Qiagen-Aktie trotzt Corona-Krise

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Die Aktie des Biotech-Unternehmens Qiagen trotzt der Corona-Krise. Kein Wunder, denn für das Unternehmen liegt ein lukratives Übernahmeangebot vor. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Während die Aktienkurse weltweit einbrechen, gibt es aber auch einige wenige Unternehmen, deren Kurse noch nicht vom Coronavirus infiziert worden sind. Dazu gehört das Hildener Biotech-Unternehmen Qiagen.

Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Anfang März gab das Unternehmen bekannt, dass es sich mit dem US-Konzern Thermo Fisher Scientific auf eine Übernahme geeinigt hat. Allerdings profitiert Qiagen auch von der Corona-Krise, denn es entwickelt und vertreibt medizinische Schnelltest-Geräte, mit denen jetzt auch Corona-Tests durchgeführt werden können.

Diese Schnelltests sind bereits seit Januar in chinesischen Krankenhäusern sowie in Paris im Einsatz. Am vergangenen Freitag teilte Qiagen weiterhin mit, dass es Fördermittel der US-Gesundheitsbehörde BARDA für den Zulassungsprozess ihres Coronavirus-Testkits erhalten habe.

Unternehmen im Portrait

Bevor ich näher auf das Übernahmeangebot eingehen werde, möchte ich Ihnen die beteiligten Unternehmen kurz vorstellen: Qiagen N.V. ist ein führender Anbieter von Lösungen im Bereich der Biowissenschaften und der molekularen Diagnostik, der rund 5.100 Mitarbeiter in mehr als 25 Ländern beschäftigt.

Das Unternehmen erzielte 2019 einen Umsatz von 1,53 Mrd. US-Dollar (USD). Qiagen hat seinen operativen Sitz in Hilden bei Düsseldorf. Die Holding des Unternehmens ist im niederländischen Venlo ansässig. Qiagen-Aktien werden im MDax sowie TecDax gelistet.

Thermo Fisher Scientific Inc. ist ein US-Laborausrüster mit Sitz in Waltham/Massachusetts. Das Unternehmen produziert Mess- und Analysegeräte und ist darüber hinaus ein weltweit führender Anbieter von Laborverbrauchsmaterialien und -chemikalien. Die mehr als 75.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von über 25 Milliarden USD.

Thermo Fisher will 11,5 Mrd. USD für Qiagen zahlen

Am 03.03.2020 gaben beide Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt, dass sich die Verwaltungsräte sowie der Vorstand von Qiagen N.V. auf eine Übernahme geeinigt haben. Der weltweit größte Diagnostikanbieter Thermo Fisher hat sich bereit erklärt, den Qiagen-Aktionären 39 Euro in bar für jede Aktie zu zahlen.

Dies entspricht einer Übernahmeprämie von ca. +23% auf den Schlusskurs der Qiagen-Papiere am letzten Handelstag vor Bekanntgabe der Transaktion. Insgesamt zahlt Thermo Fisher somit etwa 11,5 Mrd. USD für die Übernahme von Qiagen. Die Transaktion ist damit der größte Übernahmedeal in der deutschen Biotechbranche.

Kurssprung

Kurz nach Bekanntgabe der Übernahmevereinbarung stieg der Kurs der Qiagen-Aktie um stolze +15,2% auf 37,16 Euro. Dieses Niveau konnten die Qiagen-Papiere, trotz aller Widrigkeiten, bisher in etwa halten.

Portfolioerweiterung und Synergien

Durch die Transaktion kann Thermo Fisher sein Angebotsspektrum insbesondere im Bereich der molekularen Diagnostik deutlich ausweiten. „Wir freuen uns, unsere ergänzenden Angebote zusammenzuführen, um die wichtige Arbeit unserer Kunden von der Erkennung bis zur Diagnostik voranzutreiben“, so Marc N. Casper, Präsident und CEO von Thermo Fisher Scientific.

„Für die Aktionäre erwarten wir eine sofortige Wertsteigerung durch die Transaktion sowie erhebliche Kosten- und Ertragssynergien“, so Casper weiter. Konkret rechnet Thermo Fisher damit, innerhalb der ersten drei Jahre Synergien in Höhe von 200 Mio. USD erzielen zu können.

Unruhiges Jahr 2019

Im vergangenen Jahr geriet Qiagen in unruhiges Fahrwasser. Gleich mehrere Wachstumsprognosen mussten revidiert werden und beim operativen Ergebnis gerieten die Hildener sogar leicht in die roten Zahlen. Anfang Oktober 2019 trat der langjährige Vorstandschef Peer Schatz überraschend zurück.

Aufkommende Übernahmegerüchte führten Ende 2019 zu einem starken Kursanstieg der Qiagen-Papiere auf fast 39 Euro. Als das Management eine Übernahme jedoch kategorisch ablehnte, fiel der Kurs wieder um mehr als -20%.

Wie es weitergehen wird

Fachleute gehen davon aus, dass es aufgrund des hohen Angebotspreises zu keinem Bietergefecht kommen wird. Offen ist allerdings, ob die mit 75% recht hohe Andienungsquote erreicht werden kann.

Neben den Aktionären müssen auch noch die zuständigen Finanzaufsichtsbehörden dem Übernahmegeschäft zustimmen. Die Transaktion soll voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

Den Lesern meines Börsendienstes „Übernahme-Gewinner“ habe ich Qiagen bereits vor einiger Zeit als potenziellen Übernahmekandidaten vorgestellt.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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