ProSiebenSat1 und Springer vor möglicher Fusion

Die Medienlandschaft in Deutschland könnte sich demnächst deutlich verändern. Denn: Nach den Berichten mehrerer Informanten loten ProsiebenSat1 und der Verlag Axel Springer derzeit einen Zusammenschluss aus.

Eine Fusion der beiden MDax-Unternehmen würde ein Unternehmen mit einem Börsenwert von derzeit rund 14,4 Mrd. Euro hervorbringen und den Mediensektor hierzulande grundlegend verändern. Die Aktionäre von Axel Springer und ProSiebenSat1 scheinen den möglichen Zusammenschluss als positiv zu erachten.

Die Springer-Aktie setzte sich heute deutlich an die Spitze des MDax und auch die Aktie von ProSiebenSat1 konnte zulegen. Allerdings befinden sich die Gespräche derzeit wohl noch in einer frühen Phase, was die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns noch recht hoch hält.

Hinzu kommt, dass die Ehe zwischen ProSiebenSat1 und Axel Springer einige Hürden zu nehmen hätte. Insbesondere die Wettbewerbshüter dürften sich sehr genau dafür interessieren, zumal Axel Springer Europas größter Zeitungsverlag ist und ProSiebenSat1 ein marktführender Fernsehsender.

Weitere Details zur möglichen Fusion

Zwar dementierte der Medienkonzern Springer inzwischen, dass die Verlegerin Friede Springer, die Witwe des Gründers Axel Springer, die Kontrolle über das Unternehmen abgeben könnte. Dafür dementierte das Unternehmen nicht explizit die Gerüchte über eine mögliche Fusion.

Der Konzern äußere sich „zum Wahrheitsgehalt von Marktspekulationen grundsätzlich nicht“, teilte eine Sprecherin mit.

Über die Rolle des Senior-Partners bei einer möglichen Fusion gibt es unterschiedliche Berichte. Zwar wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass ProSiebenSat1 der stärkere Partner werden würde, doch es gibt auch anderslautende Spekulationen, nach denen Axel Springer als Senior-Partner gesehen wird.

Es gab vor 10 Jahren bereits einen Annäherungsversuch

Die aktuelle Annäherung zwischen Axel Springer und ProsiebenSat1 ist nicht die erste. Bereits im Jahr 2005 hatte Springer ein Übernahmeangebot für die Münchner Senderkette vorgelegt. Damals wurde ProSieben gemäß des Angebots mit 4 Mrd. Euro bewertet. Eine Übernahme wurde damals aber vom Bundeskartellamt und der Medienüberwachungsbehörde KEK abgelehnt.

Heute sieht die Situation jedoch anders aus: Denn erstens erklärte das Bundesverwaltungsgericht im vergangenen Jahr die Ablehnung der Transaktion durch die KEK für unbegründet. Damit wäre aktuell zumindest eine der beiden behördlichen Hürden leichter zu nehmen als damals.

Zweitens ist ProSiebenSat1 an der Börse inzwischen 9,7 Mrd. Euro wert und damit deutlich mehr als noch vor 10 Jahren. Springer kommt derzeit auf einen Marktwert von etwa 4,7 Mrd. Euro. Damit sind die Kräfteverhältnisse bei einer möglichen Fusion für viele bereits jetzt klar. Aber wie bereits erwähnt: Einige Beobachter rechnen auch damit, dass Springer die Rolle des Senior-Partners einnehmen könnte.

Fazit: Aussichten aktuell kaum vernünftig bewertbar

Da die Fusionsgespräche zwischen ProSiebenSat1 und Axel Springer bislang nicht einmal offiziell bestätigt wurden und – so sie denn tatsächlich stattfinden – noch in einer frühen Phase sind, ist eine vernünftige Bewertung der Situation derzeit kaum möglich.

Wenn diese Fusion konkrete Formen annehmen sollte, gehe ich jedoch zum einen davon aus, dass es wettbewerbsrechtliche Bedenken und daraus resultierend wohl auch Auflagen geben wird und zum anderen davon, dass diese Transaktion für beide Seiten überwiegend Vorteile mit sich brächte. Daher sollten auch die Aktionäre beider Lager profitieren, wenn der Deal ohne große Auflagen zustande kommt.

7. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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