Prosieben-Aktie: TV-Konzern streicht satten Gewinn ein

Was beim Fernseh-Riesen ProSieben nach dem Verkauf des Reiseportals Etraveli kommt, erfahren Sie an dieser Stelle von Experte Rene König. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Fast täglich hagelt es Neuigkeiten bei ProSieben.

Dem Aktienkurs haben die jüngsten Meldungen zu Unternehmens-Käufen und -Verkäufen allerdings noch nicht auf die Beine geholfen.

Auf Sicht der vergangenen 12 Monate notieren die Papiere mit einem Minus von 5% weit abgeschlagen hinter dem MDAX, der im gleichen Zeitraum immerhin um 27% zulegen konnte.

Wie geht es nach den jüngsten Deals strategisch weiter? Was sagen die Analysten zur Aktie?

Führender europäischer Medienkonzern

Das Kerngeschäft von ProSieben besteht aus werbefinanziertem Free-TV, das immerhin in 42 Mio. Haushalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz empfangen wird.

Hinter dem Konzern verbergen sich nicht nur Sat1 und ProSieben, sondern auch die Programme Kabel Eins, Sixx, Sat1 Gold und ProSieben MAXX.

Über das klassische Fernseh-Geschäft hinaus betreibt die Gruppe zudem mit maxdome Deutschlands größte Online-Videothek und bietet über die Plattform MyVideo Online-Spiele an.

Im Juni 2013 hat das Unternehmen die Musik-Plattform Ampya gestartet, die als Streaming-Dienst Musik, Videos, Radio sowie News bietet.

Digitale Inhalte werden immer wichtiger

Darüber hinaus hat der Konzern in den vergangenen Jahren den Aufbau eines Portfolios an digitalen Geschäftsmodellen kräftig ausgebaut. Der Hintergrund leuchtet ein:

Der Fokus lag besonders auf Geschäften, die sich besonders für TV-Werbung eignen und deren Erwerb zumeist durch freies Werbe-Inventar (ca. 20%) finanziert wurde.

So hat ProSieben eine gute Marktposition in den Wachstumsmärkten e-commerce (z. B. moebel.de, billiger-mietwagen.de) und digitales Entertainment (AdVod, SVoD) erreicht.

Satter Gewinn bei Etraveli

Jetzt hat der Fernsehsender erstmals einen bedeutenden Meilenstein in seiner Strategie erreicht und das Flugreise-Portal Etraveli mit sattem Gewinn verkauft:

Der Finanz-Investor CVC kauft das Portal zu einer Bewertung von 508 Mio. €.

Für Sie zum Vergleich: Als ProSieben im November 2015 dort einstieg, lag der Unternehmenswert gerade einmal bei 235 Mio. €.

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Mit Etraveli verliert der Konzern aber einen bedeutenden Anteil seines Online-Geschäfts, hatte Etraveli seine Erlöse mit einem Jahres-Umsatz von 316 Mio. € doch um 76% steigern können.

Noch mehr Beteiligungen stehen auf dem Prüfstand

Ein Grund in der Trennung könnte in der Ausrichtung von Etraveli liegen.

Denn der Konzern erwirtschaftete den Großteil seines Geschäfts außerhalb von Deutschland und profitiert daher weniger von der Werbung auf den hauseigenen Sendern von ProSieben.

Laut Firmen-Angaben stehen aber auch die Reiseseiten weg.de und tropo auf dem Prüfstand.

ProSieben übernimmt Mehrheit von Jochen Schweizer

Fast zeitgleich gab der Konzern die Übernahme der Mehrheit an dem Anbieter von Erlebnis-Gutscheinen Jochen Schweizer bekannt.

Die Firma soll mit dem hauseigenen Erlebnis-Anbieter mydays zusammengelegt werden.

Die Übernahme von Jochen Schweizer ist für ProSieben seit Langem der 1. Zukauf im Digital-Geschäft.

Dabei hatte Konzernchef Thomas Ebeling seine Aktionäre im November mit der Bitte um Geld für weitere Zukäufe in der Digital-Sparte überrumpelt.

Durch die Erlöse aus der Kapital-Erhöhung und den angekündigten Verkauf seines Flugreise-Portals Etraveli hat der Konzern jetzt rund 1 Mrd. € für Zukäufe in der Digital-Sparte auf der hohen Kante.

Analysten zeigen sich zuversichtlich

Trotz des Verkaufs von Etraveli hält der Konzern an seiner Prognose fest und passt seine Planung vorerst nicht an, ein Update soll es erst Anfang Dezember geben.

Unterdessen zeigen sich die Analysten optimistisch: Sie erwarten im kommenden Geschäftsjahr im Schnitt eine Steigerung des Gewinns je Aktie von 2,53 auf 2,71 €.

Damit ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 (Basis 2018).

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt momentan bei 44,10 € und damit 18,52% über dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.