Qualcomm-Aktie: Chiphersteller bläst Megafusion ab – und haussiert

Der Chiphersterenller Qualcomm wird Opfer des Handelskriegs. Die Aktie haussiert dennoch. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Viel deutlicher hätte die Reaktion der Anleger wohl kaum ausfallen können. Nach einer Hängepartie von fast zwei Jahren gibt der US-Chiphersteller den milliardenschweren Übernahmeversuch des niederländischen Konkurrenten NXP Semiconductors auf. Nach der Meldung zogen die Qualcomm-Papiere kräftig um über 7% an. War die Aktie im April noch für unter 50 Dollar zu haben, musste man gestern bereits 63,58 Dollar je Anteilsschein auf den Tisch legen.

Qualcomm – führend bei Mobilfunktechnologie

Qualcomm ist ein 1985 gegründeter Technologiekonzern mit Sitz in San Diego, Kalifornien. Die Marktkapitalisierung beträgt momentan gut 94 Milliarden Dollar. Es werden weltweit 30.500 Mitarbeiter beschäftigt. Das Hauptbetätigungsfeld der Firma liegt in der Erforschung und Produktion von Chips und Prozessoren für den Mobilfunkmarkt und Computer. Die Produktion erfolgt durch Auftragsfertiger. Qualcomm setzte und entwickelt Industriestandards in der drahtlosen Kommunikation (WLan). Aus den Patenten erhält Qualcomm erhebliche Lizenzgebühren.

Chinesische Regierung blockiert Megadeal

Mit der geplanten 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme von NXP Semiconductors wollte sich Qualcomm breiter aufstellen und vor allem das Geschäft mit selbstfahrenden und vernetzten Autos ausbauen. Der Zukauf wäre von enormer Bedeutung für den US-Konzern gewesen. Sie müssen bedenken: NXP wäre mit einem Jahresumsatz von 9,3 Milliarden Dollar (vs. Qualcomm: 22,2 Milliarden Dollar) im vergangenen Geschäftsjahr ein richtig großer Brocken.

Doch jetzt ist die Transaktion geplatzt. Damit forderte der US-Handelskrieg ein weiteres Opfer. Um den Deal durchzubekommen, war die Zustimmung von Regierungen in neun Ländern notwendig. Acht Länder, darunter auch die USA, haben zugestimmt. Die Frist für die Chinesische Regierung ist am Donnerstag abgelaufen. Experten haben keinen Zweifel, dass die Regierung den Deal als Druckmittel im Handelskonflikt mit US-Präsident Donald Trump sieht. Weil keinerlei Reaktion aus Peking kam, hat der Chip-Riese Qualcomm die Übernahme abgeblasen.

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Gewinn spring um 44% nach oben

Unterdessen hat der Technologiekonzern Qualcomm seine Zahlen für das abgelaufene zweite Quartal präsentiert. Auch wenn das Unternehmen seit einiger Zeit in Patentstreitigkeiten mit Apple steht und der iPhone-Konzern Zahlungen ausgesetzt hat, konnte sich die Geschäftsentwicklung durchaus sehen lassen. Immerhin verbesserte sich der Umsatz um 40% auf 5,6 Milliarden Dollar. Ebenso kräftig (+41%) entwickelte sich der Gewinn, der auf 1,2 Milliarden Dollar nach oben kletterte.

Setzt Apple künftig nicht mehr auf Qualcomm-Chips?

Der Streit mit Apple setzt sich erbittert fort. Sie müssen wissen: Der iPhone-Hersteller hat Qualcomm bereits vor eineinhalb Jahren verklagt und dem Unternehmen illegale Geschäftspraktiken unterstellt. Vorgeworfen wird Qualcomm doppelt verdient zu haben. Einmal durch den Verkauf der Funkchips und auf der anderen Seite noch durch die Lizensierung der Technik. Die Lizenzzahlungen an Qualcomm hat Apple bereits eingestellt, es handelt sich um einen Milliardenbetrag, um den ebenfalls vor Gerichten gestritten wird.

Was auch immer bei den Streitigkeiten herauskommt, positiv für die Beziehungen der beiden dürfte es nicht sein. War Qualcomm früher jahrelang der exklusive Lieferant für die iPhone-Chips, fährt der Smartphone-Riese seit dem iPhone 7 zweigleisig und setzt mit Intel auf einen weiteren Zulieferer. Schon länger wurde daher spekuliert, ob Intel den Platzhirschen aus der lukrativen Geschäftsbeziehungen mit den Kaliforniern herausdrängen könnte. Das ist nun Gewissheit. Vor wenigen Tagen hat die Auseinandersetzung der beiden Firmen einen neuen Höhepunkt erreicht und Apple die Partnerschaft mit Qualcomm gekündigt.

Kursziel der Analysten fast erreicht

Nach der jüngsten Kursrally ist das Preisziel der Analysten, das bei 64,85 Dollar liegt, fast erreicht. Dabei sind sich die Experten alles andere als einig. Von 24 Bankern, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten nur 12 zum Kauf der Papiere. Weitere 11 Experten sehen in dem Titel eine Halteposition während ein Analyst sogar eine Verkaufsempfehlung ausspricht.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.