Prosieben Media: Nach Kursdebakel machen Übernahmegerüchte die Runde

Mann Kurse Zettel Rechner Tisch – Rawpixel.com – shutterstock_613049738

Prosieben Media: Übernahmegerüchte hauchen gebeutelter Aktie des Medienriesen wieder Lebensenergie ein. Italienischer Bieter steht angeblich in den Startlöchern. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Aktionäre des deutschen Medienkonzerns Prosieben Media hatten zuletzt keine Freude. Seit Ende 2015 rauschte der Aktienkurs der Unterföhringer Firma von knapp 51 Euro bis auf unter 13 Euro in die Tiefe. Wer nach den millionenschweren Insiderkäufen im letzten Jahr auf eine Trendwende spekuliert hat, wurde komplett auf dem falschen Fuß erwischt.

Erst in den letzten Tagen sendete die Aktie wieder ein kleines Lebenszeichen und erholte sich bis auf beinahe 14 Euro. Dabei waren es vor allem Übernahmespekulationen, die dem Kurs wieder auf die Beine geholfen haben.

Prosieben Media im Portrait

Prosieben Media ist einer der führenden europäischen Medienkonzerne. Das Kerngeschäft besteht aus werbefinanziertem Free-TV, das in 45 Millionen Haushalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz empfangen wird. Die verschiedenen Programme der Sender SAT.1, ProSieben, sixx, kabel eins, SAT.1 Gold und ProSieben MAXX zielen darauf ab, alle kommerziell relevanten Zielgruppen im deutschsprachigen Raum zu erreichen.

Die Produktion von TV-Programmen übernimmt dabei Red Arrow Entertainment. Die produzierten Formate werden dann auch an andere Fernsehsender weltweit verkauft. Über das klassische Fernsehgeschäft hinaus betreibt die Gruppe zudem mit maxdome Deutschlands größte Online-Videothek und bietet über die Plattform MyVideo Online-Spiele an. Im Juni 2013 hat das Unternehmen die Musikplattform Ampya gestartet, die als Streaming-Dienst Musik, Videos, Radio sowie News bietet.

Stagnierender Umsatz im Schlussquartal

Zuletzt liefen die Geschäfte aber eher schleppend bei dem Unterföhringer Konzern. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stagnierte der Umsatz des Konzerns im Schlussquartal des zurückliegenden Geschäftsjahres bei 1,32 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sank im gleichen Zeitraum auf 379 Millionen Euro (-3% zum Vorjahr). Die EBITDA-Marge verschlechterte sich damit um 0,8 Prozentpunkte auf 28,6%.

Unter dem Strich blieb ein Nettoergebnis in Höhe von 236 Millionen Euro hängen. Das entspricht einem Ergebnis je Aktie von 1,04 Euro und lag damit 8% über dem Vorjahresniveau.

Gesamtjahr im Rahmen der Erwartungen

Mit der Geschäftsentwicklung im Gesamtjahr lag der Medienriese im Rahmen der Erwartungen. Der Umsatz war um 2% auf 4,01 Milliarden Euro rückläufig. Die EBITDA-Marge lag mit 25,3% ebenfalls unter dem Niveau des Vorjahres (25,8%). Beim bereinigten Jahresüberschuss erreichte Prosieben Media 541 Millionen Euro beziehungsweise 2,36 Euro je Anteilsschein (2017: 2,40 Euro).

Unter dem Strich zeigte sich die Konzernführung unzufrieden. Die Schwäche im TV-Werbegeschäft konnte nicht ausreichend mit dem Wachstum im Digital- und Commerce-Bereich ausgeglichen werden. Auf Grund er schwierigen Marktlage im Werbemarkt und der geringen Visibilität hat der Konzern beschlossen, die Dividende auf 1,19 Euro je Aktie zu kürzen. Damit werden künftig nur noch 50% des Nettoergebnisses und nicht wie bislang 80 bis 90% ausgeschüttet. Die zusätzlich freiwerdenden Mittel sollen in organisches und anorganisches Wachstum investiert werden.

Italienischer Bieter in Sichtweite

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Firma ein Umsatzplus „im mittleren einstelligen Prozentbereich“. Die bereinigte EBITDA-Marge soll in der Bandbreite von 22 bis 25% liegen. Zuletzt waren es aber nicht die Fundamentaldaten, die dem Kurs Rückenwind verliehen haben, sondern brandheiße Übernahmegerüchte. Als möglicher Bieter machte abermals der italienische Modekonzern Mediaset des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Runde. Dabei hatten die Gerüchte auch handfeste Gründe. Der Mediaset Vorstand hat nämlich bekanntgegeben, eine grenzüberschreitende Fusion zu prüfen.

Wie wahrscheinlich ist ein mögliches Gebot? Auf den ersten Blick überschaubar. Sie müssen wissen: Mediaset hat wiederholt derartige Überlegungen geäußert, ohne dass konkrete Schritte folgten. Bereits im Jahr 2006 hatte der Konzern ein unverbindliches Angebot für die deutsche Mediengruppe angekündigt. Geworden ist bislang nichts daraus. Als alternativer Bieter machte zuletzt neben dem Medienmogul Haim Saban auch der Axel Springer Konzern die Runde. Der Konzern hatte im Jahr 2005 vergeblich versucht, die Firma zu schlucken, ist am Kartellamt gescheitert.

Fazit: Dass Übernahmegerüchte jetzt verstärkt aufkommen ist nicht verwunderlich. Bei einem Marktwert von 3,25 Milliarden Euro handelt der TV-Konzern nur noch mit 6-Fachen der Gewinne. Zugleich liegt die Dividendenrendite trotz Kürzung bei über 8%. Ungeachtet der fundamentalen Transformation des Werbemarktes scheinen einige Anleger auf diesem Niveau eine Einstiegsmöglichkeit zu wittern.

Saeche-Drei-Dollar-Voll-Animation.jpg

Haim Saban, ein Selfmademan: Von der Pleite zur MilliardeHaim Saban ist Milliardär und Medienmogul. Das Leben des ehemaligen Besitzers der ProSiebenSat1 war aber kein direkter Weg zum Erfolg. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.