Prognose sticht: Merck gewinnt Bietergefecht um Versum Materials

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Übernahme-Kandidat Versum geht an die deutsche Merck. Nach einer kleinen Angebotserhöhung stimmt das Versum-Management der Offerte zu. Entegris geht leer aus - bekommt allerdings 140 Mio. Dollar breakup fee. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der Darmstädter Merck-Konzern hat im Übernahmepoker mit Entegris um den US-Halbleiterlieferanten Versum Materials den Aktionären eine verbesserte Übernahme-Offerte unterbreitet.

Anstatt 48 USD je Versum-Aktie ist der deutsche Chemie- und Pharmakonzern jetzt bereit, 53 USD zu bezahlen. Mit dem verbesserten Angebot steigt der von Merck angebotene Preis auf insgesamt 5,78 Milliarden Dollar ohne Schulden.

Damit überbietet Merck den Interessenten Entegris sehr deutlich. Entegris einigte sich mit Versum im Januar auf eine Fusion unter gleichen. Auf Basis des dafür vorgesehenen Aktientauschverhältnisses von 1,12 alte für 1 neue Aktie lag der rechnerische Wert der Offerte zuletzt bei etwa 42,50 Dollar.

Versum-Verwaltungsrat entscheidet sich für Merck

Aufgrund des sehr hohen Preisunterschieds informierte Versum am gestrigen Sonntag Entegris darüber, dass der Verwaltungsrat einstimmig festgestellt habe, dass die neue Merck-Offerte überlegen ist. Der Versum-Verwaltungsrat beabsichtige daher, den Fusionsvertrag mit Entegris aufzuheben, um das verbesserte Angebot von Merck zu akzeptieren.

Der Übernahme-Sensor hatte diesen Schritt erwartet. Lange wehrte sich Versum gegen den plötzlich aufgetauchten Nebenbuhler, doch seieht es stark danach aus, dass eine zunächst als feindlich eingestufte Übernahme-Offerte in einen einvernehmlichen Deal mündet.

Entegris will auf Gegenofferte verzichten und streicht 140 Mio. Dollar breakup fee ein

Laut Fusionsvereinbarung hat Entegris jetzt vier Werktage Zeit, um ein höheres bzw. verbessertes  Angebot auf den Tisch zu legen. Entegris teilte allerdings postwendend mit, dass es derzeit nicht beabsichtige, Änderungsvorschläge zum bestehenden Fusionsvertrag zu unterbreiten. Dass es dazu trotzdem noch kommt, ist höchst unwahrscheinlich.

Entegris geht im Übernahme-Kampf mit Merck zwar als Verlierer vom Platz, bekommt allerdings noch ein kleines Trostpflaster. Versum ist verpflichtet, eine Abfindung in Höhe von 140 Millionen US-Dollar an Entegris zu zahlen (break up fee).

Versum-Aktionäre die großen Gewinner – aber auch Entegris- und Merck-Aktionäre mit schönem Plus

Wie bei jedem Übernahmepoker, der in die Verlängerung geht, dürfen sich die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten schon jetzt auf satte Gewinne freuen. Wurden die Versum-Papiere kurz vor dem Bekanntwerden der Fusionsvereinbarung mit Entegris noch zu 31,65 USD gehandelt, so stieg der Kurs nach Bekanntwerden der Fusion und des daraufhin erfolgten feindlichen Übernahme-angebots durch Merck immer weiter in die Höhe.

Innerhalb von nur neun Wochen verzeichneten die Versum-Papiere so ein Plus von mehr als 60 Prozentpunkten. Mit aktuell 51,70 Dollar notiert die Aktie nur knapp unter dem Angebotspreis, ein Zeichen dafür, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Von der Situation profitiert haben allerdings auch die Entegris-Aktionäre. Obwohl der Bieter leer ausgeht, notiert die Aktie mit aktuell 37,90 Dollar gute 20% über dem Kurs vor Abgabe der Versum-Offerte. Und zu guter letzt können sich auch die Merck-Investoren freuen.

Am Tag vor Abgabe der Konkurrenz-Offerte kostete die Aktie 91 Euro – kurz vor dem heutigen Börsenschluss wechselte das Papier zu 102,20 Euro den Besitzer. Per heute haben also alle beteiligten Parteien verdient (wobei Sie das gute Börsenumfeld natürlich auch nicht vergessen dürfen).

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.