ProSiebenSat.1 auf Erfolgskurs in China

China Fahnen – shutterstock_325058183 crystal51

Mit einer neuen Kochshow erschließt sich die Mediengruppe ein völlig neues Betätigungsfeld. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Dass man in China gerne ist, erschließt sich einem schnell, an jeder Ecke, in jedem Winkel einer noch so kleinen Stadt finden sich die sogenannten Garküchen, Essen ist den Chinesen wichtig.

Fast so wichtig, oder je nach Altersgruppe sogar noch wichtiger, ist der tägliche Fernsehkonsum. Das Interesse für die jüngste technische Spielerei, die aktuellste Mode, Kosmetik und die neuesten Haushaltsgeräte ist so groß wie die Werbung dafür gewöhnungsbedürftig. Beispiele für die teils skurril anmutende TV-Werbung finden sich zahlreich auf Video-Plattformen wie Youtube und anderen.

Ein vollkommen neues TV-Format bringt in diesen Tagen ein Münchner Medienunternehmen, die ProSiebenSat.1 Media AG in China auf dem Markt. Zeitgleich mit dem Sendestart in Deutschland produziert man für CCTV, den größten Sender in China, eine moderne Kochshow in vergleichbarem Format.

Bei einer Reichweite von 1,2 Milliarden Zuschauern sehen in den nächsten Wochen Millionen von Zuschauern, wie talentierte Amateure, unterstützt von Profiköchen, gegeneinander antreten und den jeweiligen Kochsieger ermitteln.

Mehr Umsatz mit Eigenentwicklungen

Die Kochshow „The Taste” oder wie sie in China heißt „The Battle of Taste“ gilt als neueste Eigenentwicklung aus der Ideenschmiede des Medienkonzern und wurde vor Monaten bereits erfolgreich in die USA verkauft. Dort dreht man mittlerweile die 2. Staffel, weitere sollen folgen.

Neu am Konzept für den chinesischen Markt ist das Schnüren eines wirtschaftlich interessanten Gesamtpaketes. Nicht nur das Konzept wurde verkauft, nein der Deal beinhaltet ein ganzes Dienstleistungspaket.

ProSiebenSat.1-Media sorgt für die Kulissen, die Musik, die Grafiken und das Lichtdesign, im Schlepptau der Crew präsentiert Siemens seine neuesten Herde und Backöfen, WMF zeigt seine Töpfe, Bestecke und sonstigen Tischwaren. Dass die entsprechenden Werbeeinnahmen bei den Münchner landen, versteht sich von selbst.

Ein vollkommen neues Feld also, auf dem sich Pro Sieben Sat.1 da tummelt. Konzentrierte man sich vor Jahren noch auf den Ankauf vor allem amerikanischer Erfolgsserien und deren Zerstückelung und Verpackung zwischen möglichst zahlreiche Werbeblöcken, sorgt man nun vor allem für eigene Inhalte.

Dass sich die Eigenproduktionen, die im Übrigen deutlich günstiger sind als teure internationale Einkäufe, gut vermarkten lassen, zeigt sich an den jüngsten Planzahlen der Mediengruppe.

Umsatzziele auf 2,85 Mrd. Euro angehoben

Auf bis zu 2,85 Mrd. Euro soll der Umsatz in den nächsten 2 Jahren steigen, danach sollen jeweils 1 Mrd. Euro per annum hinzukommen. Ein sportlicher Ansatz, den zwar die Pressemedien für darstellbar halten, dem aber längst nicht alle Anleger trauen.

Lindt Schokolade RED – shutterstock_401586946 Hadrian

Lindt: Hier locken süße GewinneWer schnell ist, fährt an der Börse Gewinne ein. Doch stimmt das auch wirklich immer? Wir schauen für Sie bei Lindt ganz genau hin: › mehr lesen

So trennte sich unlängst einer der Großaktionär, die holländische Telegraaf Media Groep NV, von seiner 6%igen Beteiligung an ProSiebenSat.1 und erzielte dabei 391 Millionen Euro.

Die Aktien flossen in den freien Markt und erhöhten den Streubesitz. Dass dabei der Aktienkurs unter Druck kam, ist nicht verwunderlich, immerhin wurden über Wochen gestreckt etwas mehr als 13 Millionen Stück Aktien abgegeben.

Die Abgaben spiegeln sich auch im Point&Figure-Chart der ProSiebenSat.1 Medien AG wieder. Von seinem Allzeit-Hoch bei 35,92 € korrigierte der Aktienkurs bislang auf ein neues Jahrestief bei 27,99 €.

ProSiebenSat.1-Chart 24-10-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Eine erste Erholungsphase wurde zwischenzeitlich zwar eingeläutet (X-Säule bei der „8“ im Chart), aber auch wieder abverkauft (O-Säule mit der „9“).

Schaut man auf das heutige Chartbild, deutet sich mit der letzten X-Säule eine erneute Kurserholung an. Die Wirtschaftspresse berichtet derzeit sehr positiv über die Mediengruppe und zahlreiche Aktienanalysten stuften die jüngsten Planzahlen als positiv ein. Und da bei steigendem Interesse die Nachfrage auf ein sinkendes Angebot trifft, klettert natürlich der Aktienkurs.

Aus Sicht des Point&Figure-Trading ist die Lage bei ProSieben derzeit aber eher unklar. Zwar wurde das Kursziel des weiterhin aktuellen Point&Figure-Kaufsignal (grüner Kreis) vom 17.08.2012 bei 76,50€ (!) noch nicht einmal ansatzweise erreicht, doch steht die Aktie möglicher-weise vor einer Kurskorrektur. Bevor es dann weiter nach oben Richtung Kursziel geht.

Vermutete Klarheit, ob wir vor neuen Abgaben stehen oder ob die Kurse in den nächsten Tagen gleich wieder durchstarten, haben wir Point&Figure-Trading  bei zwei Marken: Kurse über 35,00 € sprechen für ein weiteres Anziehen, solche unter 29,00 € und 37,00 € für weitere Abgaben.

Als Point&Figure-Trading warten wir deshalb derzeit als entspannt ab, wohin sich der Aktienkurs in den kommenden Tagen bewegt, dann erst treffen wir als kluge Anleger unsere Entscheidung.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.