Qiagen: Abgeblasene Übernahme lässt Aktie implodieren

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Gescheiterte Übernahme: Die Anleger von Qiagen treten nach dem fehlgeschlagenen Deal den Rückzug an - so geht es jetzt weiter. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Das war eine bittere Pille für die Qiagen-Anleger. Noch am Heiligabend gab der Biotechnologiekonzern bekannt, dass die „Sondierung möglicher strategischer Alternativen“ beendet sei und der Qiagen-Konzern zukünftig seine eigenen Wege gehen wird. Damit wurden die Aktionäre, die auf eine schnelle Übernahme des Venloer Konzerns spekuliert hatten, komplett auf dem falschen Fuß erwischt.

Die Reaktion der Anleger erfolgte nach den Feiertagen und fiel heftig aus. Um satte 20% bis auf 30 Euro sackten die Papiere in den Keller. Damit hat sich ein Großteil der Gewinne, die die Aktie seit Oktober von 23 auf 38 Euro im Zuge der Übernahmephantasie entstanden sind, wieder in Luft aufgelöst.

Unruhige Zeiten bei Qiagen

Spätestens mit der abgeblasenen Übernahme steht fest: Das Gendiagnostik- und Biotechnologieunternehmen Qiagen durchlebt momentan unruhige Zeiten. Anfang Oktober hat, für viele Anleger vollkommen überraschend, der Firmenboss Peer Schatz das Handtuch geschmissen und seinen Rücktritt erklärt. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen einen Geschäftsumbau inklusive Personalabbau an, der hohe Restrukturierungskosten zur Folge haben soll.

Zur schlechten Stimmung hat ebenso beigetragen, dass Qiagen seine Planung für das Umsatzwachstum auf etwa 3% runtergeschraubt hat. Für Sie zum Vergleich: Zuvor hatte die Prognose noch bei 4 bis 5% gelegen. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet das Unternehmen aber weiterhin 0,35 bis 0,36 Dollar. Begründet wurde der geringere Optimismus mit einem schwächer als erwarteten Wachstum in China.

Übernahmegerüchte sorgten für Euphorie

Nach den Übernahmegerüchten und dem Kurssprung von über 50% kam Qiagen zwischenzeitlich wieder auf einen Börsenwert von umgerechnet 8 Milliarden Dollar. Damit war die Aktie so hoch geklettert wie zuletzt im Jahr 2001. Für Sie zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr ging bei dem Unternehmen ein Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar durch die Bücher. Unter dem Strich reichte das für einen Jahresgewinn von 190 Millionen Dollar, was einer Gewinnspanne von 12% entspricht.

Anleger setzten vor allem auf ThermoFisher

Im Rahmen der Übernahmegerüchte viel immer wieder ein Firmenname – ThermoFisher. Dabei handelt es sich um einen US- Konzern, der verschiedene Produkte und Dienstleistungen im Forschungs- und Gesundheitssektor anbietet. Mit mehr als 70.000 Mitarbeitern und über 400.000  Kunden ist der Konzern einer der größten Anbieter dieser Art. Der Kundenstamm umfasst verschiedene Institutionen, darunter Pharma- und Biotechunternehmen, Krankenhäuser, klinische Diagnoseeinrichtungen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und staatliche Behörden. Mit einem Umsatz in Höhe von 24,35 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,93 Milliarden Dollar ist der Konzern deutlich größer als Qiagen.

Darüber hinaus machten aber auch die Namen möglicher Bieter wie Danaher , Abbott Laboratories und Siemens Healthineers die Runde.

Was Anleger jetzt erwarten dürfen

Die Entscheidung der Qiagen-Verantwortlichen, eigenständig bleiben zu wollen, ist ohne Frage eine herbe Enttäuschung für die Aktionäre. Nach den Aussagen der Konzernführung, dass es zahlreiche Bieter gebe, hatten sich die Anleger verständlicherweise auf einen anderen Ausgang eingestellt.

Auch wenn ein Deal damit deutlich an Wahrscheinlichkeit verloren hat, ganz vom Tisch ist er noch nicht. Auch ohne Zustimmung der Qiagen-Manager könnten Interessenten in Zukunft ein „ungewünschtes“ Angebot abgeben. Bis dahin ist der Biotech-Konzern aber operativ in der Bringschuld bei seinen Anlegern und Investoren sollten sich auf eine erhöhte Schwankung der Aktie einstellen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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