ProSiebenSat.1-Aktie: ProSieben-Gruppe meldet Vollzug in Österreich

Zugegeben: Eine wirklich Überraschung war es zum Schluss nicht mehr. Die Übernahme hatte sich bereits seit mehreren Wochen angedeutet.

Doch jetzt hat der deutsche Privatsender Vollzug gemeldet. Mit dem Deal baut ProSiebenSat.1 seine Position als größte Privatsender-Gruppe in Österreich aus.

Die Aktionäre nahmen die Meldung recht unbeeindruckt zur Kenntnis. Unterm Strich kam es nur zu leichten Ausschlägen in der Aktie.

ProSiebenSat.1 setzt auf Präsenz in Österreich

Die Verträge sind laut dem Konzern mittlerweile unterzeichnet.

Allerdings steht die Genehmigung der Medien- und Kartell-Behörden in der Alpen-Republik noch aus. Mit Auflagen kann das Unternehmen aber in jedem Fall rechnen.

Denn mit seinem aktuellen Angebot erreichte die deutsche Sender-Gruppe in Österreich bereits in 2015 einen Marktanteil von 23% in der Gruppe der 12 – 49 Jahre alten Zuschauer.

Der Anteil am TV-Werbemarkt betrug immerhin satte 37%. Damit erzielte der deutsche Medienkonzern gut 6% seiner Erlöse in Österreich.

Kaufen und Sanieren

Das Ziel der Übernahme ist klar definiert: Der verlustmachende Privatsender ATV soll saniert und integriert werden.

Bisher betreibt ProSiebenSat.1 den österreichischen Sender Puls 4.

Damit löst sich auch das Problem des bisherigen Eigentümers Herbert G. Kloiber, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Tele München Gruppe.

Er wollte sich bereits seit längerem von dem österreichischen Sender trennen, aber zugleich den Fortbestand des Unternehmens sichern.

Zusammen kämen die beiden Sender auf einen Anteil am Werbemarkt in Österreich auf 42,8%.

ATV punktet v. a. in der Information und erreicht mit seinen täglichen Nachrichten-Sendungen hervorragende Quoten.

Ausbau des Digital-Geschäfts im Visier

Zugleich setzt der deutsche Medien-Riese auf den Ausbau des zukunftsträchtigen Digital-Geschäfts:

Zum Jahresbeginn meldete der Konzern den Einstieg der TF1 Group und Mediaset in das Multi-Channel-Netzwerk Studio71.

Damit will die ProSiebenSat.1-Gruppe ihr Online-Video-Geschäft weiter internationalisieren.

Zugleich erschließt die Medien-Gruppe auch den französischen und italienischen Markt.

Die beiden europäischen Medien-Unternehmen beteiligen sich dabei mit 6,1% (TF1 Group) bzw. 5,5% (Mediaset) an Studio71.

Dies ist ein Premium-Multi-Channel-Netzwerk (MCN) von ProSiebenSat.1, das bereits erfolgreich in Deutschland, den USA, Kanada, Großbritannien und Österreich tätig ist.

Im deutschsprachigen Raum ist das MCN mit monatlich etwa 500 Mio. Video-Aufrufen laut Angaben des Konzerns Marktführers.

Wachstumskurs setzt sich fort

Operativ stehen die Zeichen weiter auf Wachstum:

Im 3. Quartal erreichte die Medien-Gruppe ein Umsatz-Plus von 15% auf 857 Mio. €. Der bereinigte Konzern-Überschuss kletterte im Gegenzug auf 87 Mio. € (+11% zum Vorjahr).

Unterdessen schreitet die Transformation von einem TV-Unternehmen zu einem Digital-Konzern weiter fort; mittlerweile erwirtschaftet die Firma 46% der Erlöse außerhalb des TV-Werbegeschäfts.

Bis 2018 sollen 1,7 Mrd. € aus dem Digital-Geschäft stammen. Der Gesamt-Umsatz soll bis dahin die Marke von 4,5 Mrd. € erreichen.

10. Februar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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