Qualcomm: Aktie des Technologieriesen geht nach Apple-Deal durch die Decke

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Qualcomm erzielt Einigung mit Apple. Die Anleger quittieren das Ende der Patentstreitigkeiten mit Kursplus von über 50%. (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

Darauf hatten die Anleger gewartet. Nach einem jahrelangen und erbitterten Streit mit dem Smartphone-Giganten Apple wurde jetzt eine Einigung erzielt. Die Anleger jubelten und schickten die Aktie in den letzten Tagen mehr als 50% nach oben.  Seit Ende Januar haben die Qualcomm-Papiere sogar mehr als 70% an Wert zugelegt.

Der Streit mit Apple hatte den Chipkonzern finanziell schwer belastet: Qualcomm bekam seit 2017 keine Zahlungen mehr von den iPhone-Auftragsfertigern und hatte durch entgangenen Erlöse einen Schaden von sieben Milliarden Dollar erlitten.

Qualcomm im Portrait

Qualcomm ist ein führender Technologiekonzern, der sich primär auf die Entwicklung der CDMA-Mobilfunktechnologie konzentriert. CDMA (Code Division Multiple Access) ist neben GSM (Global System for Mobile) einer der weltweit wichtigsten Mobilfunkstandards. Des Weiteren entwickelt das Unternehmen verschiedene Lösungen für die drahtlose Sprach- und Datenkommunikation.

Im Bereich Mobilfunk-Chips zählt Qualcomm weltweit zu den Marktführern. Ein Großteil der Module bei Smartphones stammt von dem Konzern. Dabei nutzt das Unternehmen ein Fabless Production Businessmodel und produziert die Chips nicht in eigenen Fertigungsstätten, sondern bedient sich Auftragsproduzenten.

Worum es im Patentstreit eigentlich ging

Der Streit der beiden Technologiefirmen begann vor gut zwei Jahren. Apple warf Qualcomm vor, zu hohe Lizenzgebühren für seine Patente zu verlangen und unfairen Wettbewerb zu betreiben. Apple störte sich beispielsweise daran, dass Qualcomm für die Patentlizenzen einen Anteil vom Gerätepreis verlangte, statt nur vom Preis einzelner Bauteile. Damit profitiere der Chipkonzern auch von Preiserhöhungen, die auf eigene Erfindungen von Apple zurückgingen, so der Smartphone-Hersteller.

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Qualcomm hingegen warf Apple vor, dass der Konzern in seinen Geräten von Qualcomm entwickelte Technologie einsetzt, ohne eine notwendige Patentlizenz zu besitzen. Seit dem Streit bezog Qualcomm seine Chips vorrübergehend vom Halbleiterhersteller Intel.

Apple muss bis zu 4,7 Milliarden Dollar zahlen

Vor rund zwei Wochen erzielten die beiden Giganten unerwartet eine Einigung. Demnach erhält Qualcomm im laufenden Quartal 4,5 bis 4,7 Milliarden Dollar von Apple. Qualcomm rechnete bei der Zahl allerdings auch damit weggefallene Verpflichtungen gegenüber Apple und den iPhone-Fertigern mit ein. Zugleich schlossen beide Firmen eine Patentvereinbarung für zunächst sechs Jahre ab, deren Konditionen allerdings nicht bekannt sind.

Umsatz runter – Gewinn rauf

Im Ende März abgelaufenen Geschäftsquartal waren die Belastungen für Qualcomm noch deutlich spürbar. Es gingen mit 5 Milliarden Dollar 5% weniger an Erlösen durch die Bücher. Allerdings konnte der Gewinn dank strikten Kostenmanagements auf 663 Millionen Dollar verdoppelt werden.

Dennoch zeigt sich die Konzernführung für den weiteren Jahresverlauf zurückhalten. Die Apple-Einnahmen ausgeklammert, dürfte die Umsätze nochmals rückläufig sein (-2 bis -16%). Im dritten Quartal sollte ein Gewinn je Aktie von 70-80 Cent rausspringen. Das wären 20-30% weniger als im Vorjahr.

Fazit: Die Einigung war enorm wichtig für Qualcomm und hat berechtigterweise für einen deutlichen Kurssprung gesorgt. Jetzt muss der Konzern allerdings zeigen, dass er wieder auf die Erfolgsspur zurückfindet. Ab 2020 wird der Konzern wieder als Apple-Lieferant tätig werden. Wichtig wäre, dass jetzt auch mit Huawei, dem aktuell zweitgrößten Handyhersteller, ein dauerhafter Patentdeal eingetütet wird.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.