Qualcomm weist auch nachgebesserte Broadcom-Offerte zurück

Qualcomm schlägt die Broadcom-Offerte aus, ist aber bereit für Gespräche. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Hochspannung in der Übernahme-Schlacht um den US-amerikanischen Chipriesen Qualcomm. Nachdem der ungeliebte Bieter Broadcom seine Übernahme-Offerte um hohe 17% auf 121 Mrd. Dollar aufgestockt hat, hat der Übernahme-Kandidat auch diese Offerte gestern nach Börsenschluss zurückgewiesen.

Das Management habe einstimmig beschlossen, dass die Offerte finanziell unzureichend ist. Zugleich fehlen wichtige finanzielle Zusagen, für den Fall, dass Broadcom den Deal nicht abschließen kann.

Qualcomm rechnet 2019 mit 7,50 Dollar Gewinn je Aktie

Die Zurückweisung des Übernahme-Angebots kommt nicht ganz überraschend. Qualcomm hatte im Januar eine Rechnung aufgestellt, wie der Gewinn des Unternehmens im kommenden Jahr mehr als verdoppelt werden kann. Die Rechnung beinhaltet zwar sehr viele Unwägbarkeiten, doch wenn sie aufgeht, war die Ablehnung der 82 Dollar je Aktie-Offerte richtig.

Der Übernahme-Kandidat hat auch Angst, dass der Deal letztendlich am Widerstand der Wettbewerbsbehörden scheitern könnte. Broadcom hatte nicht näher spezifiziert, wie viel Geld man in dem Fall bereit ist zu zahlen.

Es heißt, dass Qualcomm eine überdurchschnittliche break up fee verlangt, da eine Einlassung auf den langwierigen Genehmigungsprozess hohen Schaden nach sich ziehen würde.

Briefwechsel zwischen den Unternehmensspitzen

Im Zuge der Angebotszurückweisung hat Qualcomm die Tür nicht ganz zugeschlagen. In einem Brief an den Bieter erklärt sich das Management zu einem Treffen bereit. Dabei soll dann geprüft werden, ob die Differenzen beim Angebotspreis und bezüglich einer breakup fee gelöst werden können.

Broadcom nahm den Ball auf und zeigte sich ebenfalls für Gespräche offen – stellte jedoch klar, dass am Preis nicht gerüttelt wird. Der Bieter hatte bereits vorher mitgeteilt, dass das Angebot „best and final“ ist – also endgültig.

In dem Brief von Broadcom an die Qualcomm-Spitze geht der Bieter auch näher auf seine Vorstellungen einer breakup fee ein. 8 Mrd. Dollar bietet Broadcom für den Fall, dass der Deal am Widerstand der Behörden platzt.

Sollte der Genehmigungsprozess länger als 12 Monate dauern, erhält Qualcomm pro Monat rund 440 Mio. Dollar.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten halten Angebotspreis offenbar für attraktiv

Broadcom ließ wissen, dass man mit fast allen führenden Qualcomm-Aktionären gesprochen habe und man keine Zweifel habe, dass es deren großer Wille ist, den Deal zum Abschluss zu bringen.

Mit Blick auf den Angebotspreis von 82 Dollar je Aktie ist das verständlich. Denn so hoch notierte die Qualcomm-Aktie in der Unternehmensgeschichte nur selten. Im Gegensatz dazu ist auch die Entwicklung der Aktie des Bieters zu betrachten: Wer 2009 zu Kursen von 18,29 Dollar auf Broadcom setzte, hat sein Geld mehr als verzehnfacht.

Vieles deutet auf Kampfabstimmung Anfang März hin

Sollte sich Qualcomm weiterhin weigern, mit Broadcom in Übernahme-Verhandlungen zu treten, rückt die Qualcomm-Hauptversammlung am 6. März ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Broadcom versucht die Qualcomm-Spitze mit Übernahme-willigen Managern zu ersetzen. Dann entscheiden die Aktionäre, ob es die größte Übernahme aller Zeiten in der Chipbranche gibt oder nicht.

(Interessenskonflikt: Die Qualcomm-Aktie ist Depot-Position in meinem Börsendienst AmericanTargets)


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.