Quanto-Zertifikate: Absichern gegen die Dollarschwäche

Wenn Sie sich gegen solche Währungsrisiken absichern möchten, könnten Sie natürlich Optionsscheine, Optionen oder Futures kaufen, die auf einen weiterhin fallenden Dollar setzen.

Das Problem ist nur: Solche Absicherungsgeschäfte sind nicht ganz billig, und sie sind auch nicht ganz einfach zu bewerkstelligen.

Denn Sie müssten ständig ein Szenario entwickeln, für das Sie die zur Absicherung passenden Papiere kaufen.

Das wäre kompliziert und im Hinblick auf die Transaktionskosten auch nicht gerade billig. Günstiger sind – gerade bei Gold, aber auch bei Energieträgern, Rohstoffen und Rohstoffaktien – sogenannte Quanto-Zertifikate.

Definition: Was ist ein Quanto-Zertifikat?

Bei den Quanto-Zertifikaten handelt es sich um währungsgesicherte Zertifikate.

Die Währungssicherung wird bei vielen Zertifikaten angeboten, die auf einem Basiswert beruhen, der in einer Fremdwährung notiert (z.B. ein Index wie der Dow Jones, ein Edelmetall wie Gold, ein Energieträger wie Rohöl oder ein bzw. mehrere US-amerikanische Unternehmen wie Exxon).

Bei Quanto-Zertifikaten übernimmt die emittierende Bank das Währungsrisiko. Sie legt gleich bei der Emission des Zertifikats einen Wechselkurs zu der betreffenden Fremdwährung fest und garantiert diesen festen Umtauschkurs bis zum Ende der Laufzeit.

Für Sie als Anleger hat das folgenden Vorteil: Sie brauchen sich um die Währungsschwankungen nicht zu kümmern und tragen kein Wechselkursrisiko. Quanto-Zertifikate erkennen Sie meist sofort am Zusatz „Q“.

Ein Großteil der am Markt erhältlichen Quanto-Zertifikate sind Index- und Basket-Zertifikate. Sie bilden die Entwicklung des Basiswerts 1:1 ab, sei es die eines Index, einer Aktie oder auch eines Rohstoffs.

Kosten für die Währungsabsicherung bei Quanto-Zertifikaten

Bedenken müssen Sie allerdings: Die Währungsabsicherung ist keine kostenlose Serviceleistung der Emittenten. Den Banken entstehen dafür selbst Kosten, die sie an die Käufer solcher Zertifikate weiterreichen.

Da die Banken ein Währungsrisiko aber viel günstiger absichern können als Sie als Privatanleger, ist für Sie die Ausschaltung des Währungsrisikos über ein Quanto-Zertifikat wesentlich günstiger als etwa der Kauf von Optionsscheinen zu diesem Zweck.

Die genauen Kosten für die Absicherung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Eine Rolle spielt dabei vor allem:

  • Wie viel Zeit noch bis zur Fälligkeit des Zertifikats vergeht (je länger die Restlaufzeit, desto höher die Kosten),
  • wie stark der Basiswert sich in Abhängigkeit zur jeweiligen Landeswährung entwickelt,
  • welche Dividendenzahlungen ausstehen,
  • wie groß die Differenz des Zinsniveaus zwischen Dollar- und Euro-Raum ist.

Letztendlich bestimmt der Emittent, wie viel er für die Währungsabsicherung verlangt (hier gibt es durchaus Unterschiede). Diese Kosten kommen auf Sie zu:

Quanto-Zertifikate mit begrenzter Laufzeit

Bei Quanto-Zertifikaten mit begrenzter Laufzeit geben die Emittenten ihre Absicherungskosten in Form eines höheren Spread an Sie als Anleger weiter. Der Spread ist die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis, also gewissermaßen ein Aufpreis beim Kauf.

Grundsätzlich gilt: Je länger die Restlaufzeit, desto höher ist der Spread. Er liegt am Tag der Emission bei etwa 1 bis 1,5% und baut sich bis zum Ende der Laufzeit komplett ab.

Das ist auch nachvollziehbar: Bei einem Quanto-Zertifikat, das morgen schon fällig ist, besteht nur noch eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass die Währung des Basiswerts sich gegenüber der Währung des Emittenten noch stark verändert.

Dagegen ist die Gefahr einer solchen Veränderung – und die Notwendigkeit, eine entsprechende Absicherung zu betreiben – umso größer, je mehr Zeit noch bis zur Fälligkeit bleibt.

Quanto-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

Bei Quanto-Zertifikaten mit unbegrenzter Laufzeit, die auch „Open End Zertifikate“ oder „Endlos-Zertifikate“ genannt werden, kann die Bank die Absicherungskosten nicht über den Spread verlangen.

Schließlich weiß sie nicht, wie lange ein Anleger das Zertifikate halten wird und wie lange sie eine Währungsabsicherung betreiben muss.

Folglich kann der Emittent nicht beziffern, wie hoch die Kosten für die gesamte Haltedauer letztendlich werden. Daher verlangt er bei solchen Papieren statt eines höheren Spreads eine jährliche Absicherungsgebühr, die kontinuierlich vom Kurs des Zertifikats abgezogen wird.

Die Gebühr wird täglich neu berechnet und kann im Laufe der Zeit schwanken. Die durchschnittliche Absicherungsgebühr für Endlos-Zertifikate liegt bei etwa 0,5 bis 1% pro Jahr. Die Spanne kann aber durchaus von 0 bis 4% reichen.

„Geldanlage-Berater“-Tipp: Quanto-Zertifikate auf US- amerikanische Werte erhalten Sie meist günstiger, also zu einem geringeren Spread, wenn die US-Börsen geöffnet sind.

Grund: Vorher schätzen die Emittenten die Risiken, nach Eröffnung passen sie diese an den realen Markt an. Idealerweise kaufen Sie deshalb Ihre Scheine erst nach Markteröffnung in den USA ab 15.30 Uhr.

Der US-Dollar bleibt unberechenbar

Eigentlich müssten die Ölstaaten jubeln: Der Anstieg auf fast 100 US-Dollar je Barrel Öl sorgt für Rekordeinnahmen. Das Problem dabei: Es fließen Milliarden US-Dollar in die Kassen.

Und die US-Währung verliert gegenüber anderen Währungen beständig an Wert. Die Freude der Ölstaaten ist also getrübt. Der Absicherungsmechanismus hat versagt.

Der Grundgedanke der Absicherung war einfach: Da Öl in US-Dollar abgerechnet wird, haben die Ölstaaten am Persischen Golf ihre Währungen an die US-Währung gekoppelt.

So sollten Schwankungen vermieden werden. Zu Hochzeiten des US-Dollar hat das funktioniert, jetzt zeigen sich die Schattenseiten.

Devisenreserven verlieren an Wert

Die Kaufkraft der Devisenreserven sinkt, sobald der Dollar- Raum verlassen wird. Die Einkäufe im Euroraum werden teurer. Das ist kein Luxusproblem. Die steigenden Importkosten treiben die Inflationsraten in den Golfstaaten in die Höhe.

Die größten Verlierer sind die ärmsten Bevölkerungsschichten, die nicht am Ölreichtum teilhaben, aber trotzdem höhere Preise zahlen müssen.

Das Dilemma der Golfstaaten und der chinesischen Regierung (China hat durch Exportüberschüsse mehrere 100 Mrd. US-Dollar Währungsreserven angesammelt und ist daher ebenfalls betroffen): Die Länder wollen sich vom US- Dollar lösen, doch damit sägen sie an dem Ast, auf dem sie sitzen.

Denn eines ist klar: Wenn sich die Ölstaaten und China zu schnell vom US-Dollar lossagen, bricht die Währung zusammen. Das würde aber im gleichen Moment den eigenen Staatsschatz, riesige Mengen an Dollar-Anleihen, rasend schnell entwerten.

Die Ölstaaten und auch China müssen sich daher langsam und behutsam vom US-Dollar lösen. Ein erster Schritt ist die Kopplung der eigenen Währung an einen Währungskorb.

Der Dollaranteil müsste dann nach und nach abgesenkt werden. So könnte die US-Währung in einen kontrollierten Sinkflug übergehen und nicht über Nacht abstürzen.

Mittelfristig müssen speziell die Ölstaaten ein Interesse daran haben, dass sie ihre Ölreserven nicht automatisch in US-Dollar umtauschen müssen und so die Dollarreserven endlos aufblähen. Die Versuche, Öl in anderen Währungen abzurechnen (zum Beispiel in Euro), waren bisher wenig erfolgreich.

Kurzfristige Belastungsfaktoren: Zinsen und politische Störfeuer

Neben dem strategischen Problem der riesigen (ungewollten) Dollar-Bestände der Ölstaaten bietet der US-Dollar auch noch weitere Angriffsflächen. Zum einen die bereits thematisierte ungewollte Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed. Die Fed befand sich auf dem Weg zu einer strafferen Geldpolitik.

Die Immobilien- und Hypothekenkrise machte einen Strich durch die Rechnung. Der Geldhahn musste wieder weit aufgedreht werden, um den angeschlagenen Bankenmarkt mit Liquidität zu versorgen.

Das Feuer wird jedoch mit Benzin gelöscht: Die Zinssenkungen haben den größten Pluspunkt der US-Währung, die deutlich höheren Zinsen im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen, geschmälert. Dollaranlagen verlieren dadurch an Attraktivität. Die fast logische Folge ist der sinkende Dollar-Kurs.

Mittel- und langfristig wird die Zinssenkung mit der damit verbundenen Liquiditätsspritze dazu führen, dass sich eine neue gefährliche Spekulationsblase bildet (so hat die Niedrigzinspolitik zu Beginn des Jahrzehnts die Grundlage für die jetzige Immobilien- und Hypothekenkrise gelegt).

Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung von einigen Jahren rächt sich die Politik des billigen Geldes. Die Frage ist aber, ob die Fed überhaupt anders reagieren konnte. Sie hatte die Wahl zwischen Pest (Bankenkrise) und Cholera (Dollarverfall und Inflation).

Sicherlich ist es aber auch so, dass einige Akteure auf dem Spielfeld der Weltwirtschaft die Schwäche des US-Dollar nutzen, um mit dem „System“ abzurechnen. So provoziert der venezuelanische Präsident Hugo Chavez bei jeder Gelegenheit den US-Präsidenten und auch die US-Währung.

Die Drohung, den Ölpreis auf 200 US-Dollar je Barrel steigen zu lassen, geht in diese Richtung.

Aber auch aus der arabischen Welt kommen Störfeuer. Jetzt gibt es die teils offene, teils versteckte Abrechnung für die aggressive US-Außenpolitik im Irak oder in Afghanistan.

Da Aktienkurse aber auch Devisennotierungen kurzfristig extrem von psychologischen Elementen abhängen, nicht so sehr von harten Fakten, kann jede Drohung die Märkte in die gewünschte Richtung drehen. Dieses Instrument wird aktuell gegen den US-Dollar eingesetzt.

US-Dollar: Zwischenzeitliche Erholungen sind immer möglich

Der Devisenmarkt gilt als noch unberechenbarer als der Aktienmarkt. Die bisher genannten Argumente sprechen für einen weiteren Wertverlust des US-Dollar, es wird jedoch immer wieder starke Lebenszeichen geben. Laut OECD-Studie ist die Zeit wieder reif für eine Erholung der US-Währung.

Die Kaufkraftparität liegt danach bei 1,14 US-Dollar je Euro. Mit anderen Worten: Nach dieser Analyse ist der Euro um rund 30% überbewertet – oder der US-Dollar entsprechend unterbewertet.

Eine Wette gegen den US-Dollar ist daher auf dem aktuellen Niveau nicht zu empfehlen. Irgendwann in den nächsten Wochen oder Monaten wird eine Gegenbewegung einsetzen.

Und auch langfristig wird der US-Dollar nicht von der Bildfläche verschwinden. Die US-Währung wird ihre Monopolstellung als „Weltreservewährung“ und „Rohstoffwährung“ dauerhaft nicht verteidigen können.

Doch zusammen mit einer europäischen und einer asiatischen Gemeinschaftswährung kann der US-Dollar in 10 oder 20 Jahren eine führende Rolle im Währungssystem einnehmen.

In jedem Fall lohnt sich für Sie eine Absicherung gegen den weiteren Wertverlust des US-Dollars.

20. Oktober 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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