Prokon: Anleger können 2015 mit ersten Zahlungen rechnen

Prokon: Regelinsolvenzverfahren eröffnet. Wie es jetzt weitergeht und was betroffene Anleger tun sollten. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Das war wieder ein Blitzeinschlag an der Börse. Am Vormittag verlor der deutsche Leitindex DAX plötzlich 100 Punkte. Eine passende Negativ-Meldung gab es dazu nicht.

Als dann aber am Nachmittag die US-Börsen relativ stabil eröffneten, lösten sich die Kursverluste in Europa zu großen Teilen in Luft auf. Am Ende verlor der DAX nur leicht und erreichte einen Schlusskurs von 9.529 Punkten.

Von einem ähnlichen „Happy End“ träumen die Besitzer der Prokon-Genussrechte. Eine erste Bestandsaufnahme deutet darauf hin, dass aus heutiger Sicht zumindest das schlimmste Szenario, ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals, verhindert werden kann. Die Anleger können aber nur warten und auf die ersten Auszahlungen im Jahr 2015 hoffen.

Der (traurige) Fall Prokon beschäftigt uns hier im „Schlussgong“ inzwischen seit einigen Monaten. Seitdem im Januar 2014 ein Insolvenzantrag gestellt werden musste, befand sich Prokon zunächst in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Seit der vergangenen Woche ist aus dem vorläufigen Insolvenzverfahren ein Regelinsolvenzverfahren geworden.

Dieses wurde durch das zuständige Amtsgericht im schleswig-holsteinischen Itzehoe am vergangenen Donnerstag eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Dietmar Penzlin bestellt, der zuvor bereits das vorläufige Insolvenzverfahren betreute.

Wie es jetzt weitergeht

Durch die Eröffnung des Regelinsolvenzverfahrens wird es jetzt sowohl für die rund 75.000 Genussrechtsinhaber, als auch für die rund 340 Mitarbeiter von Prokon ernst. Im laufenden Verfahren wird sich klären müssen, wie viel die Anleger von ihrem investierten Geld wiedersehen und wie viele Arbeitsplätze der Insolvenzverwalter erhalten kann.

Im Zusammenhang mit der Rückzahlung an die Genussrechtsinhaber ist vor allem eine Zahl interessant, die das Amtsgericht nannte. Nach Angaben des Amtsgerichts soll sich das Vermögen des Prokon-Mutterkonzerns „Prokon Regenerative Energien GmbH“ auf 1,05 Mrd. Euro belaufen.

Das hört sich gut an. Das Problem ist jedoch, dass Prokon Schulden in Höhe von 1,53 Mrd. Euro angehäuft haben soll. Hinzu kommt, dass nach ersten Berechnungen im Geschäftsjahr 2013 ein Verlust in Höhe von knapp 500 Mio. Euro entstanden ist.

Damit dürfte ein großer Teil der Anlegergelder verloren sein. Der Insolvenzverwalter rechnet damit, dass Anleger am Ende 30 bis 60% des Kapitaleinsatzes zurückerhalten.

Die Prokon-Anleger müssen also damit rechnen, dass sie einen erheblichen Teil des Kapitals verlieren und dass es mehrere Jahre dauert, bis alle Rückzahlungen erfolgt sind. Die Windparks sollen zunächst weiter arbeiten, da so ein größerer Wert erhalten werden kann.

Weitere Erkenntnisse aus dem Insolvenzverfahren

Da es sich bei Genussrechten um Papiere handelt, die nachrangig bedient werden, also eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital darstellen, haben sich drei Gutachter mit der Frage beschäftigt, ob die Inhaber der Genussrechte ganz am Ende der „Schuldenschlange“ stehen und erst dann bedient werden, wenn die Gläubiger, die erstrangige Schuldtitel besitzen, bedient worden sind.

In diesem Punkt gab es aber eine gute Nachricht für die Prokon-Anleger: Laut Insolvenzverwalter seien die Forderungen der Anleger wie eine normale Insolvenzforderung anzusehen. Wenn die Prokon-Genussrechte als nachrangig eingestuft worden wären, hätte das noch viel größere Verluste für die Anleger bedeutet.

Prokon-Anleger sollten weitere Ausgaben vermeiden

Auch wenn es bitter ist: Die Prokon-Anleger werden mit den hohen Verlusten leben müssen (in meinen Börsendiensten hatte ich schon frühzeitig vor diesem Investment gewarnt).

Jetzt ist es für die Betroffenen wichtig, den Schaden gering zu halten. In den nächsten Tagen erhalten die Prokon-Anleger einen Brief mit dem weiteren Fahrplan. Einige Zeit später folgt ein weiterer Brief mit einem speziellen Formular. Die Anleger können dann schriftlich angeben, welche Summe sie jeweils investiert haben.

Wenn alle Formulare ausgewertet wurden, kann mit den ersten Teilrückzahlungen begonnen werden. Das wird wahrscheinlich im Jahr 2015 der Fall sein.

Prokon-Anleger sollten nicht den Fehler machen, weiteres Geld in diesen Fall zu investieren. So werben viele Anwälte um Prokon-Kunden. Aus heutiger Sicht ist aber nicht zu erkennen, wie die Anleger mit juristischer Hilfe besser abschneiden können. Am Ende bleibt wahrscheinlich die gleiche Rückzahlungsquote. Auf den Anwaltskosten bleiben die Anleger dann zusätzlich sitzen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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