Quartalsberichte: Achten Sie auf KGV und KUV

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Mit den beiden Kennzahlen KGV und KUV, die ich Ihnen heute vorstelle, können Sie Unternehmen fundamental bewerten. (Foto: okekka.k)

Heute ist der 1. Oktober. Das bedeutet auch, dass gestern der September und damit das 3. Quartal dieses Jahres zu Ende gegangen ist. Das wiederum bedeutet, dass schon sehr bald erste börsennotierte Unternehmen ihre Zahlen für das jüngste Quartal vorlegen werden.

Ich möchte Ihnen heute zwei wichtige Kennzahlen an die Hand geben, mit denen Sie Unternehmen bzw. Aktien aus fundamentaler Sicht bewerten können. Schauen Sie sich die kommenden Berichte und die Umsatz- und Ergebniserwartungen der Unternehmen an und die Kennzahlen, die ich Ihnen im Folgenden vorstelle. Dann können Sie Aktien selbst (zumindest teilweise) fundamental bewerten.

Das KGV drückt die Relation von Gewinn und Aktienkurs aus

Das wohl am häufigsten herangezogene Kriterium bei der Aktienbewertung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es zeigt Ihnen an, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird.

Ein niedriges KGV ist isoliert betrachtet aber nicht zwingend ein Kaufargument. Sind die zukünftigen Gewinnaussichten schlecht, oder ist die Verschuldung zu hoch (Bilanzprobleme), bietet die Aktie wenig Kurspotenzial. Ein gesundes Unternehmen mit einem niedrigen KGV lädt dagegen zum Einstieg ein.

Es gibt beim KGV aber auch 2 Schwachpunkte: Der Gewinn kann sich auf feststehende oder auf erwartete Gewinne beziehen. Nimmt man den zuletzt erzielten Gewinn, hat man harte Fakten, aber das ist ein Blick in den Rückspiegel. An der Börse wird höher gewichtet, was in der Zukunft passiert. Nimmt man für die KGV-Berechnung dagegen den erwarteten Gewinn, ist das für den Aktienkurs relevanter, dafür steigt die Unsicherheit. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass sich Gewinnprognosen schnell in Luft auflösen können.

Der zweite Schwachpunkt: Der Jahresüberschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann von den Unternehmen in die gewünschte Richtung gesteuert werden. Legale Bilanzierungstricks können vom Management genutzt werden, um den Jahresüberschuss zu beeinflussen. Das KGV ist daher immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Das KUV setzt den Umsatz ins Verhältnis zum Aktienkurs

Ein Problem, das im Zusammenhang mit der Betrachtung von KGVs auch auftreten kann: Speziell bei jungen Unternehmen oder bei Unternehmen, die in einer starken Wachstumsphase sind, kann der Gewinn negativ oder sehr niedrig sein. In solchen Fällen macht es wenig Sinn, sich auf das KGV zu konzentrieren.

In diesen Fällen empfiehlt es sich, zusätzlich das Kurs-Umsatz-Verhältnis zu betrachten. Es setzt den aktuellen Börsenwert der Aktie ins Verhältnis zu dessen Umsatz. Grundsätzlich gilt auch hier (wie beim KGV): Je niedriger der Wert (das KUV), desto preiswerter die Aktie.

Ein niedriges KUV kann aber auch ein Warnzeichen sein. Teilweise handelt es sich bei Unternehmen mit einem niedrigen KUV um Unternehmen, die umsatzmäßig schrumpfen. In diesen Fällen ist von einer Investition eher abzuraten.

Bei nächster Gelegenheit werde ich Ihnen hier im Schlussgong noch weitere Kennzahlen vorstellen. Wichtig ist bei der fundamentalen Analyse aus meiner Sicht, dass Sie möglichst viele verschiedene Kennzahlen betrachten, da Sie so schneller eventuelle Schwachstellen entdecken und Verluste bei Ihren Aktiengeschäften vermeiden können.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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