Qualcomm-Übernahme noch nicht vom Tisch

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Obwohl Qualcomm mit der NXP-Übernahme Broadcoms feindlichen Übernahme-Plan durchkreuzen wollte, bleibt der Bieter am Ball. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Der Showdown beim US-amerikanischen Chip-Riesen Qualcomm rückt näher. Schon am Dienstag kommender Woche kann ein Management-Umsturz den Weg für einen Deal mit dem von der aktuellen Unternehmensspitze ungeliebten Bieter Broadcom frei machen.

Oder kommt es vielleicht gar nicht erst dazu? Der Übernahme-Kandidat hat heute bekannt gegeben, dass er sich mit dem Bieter an den Verhandlungstisch begeben will. Das derzeitige Angebot sei zwar nach wie vor viel zu niedrig, doch Qualcomm ist offen für einen Deal. Qualcomm ist bereit Broadcom Bucheinsicht zu gewähren, um einen Deal zu einem fairen Preis herbeizuführen.

Broadcom blitzt mit 2 Übernahme-Offerten ab…

Rückblick: Chip-Riese Broadcom hat im November vergangenen Jahres für Qualcomm ein milliardenschweres Übernahme-Angebot abgegeben. Die Erstofferte stieß beim Management allerdings auf taube Ohren und auch mit einer aufgestockten Offerte konnte Broadcom den Übernahme-Kandidaten nicht überzeugen.

Qualcomm ließ allerdings eine Hintertür offen und bot dem Bieter die Möglichkeit an, seinen Plan detaillierter vorzustellen. Das Gespräch zielte vor allem auf eine hohe Strafzahlung ab, für den Fall, dass Broadcom die Übernahme nicht an den Wettbewerbsbehörden vorbei bringen würde. Zudem wurde ein höherer Preis gefordert.

…und versucht es jetzt feindlich

Nach dem Treffen blieb es allerdings bei einer Angebotsablehnung. Zu riskant und finanziell unangemessen sei eine Übernahme. Broadcom hielt am Übernahme-Plan jedoch fest und schlug sechs Manager für den 11 köpfigen Qualcomm-Verwaltungsrat vor.

Auf der Hauptversammlung am 6. März würde dann über die Manager von den Aktionären abgestimmt. Gelingt es Broadcom, die Mehrheit zu erlangen, soll dann der Weg frei gemacht werden für einen Deal.

Qualcomm versucht mit NXP-Übernahme Broadcom zu verscheuchen….

Qualcomm selbst will ebenfalls zukaufen. Für den Chiphersteller NXP wollte Qualcomm 37 Mrd. Dollar bezahlen. Broadcom hatte zur Bedingung für einen Deal mit Qualcomm gemacht, dass Qualcomm sein Angebot für NXP fallen lässt oder zum vereinbarten Preis abschließt.

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Doch Qualcomm traf bei der NXP-Übernahme auf Widerstand. Finanzinvestoren forderten einen höheren Preis. Und statt den Platzen zu lassen, stockte der Bieter sein Angebot auf.

…doch der Bieter denkt nicht an Aufgabe

Vermutlich hoffte Qualcomm, dass Broadcom damit seine ungeliebten Avancen einstellt. Doch der Konzern lag falsch. Broadcom kritisierte den Deal als Wert-zerstörend und senkte lediglich den Angebotspreis ab. Der Plan eines Management-Umsturzes blieb bestehen.

Broadcom hat bei seinem Plan die Rückendeckung von der ISS, eine mächtige Institution, die Fonds und andere Großaktionäre bei Übernahmen berät. Dass Qualcomm jetzt – eine Woche vor der Abstimmung – erneut öffentlich versucht, einen freundlichen Deal zu einem höheren Preis herbeizuführen, deutet darauf hin, dass das Management die Wahrscheinlichkeit eines Management-Umsturzes als groß erachtet.

Entscheidung liegt jetzt bei den Aktionären

Broadcom hat sich zum neuerlichen Qualcomm-Vorstoß noch nicht geäußert. Vermutlich wird der Bieter jedoch nicht auf das Angebot eingehen sondern eine Entscheidung auf der Hauptversammlung erzwingen wollen.

Investoren sind offenbar zuversichtlicher geworden, dass der Broadcom-Plan aufgeht und Qualcomm die Unabhängigkeit verlieren wird. Im Falle eines späteren Deals würden sie dann ihre Aktien mit Aufschlag an den Bieter abgeben können. Qualcomm-Papiere marschieren am Mittag in einem festen Gesamtmarkt um 4% auf 65,90 Dollar vor. Es bleibt spannend! Gut möglich, dass der größte Tech-Deal aller Zeiten eine feindliche Übernahme wird.

Interessenskonflikt: Die Qualcomm-Aktie ist Position in meinem Börsendienst AmericanTargets.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.