Quartalsberichtssaison: Was Sie an der Wall Street erwartet

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In den USA kommt die Quartalsberichtssaison langsam auf Touren. Ich gebe Ihnen dazu einen Überblick. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Seit knapp einer Woche läuft die US-Quartalsberichtssaison: Die börsennotierten Unternehmen berichten über den Verlauf des am 30. September 2019 abgelaufenen Jahresviertels.

Das führt an der Wall Street mit schöner Regelmäßigkeit zu einer erhöhten Volatilität (Schwankungsbreite der Kurse):

Die Aktionäre reagieren auf schlechte Abschlüsse bzw. pessimistische Perspektiven meist mit Verkäufen. Umgekehrt ziehen erfreuliche Quartalsergebnisse und / oder gute Geschäftsaussichten für erhöhte Nachfrage in den betreffenden Aktien – umso mehr, wenn diese Berichte die Marktteilnehmer überraschen.

Wir schauen heute einmal, was die Analysten im Vorfeld erwarteten und betten das in einen Rückblick und Ausblick ein.

Einwurf

Bevor wir uns auf das eigentliche Thema für heute stürzen, noch eine ergänzende Anmerkung:

Nun hat auch China im sogenannten Interbankenmarkt interveniert: In den USA kam es dort vor einigen Wochen – ich hatte darüber am letzten Mittwoch ausführlich berichtet – zu einem Liquiditätsengpass. Den stopfte die US-Notenbank mit der Zurverfügungstellung von rund 57 Mrd. USD.

Die chinesische Zentralbank versorgte ihre Banken laut Medienberichten nun mit einem Betrag in Höhe von umgerechnet 35 Mrd. USD. Auch hier wurde ein anstehender Steuertermin als (herunterspielende) Begründung genannt.

Ich lasse das hier mal kommentarlos so stehen.

Rückblick

Blicken wir noch einmal kurz zurück, um die anstehenden Quartalsergebnisse besser einordnen zu können. Die genannten Zahlen beziehen sich auf die 500 im S&P 500 gelisteten Unternehmen.

2018 brachte, befeuert durch das Steuermaßnahmenpaket Donald Trumps, geradezu spektakuläre Wachstumsraten: Für die ersten 3 Quartale wurden von den Aktiengesellschaften Gewinnzuwächse von durchschnittlich fast +25,0% erzielt.

Im 4. Jahresviertel dann der Schuss vor den Bug: Das durchschnittliche Gewinnwachstum schwächte sich um 2/5 auf +15,0% ab. Darauf reagierte die Wall Street zwischen Oktober und Dezember 2018 mit einem -20%-Crash.

Was die Analysten jetzt erwarten

Einem durchschnittlichen Gewinnanstieg von +1,6% in den ersten 3 Monaten 2019 folgte im 2. Jahresviertel ein Plus von +3,2%. So gut sind die Perspektiven für das 3. Quartal nicht:

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Die Analysten erwarten einen Ergebnisrückgang von im Mittel -3,0%. Erst im letzten Jahresviertel 2019 soll es dann mit +3,3% wieder eine deutlichere Steigerung geben.

Stand heute erwarten die Analysten für das Jahr 2020 folgende durchschnittliche Gewinnwachstumsraten: Quartal 1: +8,2%, Quartal 2: +8,5% und Quartal 3: +13,4%.

Das wäre gegenüber 2019 eine geradezu dramatische Verbesserung.

Bisher vorliegende Ergebnisse

Seither haben 43 Unternehmen des S&P 500 (Stand: 18.10.2019) ihr Zahlenwerk vorgelegt.

Daraus resultiert ein durchschnittlicher Gewinnrückgang von -3,8%. Immerhin liegt die Zahl der Unternehmen, die hier positiv überrascht haben – also die Analysten-Erwartungen übertreffen konnten – bei fast +84%.

Diese Zahlen sind selbstredend nicht repräsentativ. Für stabilere Erkenntnisse werden Sie noch ein wenig warten müssen:

Die Quartalsberichtssaison nimmt Fahrt auf

Am Ende dieser Woche werden knapp 600 US-Unternehmen ihre Geschäftszahlen für das 3. Jahresviertel vorgelegt haben. Für die Zeit vom 28. Oktober bis zum 1. November werden weitere rund 850 Quartals-Bilanzen erwartet.

In der ersten Woche des folgenden Monats steuern wir dann mit rund 1.150 veröffentlichen Berichten auf den Höhepunkt der laufenden Quartalsberichtssaison zu.

Fazit

Eines ist klar: 2019 wird das Jahr der Abkühlung.

Mit den erzielten Ergebnissen des 1. Halbjahres und den erwarteten Daten der zweiten Jahreshälfte würde es für das Gesamtjahr 2019 so gerade noch ein durchschnittliches Gewinnwachstum von +1,3% geben.

Mit einem erwarteten mittleren Ergebnisanstieg von +10% in den ersten 3 Jahresvierteln soll es in 2020 dann wieder kräftig bergauf gehen.

Erstaunlich ist im laufenden Jahr nur eines wirklich: Trotz des eher schwächlichen Gewinnwachstums wird für die US-Unternehmen in 2019 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von +4,6% erwartet.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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