Quartalsberichtssaison: Was Sie an der Wall Street jetzt erwartet

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Morgen startet traditionell mit Alcoa die US-Quartalsberichtssaison. Ich schaue für Sie auf die Prognosen. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Die Wall Street schreibt seit Beginn des laufenden Monats nahezu börsentäglich neue Rekorde. Und der DAX?

Der ist von seiner Bestmarke bei 13.596 Punkten mit aktuell knapp 12.400 Zählern nicht nur meilenweit davon entfernt: Der deutsche Leitindex notiert schon wieder gut 250 Punkte unter seinem am 4. Juli markierten Jahreshoch bei 12.656.

Ein Grund dafür dürfte die morgen „inoffiziell“ anlaufende US-Quartalsberichtssaison sein:

Dann wird der Aluminiumproduzent Alcoa traditionell den Zahlenreigen eröffnen. Wie gesagt: „Inoffiziell“. Denn natürlich haben schon in der letzten Woche einige US-Firmen ihre Quartalszahlen vorgelegt.

Und während diese 24 Unternehmen aus dem S&P 500 bislang solide Daten zum Geschäftsverlauf im 2. Jahresviertel berichteten, gaben hierzulande Unternehmen wie BASF Gewinnwarnungen ab.

Wir schauen einmal genauer auf das, was Sie in den kommenden Wochen von der Quartalsberichtssaison in den USA zu erwarten haben.

Was Ihnen an der Wall Street jetzt bevorsteht

Während der ersten Wochen einer Quartalsberichtssaison beobachten wir an der Wall Street häufig einen volatileren Markt: Das liegt daran, dass die Investoren noch unsicher über dessen Gesamtverlauf sind.

Sobald sich dann ein Trend herauskristallisiert, beruhigt sich die Szenerie meist wieder. Abgesehen natürlich von den Ausreißern in Einzelaktien, die mehr oder weniger deutlich von den Analystenprognosen – nach oben wie nach unten – abweichen.

In dieser Woche präsentieren fast 200 US-Konzerne ihre Zahlen. Ab kommenden Montag werden dann schon gut 700 Bilanzen erwartet. Im Anschluss erreichen wir dann die „heiße“ Phasen, wenn weitere 940 Unternehmen ihre Geschäftszahlen vorlegen werden.

Was die Analysten vom 2. Quartal erwarten

Nach den fast schon extremen Gewinnwachstumsraten der ersten 3 Quartale 2018 von durchschnittlich +25,0% hatte sich die Szenerie im 4. Jahresviertel mit einer Fast-Halbierung (+14,0%) merklich abgekühlt. Der -20%-Crash an der Wall Street zwischen Oktober und Dezember war die spürbare Folge.

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Nach einem durchschnittlichen Gewinnrückgang von -0,2% in den ersten 3 Monaten 2019 erwarten die Analysten auch für die beiden nachfolgenden Quartale negative Wachstumsraten von -3,0% respektive -1,3%.

Erst im letzten Jahresviertel 2019 soll es dann mit +4,5% wieder eine kräftige Steigerung geben, die sich von Januar bis März 2020 auf sogar +10,3% verbessern soll.

Wir durchschreiten mithin derzeit ein Tal. Und geht es nach den Erwartungen der Börsenexperten, dann bereiten wir in den vor uns liegenden Wochen den Boden für bessere Zeiten mit dem gerade begonnenen 2. Halbjahr.

Experten-Pessimismus hat Tradition

Wie es schon beinahe gute Tradition ist, haben sich die Prognosen der Analysten im Vorfeld der anlaufenden Quartalsberichtssaison spürbar verschlechtert:

Ende März 2019 waren die Experten noch von einem Nullsummenspiel ausgegangen. Mitte April gab es schon einen negativen Konsens von etwa -0,4% beim Ergebniswachstum, der sich im Mai auf -1,5% etwas mehr als verdreifachte und nun, wie gesagt, bei -3,0% liegt.

Doch es gibt Hoffnung: Mit schöner Regelmäßigkeit fallen die Resultate einer Quartalsberichtssaison nämlich letztlich deutlich besser aus, als von den Analysten zuvor attestiert.

Fazit

Dass der Pessimismuspegel der Börsenexperten für das 2. Jahresviertel 2019 etwas zu hoch erscheint, können Sie am Verlauf der Wall Street ablesen: Seit Monatsbeginn klettern die US-Indizes auf neue Allzeithochs.

Die Erwartungen der Investoren unterscheiden sich demnach ganz offensichtlich von denen der Analysten. Natürlich birgt das eine gewisse Gefahr, falls sich der Trend der ersten Quartalszahlen doch in Richtung der Experten-Prognosen orientiert.

Da die Analysten aber fast immer zu pessimistisch sind, erwarte ich im Durchschnitt eine deutlich bessere Bilanz des ersten Jahresviertels für die US-Unternehmen, als die unterstellten -3,0%. Und damit einhergehend eine Fortsetzung des Wall Street-Aufstiegs in neue Kursdimensionen.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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