Prokon: Diese drei Wahlmöglichkeiten haben Anleger

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Der insolvente Winkraft-Spezialist Prokon soll fortgeführt werden - über Hoffnung für die Anleger und Zweifel des Ex-Chefs und Gründers. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Es scheint eine Zukunft für das insolvente Windenergieunternehmen Prokon zu geben. Drei große Gläubigergruppen und der Insolvenzverwalter des im schleswig-holsteinischen Itzehoe ansässigen Unternehmens haben sich darauf geeinigt, Prokon weiterzuführen, weil das für die Gläubiger unterm Strich das Beste sei.

Das bedeutet, dass es keine Zerschlagung geben wird und demzufolge nicht die Prokon-Windparks in Deutschland und Polen verkauft werden. Ein verbindlicher Auftrag zur Erstellung eines entsprechenden Insolvenzplans muss die Gläubigerversammlung allerdings noch am 22. Juli in Hamburg erteilen.

Den Anlegern sollen verschiedene Optionen angeboten werden. Dies wurde nach dem jüngsten Treffen in der vergangenen Woche bekannt. An dem Treffen nahmen der Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin und drei große Gläubigergruppen teil.

Die drei Wahlmöglichkeiten für Anleger

Ich möchte Ihnen jetzt die drei wahrscheinlichen Wahlmöglichkeiten für die Inhaber von Prokon-Genussrechten vorstellen:

1.) Umwandlung des Genussrechtskapitals in Eigenkapital: Die Anleger sollen die  Möglichkeit bekommen, ihre Genussrechte in Eigenkapital umzuwandeln und so Gesellschafter von Prokon zu werden. Der Vorteil ist, dass die Anleger dadurch auch Mitbestimmungsrechte bekämen, die für Genussrechteinhaber nicht vorgesehen sind.

2.) Die Möglichkeit zum Ausstieg: Die Umwandlung eines Teils der Genussrechte in eine handelbare Anleihe soll denjenigen Anlegern, die nicht investiert bleiben wollen, eine Möglichkeit zum Ausstieg bieten.

3.) Barzahlung aus Verkaufserlösen: Die Erlöse von Projekten und Beteiligungen, die verkauft werden, sollen anteilig an die Gläubiger fließen. Verkauft sollen aber nur Unternehmensteile und Beteiligungen werden, die nicht zum Kerngeschäft von Prokon zählen. Anleger sollen aber auch die Möglichkeit erhalten, das dadurch erhaltene Geld im Unternehmen zu belassen und so weiteres Eigenkapital zu erwerben.

Das Geld der Anleger ist nicht komplett verloren

Bereits im Mai hatte der Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin erklärt, dass die etwa 75.000 Anleger, die insgesamt 1,4 Mrd. Euro in Prokon-Genussrechte investiert haben, nicht mit einem Totalverlust rechnen müssen.

Nach Penzlins Aussage könnten voraussichtlich 30 bis 60% des eingesetzten Kapitals gerettet werden. Es handelt sich dabei zwar um eine Schätzung mit einer recht großen Spanne, bei den Prokon-Anlegern dürfte diese Aussage dennoch positiv angekommen sein.

Störfeuer seitens des Ex-Prokon-Chefs

Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus, der zugleich auch Gründer des Unternehmens ist, zweifelt nach wie vor am Sanierungswillen des Insolvenzverwalters und versucht über seine “Schutzgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon” Anleger dazu zu bringen, den Vertrauten von Rodbertus Vollmachten für die Gläubigerversammlung am 22. Juli zu erteilen.

Rodbertus stellt den Anlegern eine Rückzahlung von 90 bis 100% ihres Geldes innerhalb von 3 bis 5 Jahren in Aussicht und will das Geld mit 2 bis 3 % verzinsen. Nach seiner Ansicht müssen die Prokon-Anleger nur dann einen (Teil)-Verlust ihres Geldes fürchten, wenn der Insolvenzverwalter seinen “Zerschlagungsplan” in die Tat umsetzen würde.

Die Prokon-Anleger sollten es sich aus meiner Sicht gut überlegen, ob sie den Äußerungen des Insolvenzverwalters glauben, oder dem Ex-Chef Rodbertus die von ihm gewünschte Vollmacht erteilen. Rodbertus hat schon einmal gezeigt, dass ihm das operative Geschäft von Prokon über den Kopfe gewachsen ist.

Ich möchte Herrn Rodbertus keineswegs etwas Böses unterstellen – dafür möchte ich ihm an dieser Stelle aber auch nicht die Kompetenz unterstellen, die es benötigt, um das angeschlagene Unternehmen wieder in die richtige Spur zu bringen und dadurch einen möglichst großen Teil der Anlegergelder zu retten.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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