Qualcomm: Chiphersteller erleidet Schlappe vor Gericht

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Qualcomm-Aktie:Chiphersteller taucht nach Gerichtsurteil ab. Lukratives Geschäftsmodell mit Lizenzen droht deutliche Schwächung (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Um satte 10% rauschten die Qualcomm-Papiere am Mittwoch in den Keller. Damit lösten sich an einem Tag mehr als 10 Milliarden Börsenwert in Luft auf und das laut Branchenexperten vollkommen zu Recht. Der Grund des Einbruchs lag in einem Urteil eines Bundesgerichts, dass die Machtverhältnisse im Smartphone-Markt massiv verschieben könnte.

Qualcomm – bedeutender Position bei Mobilfunkchips

Bevor ich auf das jüngste Urteil eingehe, möchte ich Ihnen den US-Technologiekonzern erst einmal näher vorstellen. Qualcomm ist ein führendes Unternehmen, das sich primär auf die Entwicklung der CDMA-Mobilfunktechnologie konzentriert. CDMA (Code Division Multiple Access) ist neben GSM (Global System for Mobile) einer der weltweit wichtigsten Mobilfunkstandards. Des Weiteren entwickelt das Unternehmen verschiedene Lösungen für die drahtlose Sprach- und Datenkommunikation.

Im Bereich Mobilfunk-Chips zählt Qualcomm weltweit zu den Marktführern. Ein Großteil der Module bei Smartphones stammt von dem Konzern. Dabei nutzt das Unternehmen ein Fabless Production Businessmodel und produziert die Chips nicht in eigenen Fertigungsstätten, sondern bedient sich Auftragsproduzenten.

Missbrauch der Marktstellung

Jetzt musste der Chipspezialist in der seit zwei Jahren andauernden Auseinandersetzung mit der US-Kartellbehörde FTC eine empfindliche Schlappe hinnehmen. Die FTC warf Qualcomm vor, Smartphone-Hersteller mit der Einstellung von Chip-Lieferungen gedroht zu haben, wenn sie nicht eine weitreichende Patentlizenz erworben hätten. Unter anderem soll der Konzern Smartphone-Anbietern wie Samsung, Lenovo, Sony, Huawei, Motorola oder ZTE mit der Einstellung der Chip-Lieferungen gedroht haben.

Im Ergebnis hat der Konzern seine Marktmacht missbraucht, so die Richterin. Nicht nur die Gebühren für die Patentlizenzen seien zu hoch gewesen, sie wurden auch zu Unrecht als Prozentsatz auf den Komplettpreis der Geräte anstatt nur auf den Preis der einzelnen Bauteile berechnet.

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Qualcomm erhält Auflagen…..

Auch wenn Qualcomm die Vorwürfe abstreitet und in Berufung gehen will, die Auswirkungen für den Konzern sind schon jetzt weitreichend. Denn das Geschäft mit Patentlizenzen ist im Vergleich zum Chipverkauf das deutlich lukrativere Standbein. Die Vorgabe, dass Qualcomm konkurrierenden Chip-Anbietern eine Lizenz für seine Standard-Patenten gewähren muss, könnte nun für mehr Wettbewerb sorgen.

Zugleich darf Qualcomm zukünftig die Chip-Lieferungen nicht mehr vom Erwerb einer separaten Patentlizenz abhängig machen. Außerdem dürfe Qualcomm keine Exklusiv-Vereinbarungen für Chip-Lieferungen eingehen.

….und wird streng kontrolliert

Qualcomm soll nun sieben Jahre lang die FTC (Behörde für Wettbewerb und Verbraucherschutz) die Einhaltung der Auflagen überwachen lassen. Das ist ein harter Schlag ins Gesicht. Qualcomm wird Wettbewerbsvorteile einbüßen und auf Grund niedrigerer Lizenzgebühren nicht mehr die alte Gewinnstärke erreichen. Das lukrative Geschäft mit Lizenzen wird damit weiter unter Druck geraten.

Für die Anleger sind die andauernden juristischen Prozesse ein unkalkulierbares Risiko. Freud und Leid liegt oftmals nahe beieinander. Der Euphorie des gerichtlichen Erfolgs gegen Apple, der im April erzielt wurde und der für einen Extragewinn von 2 Dollar je Aktie sorgen wird, ist jedenfalls wieder verpufft. Auch für die Zukunft sollten sich Anleger bei der Qualcomm-Aktie auf höhere Schwankungen einstellen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.