ProSiebenSat1-Chef Ebeling kündigt Rücktritt an – Aktie steigt

Lesen Sie hier Details und Hintergründe zum Rücktritt von ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling und wie es bei dem Unternehmen weitergeht: (Foto: Deutsche Börse AG)

Das politische Macht-Vakuum bleibt uns in Deutschland erhalten; die Sondierungs-Gespräche über ein buntes Jamaika-Bündnis sind geplatzt.

Wie eine künftige Regierung aussehen könnte, steht wieder in den Sternen.

An der Börse haben sich die Investoren einmal kurz geschüttelt, dann ging es mit dem DAX sogar nach oben.

Selten passte der altgediente Spruch besser: Politische Börsen haben kurze Beine!

Doch nicht nur in der deutschen Politik herrscht Chaos, auch ein DAX-Konzern sorgt für unterhaltsame Schlagzeilen:

Einiges los bei ProSiebenSat1

Beim Medien-Unternehmen ProSiebenSat1 war zuletzt einiges los: Man passte zunächst vor 1,5 Wochen den Finanz-Ausblick für das laufende Jahr an (mehr dazu gleich).

Dann bezeichnete der noch amtierende ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling in einer telefonischen Analysten-Konferenz einen Teil der Fernseh-Zuschauer von ProSieben und Sat1 als „ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm“.

Daraufhin gab es Gerüchte, dass Ebeling, dessen Vertrag ursprünglich noch bis 2019 gelaufen wäre, den Konzern schon im kommenden Jahr verlassen würde.

Und genauso kam es dann auch: Gestern teilte der Medien-Riese folgendes mit:

Ebeling werde ProSiebenSat1 nach der für den 22. Februar 2018 angesetzten Bilanz-Pressekonferenz für das Geschäftsjahr 2017 verlassen.

Der Vorstands-Vorsitzende und der Aufsichtsrat der Gesellschaft hätten sich einvernehmlich darauf verständigt.

Zudem wurde Conrad Albert, Mitglied des Vorstands von ProsiebenSat1, zum stellvertretenden Vorstands-Vorsitzenden ernannt.

Das diene nach Firmen-Angaben v. a. dazu, für den Fall, dass der Nachfolger sein Amt nicht unmittelbar im Anschluss an die Bilanz-Pressekonferenz antreten kann, die Kontinuität im Unternehmen zu sichern und die Umsetzung der Strategie zu garantieren.

ProSiebenSat1-Aktie und angepasste Prognose im Fokus

Kommen wir nun zur ProSiebenSat1-Aktie und zu den Details zu der kürzlich angepassten Prognose:

Die Aktie des im deutschen Leitindex DAX notierten Medien-Konzerns ist in den vergangenen Monaten unter die Räder gekommen:

Im Mai dieses Jahres notierte das Papier noch bei rund 42 €. In der Folge ging es bis Mitte November auf bis unter 25 € nach unten.

Das bedeutet ein Minus von mehr als 40% innerhalb von nur 6 Monaten.

Für den jüngsten Kurssturz sorgte die bereits angesprochene Nachricht, dass das Unternehmen seine Jahres-Prognose anpassen musste:

Man rechnet nun für das Gesamtjahr 2017 mit einem Anstieg des Umsatzes im „mittleren einstelligen Prozentbereich“.

Zuvor war man bei ProSiebenSat1 von einem Wachstum im „mindestens hohen einstelligen Prozentbereich“ ausgegangen.

Darüber hinaus rechnet der Konzern vor dem Hintergrund der erwarteten Ergebnis-Entwicklung im 4. Quartal für das Gesamtjahr 2017 nun mit einer moderateren Ergebnis-Verbesserung als zuvor.

Und man geht davon aus das Vorjahres-Niveau des bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) sowie des bereinigten Konzern-Jahresüberschusses jeweils nur leicht zu übertreffen.

Zuvor hieß es, dass das bereinigte EBITDA und der bereinigte Konzern-Jahresüberschuss aus dem Vorjahr übertroffen werden sollen. Neu ist hier also der Zusatz „leicht“.

Ausblick: Einstieg noch zu früh

Die Tatsache, dass die ProSiebenSat1-Aktie heute deutlich spürbar zulegen konnte und der zweitgrößte Gewinner im DAX war, spricht klar dafür, dass die Meldung, Konzern-Chef Ebeling nehme demnächst seinen Hut, vom Markt positiv aufgefasst wurde.

Allerdings sollten zumindest etwas konservativere Anleger aus meiner Sicht zunächst abwarten, wer die Nachfolge von Ebeling antritt und wie sich der neue ProSiebenSat1-Chef dann schlägt, bevor sie einsteigen.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.