Qualcomm will NXP, Broadcom Qualcomm und Intel Broadcom: Was denn jetzt?

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Die Übernahme-Schlacht um Qualcomm könnte eine unvorhergesehene Wende nehmen. Intel könnte Bieter Broadcom selbst kaufen und die Jagd auf Qualcomm damit beenden. (Foto: Alexander Tosltykh / shutterstock.com)

Das Übernahme-Geschäft gehört zu den spannendsten Themen an der Börse. Nicht nur weil aufsehenerregende Prämien gezahlt werden, sondern auch weil hin und wieder völlig überraschende Wendungen bei Übernahme-Kämpfen geschehen.

Ein gutes Beispiel ist dafür die Übernahme von NXP Semiconductor. Eigentlich hätte es ein normaler Deal werden sollen. Chip-Riese Qualcomm entschied sich im Herbst 2016, den kleinen Rivalen NXP für 37,3 Mrd. Dollar zu übernehmen und hatte sich mit dem Management des Übernahme-Kandidaten bereits geeinigt.

Den Aktionären wurde die Annahme des Angebots empfohlen und zunächst war von einem reibungslosen Deal auszugehen – doch es kam anders.

Qualcomm-Angebot zu niedrig: Finanzinvestoren torpedieren NXP-Übernahme

Während Qualcomm am Abschluss der Transaktion arbeitete, stiegen Finanzinvestoren in die Aktie des Übernahme-Kandidaten ein und forderten einen höheren Preis. Mit der Chance auf eine Angebotsnachbesserung stieg der NXP-Aktienkurs an der Börse über den von Qualcomm gebotenen Preis.

Dies wurde für Qualcomm zum Problem, denn damit war es für die NXP-Aktionäre nicht mehr lohnend, ihre Aktien an den Bieter abzugeben. Und mit immer mehr Aktien in den Händen derer, die mehr zahlten als Qualcomm bot, sank die Chance auf einen Deal zu den vereinbarten Konditionen immer weiter.

Jäger wird zum Gejagten: Broadcom legt unaufgeforderte Übernahme-Offerte für Qualcomm vor

Spätestens im Herbst 2017 war klar, dass Qualcomm mehr zahlen muss, wenn der Chip-Riese den Deal abschließen will. Da NXP mittelfristig einen hohen strategischen Wert für die krisengeschüttelte Qualcomm hatte, ging kaum noch jemand davon aus, dass Qualcomm nicht bereit sein würde, mehr zu zahlen.

Doch das war nicht Qualcomms einziges Problem. Neben ausstehenden Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden wurde Qualcomm selbst das Ziel einer Übernahme-Offerte. Rivale Broadcom wollte die Schwäche von Qualcomm nutzen und unterbreitete ein unaufgefordertes Übernahme-Angebot inklusive Prämie auf den Aktienkurs.

Qualcomm-Management setzt sich zur Wehr…

Qualcomm wollte von der Offerte nichts wissen, selbst nicht nach einer Angebotsaufstockung, die eine Prämie von 50% auf den ursprünglichen Qualcomm-Aktienkurs enthielt.

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Doch viele Aktionäre bewerteten den Broadcom-Vorstoß positiv und setzten das Management mit der Forderung unter Druck, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Darauf ging die Unternehmensspitze jedoch nicht ein.

Im Gegenteil: Um den ungeliebten Bieter loszuwerden, wurde die NXP-Offerte aufgestockt. Der Broadcom-Vorstoß war daran gebunden, dass Qualcomm dies nicht macht. Doch statt die Verfolgung aufzugeben, wurde der Qualcomm-Angebotspreis lediglich leicht gesenkt.

CFIUS rettet Qualcomm (vorerst) vor Management-Umsturz

Broadcoms Angebot war nach der Reduzierung immer noch für viele Qualcomm-Aktionäre verlockend. Broadcom hatte bereits im Vorfeld bei den wichtigsten Qualcomm-Anteilseignern vorgefühlt, welcher Übernahme-Preis denen vorschwebt und als sich Qualcomm weiterhin gegen den feindlichen Übernahme-Versuch wehrte, versuchte Broadcom das Qualcomm-Management mit übernahmewilligen Managern auszutauschen.

Auf der Hauptversammlung am vergangenen Dienstag sollte es dann zum Umsturz kommen. Daraus wurde jedoch nichts, denn völlig unerwartet schaltete sich die Sicherheitsbehörde CFIUS ein, die den Deal überprüfen will und eine Vertagung der Versammlung um 30 Tage anordnete.

Man kann sagen, dass die CFIUS damit zunächst den Management-Umsturz vereitelte, denn Bloomberg-Informationen zufolge, hätten die von Broadcom vorgeschlagenen Manager voraussichtlich eine Mehrheit gehabt.

Intel könnte Übernahme-Kampf neue Wendung geben

Während unklar ist, ob der Management-Umsturz dann im kommenden Monat gelingt, könnte die Qualcomm-Verfolgung ein bislang unvorhergesehenes Ende finden. Es heißt, dass Chip-Riese Intel ein Übernahme-Angebot für Broadcom abgeben könnte.

Nach groß (Qualcomm) will mittel (NXP) und größer (Broadcom) will groß (Qualcomm) könnte dann riesig (Intel) größer (Broadcom) fressen. Spekuliert wird, dass Intel den Plan umsetzen könnte, wenn die „Gefahr“ groß ist, dass Broadcom bei Qualcomm zum Zug kommt. Um nicht einen mächtigen Konkurrenten (Broadcom/Qualcomm) gegenüber zu stehen, könnte Intel als Defensiv-Maßnahme Broadcom schlucken.

Analysten halten das für nicht unwahrscheinlich. Und offenbar auch der Aktienmarkt nicht: In einem etwas festeren Technologie-Markt legt die Broadcom-Aktie über 3% zu. Es bleibt spannend!


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.