Quartalszahlen nicht überbewerten

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Warum Sie Quartalszahlen nicht überbewerten sollten. Zumindest dann nicht, wenn Sie langfristig erfolgreich investieren wollen. (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Die meisten börsennotierten Unternehmen haben in den vergangenen Tagen und Wochen ihre Zahlen für das Auftaktquartal des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt. Da die Marktteilnehmer seit dem schwierigen Börsenjahr 2018 wieder zunehmend nervöser sind, gibt es am Aktienmarkt deutliche Kursausschläge, wenn die Umsatz- und Gewinnprognosen verfehlt oder überboten werden.

Insbesondere bei kleineren Unternehmen können Abweichungen schnell zweistellige Kursreaktionen auslösen. Dabei ist zu beobachten, dass negative Abweichungen in der Regel stärker bestraft werden als positive Abweichungen belohnt werden. Diese unberechenbaren Kurssprünge bringen aus meiner Sicht völlig unnötige Schwankungen in den Markt. Daher bin ich kein Anhänger der Quartalszahlen.

Wenige Tage können viel entscheiden

Mini-Zeiträume von nur 3 Monaten sind schlicht und einfach zu kurz, um eine fundierte Aussagekraft zu haben. Bei kleineren Unternehmen kann schon eine einzelne Auftragsverschiebung reichen, um Umsatz und Gewinn auf Quartalsebene zu beeinflussen. Oder denken Sie daran, dass Feiertage für Unternehmen ungünstig liegen können.

Wenn in einem Quartal aufgrund von Feiertagen plötzlich 2 Arbeits- und Verkaufstage fehlen, beeinflusst das die Zahlen. Zahlen für das gesamte Geschäftsjahr sind elementar wichtig, Halbjahreszahlen sind in kurzer Form ein hilfreicher Zwischen-Check, aber 3-Monats-Zahlen braucht kein Mensch. Die Aussagekraft ist viel zu gering.

Weitere Kritikpunkte

Mein zweiter Kritikpunkt: Der Aufwand ist für die Unternehmen viel zu groß. Jeder Quartalsbericht bindet Management-Kapazitäten und blockiert Verwaltungseinheiten in den Unternehmen. In der Buchhaltung kann man sich oft nur noch von Quartal zu Quartal hangeln. Es fehlt dann die Zeit für das eigentliche operative Geschäft.

Und der wichtigste Kritikpunkt: Die Unternehmen werden faktisch gezwungen, eine falsche Perspektive zu wählen. Da die Aktienmärkte (leider) so stark auf die Quartalszahlen achten, steht in vielen Unternehmen das Erreichen der 3-Monats-Ziele im Vordergrund.

Maßnahmen, die diese Ziele gefährden, werden verdrängt. Ein Zeithorizont von 3 Monaten kann aber nicht für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung entscheidend sein. Das Management muss die nächsten Jahre, bei großen Investitionen Jahrzehnte, im Blick haben, nicht die kommenden 12 Wochen.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Auch an der Börse gilt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint! Die Quartalsberichte der Unternehmen sollten ein schöner Extra-Service für die Aktionäre sein, verändern aber im hektischen Internet-Zeitalter, wo Börsenentscheidungen zum Teil in weniger als 1 Sekunde getroffen werden, zu stark den Blickwinkel. Die Kritik an der Quartals-Denke wird auch in den Unternehmen lauter.

Schon im vergangenen Jahr haben sich Warren Buffett, der legendäre Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und Jamie Dimon, Chef der einflussreichen US-Bank JP Morgan, an die Spitze der Bewegung gesetzt.

Buffett begründet auch seine kritische Haltung: Wenn es Managern nur noch darum geht, die gesetzten Zahlen zu erreichen, handeln sie oft nicht im langfristigen Interesse des Unternehmens. Wir als Privatanleger können den Wahn der Quartalszahlen nicht stoppen, aber wir können die Zahlen mit mehr Gelassenheit betrachten.

Daher mein abschließender Rat an Sie: Wenn Sie langfristig erfolgreich investieren wollen, sollten Sie die Bedeutung von Quartalszahlen nicht zu hoch hängen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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