stets mit dem Vorquartal verglichen.

Auf Jahressicht wird zusätzlich noch die Übernahme des US-Konkurrenten International Rectifier den Umsatz treiben. Der rund 3 Mrd. Dollar teure Deal war erst im Januar 2015 abgeschlossen worden, so dass der Erlös noch nicht komplett in das Ergebnis eingeflossen ist.

Auch vor diesem Hintergrund und der ohnehin breiteren Aufstellung des Konzerns trauen Marktbeobachter der Aktie mittelfristig neue Kurssprünge nach oben zu.

3. Mai 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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