Qualcomm-Aktie: Chip-Riese bekommt Millionenstrafe aufgebrummt

Unverhofft kommt oft – kaum ein abgedroschener Spruch passt wohl im Moment besser zur Qualcomm-Aktie.

Denn beim Blick auf die Nachrichtenlage dürften Anleger ein Déjà-vu-Erlebnis haben:

Gerade hatte der Halbleiter-Gigant seine Strafzahlung in Höhe von 975 Mio. Dollar in China aus dem Vorjahr ad acta gelegt, da droht neues Ungemach.

Denn jetzt fordern die Behörden in Korea eine Rekordsumme in ähnlicher Höhe ein.

Die Anleger sehen die Lage noch entspannt. Trotz der Horrornachricht notieren die Papiere nur wenige % unter dem Jahreshoch.

Was für Auswirkungen die Strafzahlungen haben könnte und wie es um die mittelfristigen Perspektiven des Chip-Konzerns steht, erfahren Sie hier.

Südkoreanische Kartellbehörde legt Rekordstrafe fest

Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag: Die südkoreanische Wettbewerbs-Behörde will eine Strafzahlung in Höhe von 853 Mio. Dollar gegen den US-Chip-Konzern verhängen.

Der Vorwurf: Qualcomm soll seine Marktmacht missbraucht haben.

Die Behörde ist der Meinung, dass der Chip-Riese seinen Rivalen keinen ausreichenden Zugang zur Nutzung seiner Patente gegeben haben soll.

Sie müssen wissen: Qualcomm ist für die Smartphone-Hersteller so wichtig wie die Luft zum atmen. Die Technologie der Firma steckt quasi in jedem Mobiltelefon.

Mit der Lizensierung seiner Technologie fährt Qualcomm hohe Profite ein.

Doch Beschwerden der Smartphone-Hersteller Samsung, LG und Pantech hatten jetzt den Stein ins Rollen gebracht; offenbar wurden sie gezwungen, Patente zu lizensieren, die sie gar nicht nutzen.

Zwar stuft der Konzern die Forderung als unhaltbar. Aber bereits in der Vergangenheit ist Qualcomm wegen ähnlicher Vorwürfe bereits zu Strafzahlungen verdonnert worden.

So darf der Konzern nach seiner 975 Mio. Dollar-Strafe in China nur noch reduzierte Lizenzgebühren verlangen.

Auch in Europa und den USA haben die Wettbewerbshüter ein Auge auf die Geschäfte des Halbleiter-Herstellers geworfen.

Geschäftsmodell in Gefahr

Die Thematik ist für Qualcomm ausgesprochen brisant:

Denn mit den Lizenz-Einnahmen hat der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr 8,09 Mrd. Dollar an Erlösen eingefahren – das ist immerhin ein Umsatz-Beitrag von 34,3%.

Zugleich sind die die Einnahmen aus den Lizenzen ausgesprochen gewinnträchtig. Denn  sie waren mit knapp 2/3 für den Löwenanteil des Konzerngewinns verantwortlich.

Qualcomm will sich wehren

Die „Milliardenstrafe“ in China nahm der Chip-Hersteller noch ohne große Gegenwehr hin. Doch jetzt will sich der US-Konzern vehement zur Wehr setzen.

Denn die Rekordstrafe erscheint ungewöhnlich hoch. Denn das Lizenzgeschäft mit den Mobilfunk-Gesellschaften in Südkorea macht weniger als 3% der Konzern-Erlöse aus.

Zugleich liefen die Lizenzmodelle seit Jahrzehnten und seien nie beanstandet worden. Aber ganz unerwartet kann die Forderung für die Firma nicht kommen.

Denn bereits im Jahr 2009 hatten die Südkoreaner aus dem gleichen Grund gegen Konzern eine Strafe in Höhe von 230 Mio. Dollar verhängt. Allerdings ist das finale Urteil auch hier noch offen.

Kräftiges Wachstum und satte Margen

Die Strafzahlung kann sich Qualcomm locker leisten; vielmehr stellt sich die Frage, ob das Geschäftsmodell langfristige Zukunft hat.

Bislang ist der Konzern damit ausgesprochen gut gefahren:

Seit 2002 explodierten die Umsätze regelrecht von 2,91 auf 23,55 Mrd. Dollar. Der Konzerngewinn lag im abgelaufenen Geschäftsjahr immerhin bei 5,7 Mrd. Dollar. Das entspricht einer Gewinnspanne von 24,22%.

Damit schloss Qualcomm das 7. Jahr in Folge mit einer Gewinnmarge von mehr als 20% ab.

Sollte der weltweite Druck der Wettbewerbs-Behörden zunehmen, könnten die Rekordmargen allerdings in Zukunft spürbar sinken.

2. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rene König. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt