PSI schockt die Aktionäre

Die Kosten explodieren, die Abschreibungen steigen. Und die Kunden üben Zurückhaltung bei den Bestellungen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Bei der PSI AG in Berlin brennt die Luft und die Vertreter der Wirtschaftspresse geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Nicht das Ergebnis der Bundestagswahl ist es, das für Unruhe sorgt, nein, eine völlig überraschende Gewinnwarnung sorgt für Gesprächsstoff.

Der Spezialist für Softwarelösungen in der Versorgerwirtschaft schockte am Dienstag die Märkte, als er seine Gewinnprognose einkassierte und nun von einem voraussichtlichen Rückgang des Geschäftsergebnisses um -66% ausgeht.

Statt mit bislang 14 bis 17 Mio. Euro Gewinn rechnet die Konzernspitze um Dr. Harald Schrimpf nun nur noch mit 5,2 Mio. Euro. Eine extrem schlechte Nachricht, die der erst seit dem 1.7. diesen Jahres amtierende Vorstandsvorsitzende da seinen Anteilseigner präsentieren musste.

Nach den Ursachen befragt, nannte Dr. Schrimpf die extrem hohen und vom Konzern unter-schätzten Anlaufkosten bei der Entwicklung neuer Software für Bahnstrom und die Logistikbranche. In beide Sparten sieht man internationale Wachstumsmöglichkeiten, muss allerdings mit der Entwicklung in Vorlage treten.

Energiewende sorgt für nachlassende Bestellungen

Hinzu kommt, so Finanzchef Harald Fuchs, die Zurückhaltung der Energieversorger bei der Neuanschaffung von Software. Für die Großen der Branche, wie E.ON oder RWE, stelle sich nach der Energiewende die Frage, wohin sie die künftige Energiepolitik noch führe. Die Ungewissheit lähme die Entscheidungsfreude, notwendige Softwareanschaffungen würden verschoben oder gestrichen.

Steigende Entwicklungskosten bei sinkenden Bestellungen und Einnahmen, das kann nicht gut gehen. Und so ist die Gewinnwarnung für das Management sicherlich weniger überraschend, als für die Anleger. Denn die sahen ihre Aktien nach dem Kursverfall der letzten 2 Jahre noch Anfang des Monats August wieder auf dem aufsteigenden Ast.

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Der Point&Figure-Chart  zeigt den Kursverlauf der letzten 12 Monate mit seiner abwärts gerichteten Tendenz, bevor dann Anfang August (die „8“ im Chart) vorsichtige Käufe auf dem erniedrigten Kursniveau einsetzten.

Die anziehende Nachfrage schaffte es Mitte des Monats sogar, ein neues Point&Figure-Kaufsignal (grüner Kreis) auszubilden und machte damit Hoffnung auf eine anstehende Wende.

Doch aus und vorbei, mit der Gewinnwarnung, dem Abwärtsschub der letzten Tage und einem Kursrückgang um -16% stirbt alle Hoffnung auf ein Ende des Negativtrends.

Das jüngste Point&Figure-Verkaufssignal (roter Kreis) stellt das zu erwartende Kursziel nun mit 6,00 € fest, nahezu eine weitere Halbierung des aktuellen Kurses.

Wie es weiter geht mit dem Aktienkurs der PSI AG (WKN A0Z1JH, Ticker PSAN) ist ungewiss, auf dem jetzigen Kursniveau ist ein Kauf der PSI AG-Aktie nicht in Betracht zu ziehen.

Der abwärts gerichtete Trend und das gestrige 36-Monats-Tief sprechen für sich, hier heißt es, sich in Geduld zu üben und abzuwarten, wie weit der Kursrückgang noch geht, wann und wo der Verfall stoppt. Erst wenn wir wieder steigende Kurse und damit eine oder mehrere neue X-Säulen in unserm Point&Figure-Chart sehen, könnte man über ein Engagement in PSI nachdenken. Könnte man …

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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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