Quiagen-Übernahme geplatzt

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Die Übernahme des Hildener Testkit-Produzenten und Corona-Profiteurs Quiagen durch Thermo Fisher ist geplatzt. Nur 47% der Aktionäre stimmten der Offerte zu. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Das lange Hin und Her um die mögliche Übernahme des Hildener Biotechnologie-Unternehmens Quiagen hat ein (vorläufiges) Ende gefunden. Das Übernahmeangebot des US-Technologieriesen Thermo Fisher Scientific Inc. wurde trotz Nachbesserung von der Mehrzahl der Quiagen-Aktionäre abgelehnt.

Nur 47% der Quiagen-Aktionäre haben das Barangebot von Thermo Fisher, dass zum Schluss bei 43 Euro lag, angenommen. Die von Thermo Fisher gesetzte Annahmeschwelle von 66,67% wurde somit deutlich verfehlt.

Auch wenn die Quiagen-Übernahme vorerst gescheitert ist, können Sie in der folgenden Retrospektive mitverfolgen, wie der Markt auf Übernahmegerüchte, ein konkretes Übernahmeangebot und dessen Nachbesserung reagierte. Bei dem vielen Hin und Her glich die Kurslinie der Quiagen-Aktie in den letzten Wochen einer EKG-Kurve: Es ging stetig rauf und runter.

Der Übernahmeversuch im Rückblick

Bereits Ende 2019 kamen erste Gerüchte bezüglich einer möglichen Übernahme der formell im niederländischen Venlo ansässigen Quiagen N.V. (niederländisch: Naamloze Vennootschap; deutsch: Aktiengesellschaft) auf. Das Unternehmen hatte sich mit neuen Tätigkeitsfeldern verzettelt, seine Prognosen verfehlt und auch intern gab es Querelen.

Dies führte dazu, dass der langjährige Vorstandschef, Peer Schatz, nach 15 Jahren als CEO seinen Hut nahm. Im Oktober 2019 brach der Kurs der Quiagen-Papiere auf unter 25 Euro ein und es dauerte nicht lang, bis erste Übernahmespekulationen um das Hildener Unternehmen aufkamen.

Übernahmespekulationen bereits in 2019

In den Medien wurden gleich mehrere Firmen gehandelt, die ein Interesse an dem mittlerweile zum Schnäppchenpreis gehandelten Hightech-Unternehmen haben sollten. Darunter waren namhafte Mitbewerber wie z. B. Siemens Healthineers, Merck, Techno Fisher, Illumina oder Danaher.

Von diesen Spekulationen angeregt sprang der Kurs der Quiagen-Aktie Ende November auf ein zwischenzeitliches Allzeithoch von 38,94 Euro. Am 15. November 2019 gab Quiagen offiziell bekannt, dass es gleich mehrere unverbindliche Anfragen in Sachen Übernahme vorliegen würden.

An Heiligabend 2019 teilte Quiagen jedoch mit, dass es seinen eigenen Erfolgsweg alleine weiter gehen will und daher nicht an einer Übernahme interessiert sei. Daraufhin gab der Aktienkurs wieder deutlich nach und fiel auf etwa 30 Euro zurück.

Thermo Fisher und Quiagen einigen sich

Hinter verschlossenen Türen gingen die Übernahmeverhandlungen jedoch weiter und etwas überraschend gaben Quiagen und Thermo Fisher am 3. März 2020 bekannt, dass die Vorstände beider Unternehmen sich auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt haben. Thermo Fisher erklärte sich bereit, für jede Quiagen-Aktien 39 Euro in bar zahlen zu wollen.

Dieser Preis beinhaltete eine solide Übernahmeprämie von +23% gegenüber dem Vortagskurs. Als Mindest-Annahmeschwelle legte Thermo Fisher 75% der ausgegebenen Quiagen-Aktien fest. Am 3. März sprang der Kurs der Quiagen-Aktie um fast +16% auf 37,32 Euro.

Das freiwillige Übernahmeangebot wurde schließlich am 18. Mai 2020 durch die 100-ige Techno-Fisher-Tochter Quebec N.V. veröffentlicht und an die Quiagen-Anteilseigner weitergeleitet.

Großaktionäre legen sich quer

Allerdings hatte Techno Fisher nicht mit dem heftigen Widerstand der wenigen Großaktionäre von Quiagen gerechnet. Insbesondere der US-Hedgefonds Davidson Kempner lehnte das Angebot öffentlich ab und erhöhte seinen Qiagen-Anteil von 5% auf gut 8%.

In einem offenen Brief vom 15. Juli 2020 an den Quiagen-Vorstand bewertete Davidson Kempner das aktuelle Angebot als völlig unzureichend und teilte mit, dass es das Übernahmeangebot nicht annehmen werde.

Davidson Kempner bewertete die Quiagen-Aktien für 2020 mit 51,30 Euro. Für das kommende Jahr geht der Hedgefonds von einem weiteren Kurssteigerungspotential auf 55,70 Euro aus. Nachdem diese Werte publiziert worden waren, sprang der Quiagen-Kurs am 16. Juli innerhalb eines Tages um stolze +3,6% auf 42,10 Euro.

Thermo Fisher bessert nach

Zwei Tage später besserte Thermo Fisher sein ursprüngliches Angebot nach. Den Quiagen-Aktionären wurde nunmehr 43 Euro für jedes Quiagen-Papier geboten. Parallel dazu senkte Thermo Fisher die Annahmequote von 75% auf 66,67%.

Dies war ein klares Indiz dafür, dass bis dato nur wenige Quiagen-Eigner ihre Aktien dem US-Riesen angedient hatten. In den Folgetagen stieg der Kurs der Quiagen-Papiere nur noch leicht und erreichte am 29. Juli mit 42,78 Euro ein Allzeithoch, das nur noch knapp unterhalb des nachgebesserten Angebotes lag.

Bekanntgabe des Scheiterns

Am 13. August erklärten beide Unternehmen, dass die notwendige Annahmeschwelle nicht erreicht wurde und die Übernahme gescheitert sei. Natürlich wurde in den Pressemitteilungen nicht von einem Scheitern gesprochen. Stattdessen teilte Quiagen mit, dass es seine erfolgreiche Wachstumsstrategie alleine fortsetzen würde.

Wer jetzt mit einem Einbruch der Quiagen-Aktie gerechnet hatte, lag aber falsch. Am vergangenen Freitag, dem Tag nach Bekanntgabe des Scheiterns, legte der Kurs der Quiagen-Papiere um +1,75% zu und stieg auf 41,89 Euro.

Wie es weitergehen kann

Die Investoren sind anscheinend davon überzeugt, dass Quiagen auch aus eigener Kraft weiterhin gute Zahlen schreiben wird. Dass die Hildener als Hersteller von Test-Kits besonders stark von der Corona-Pandemie profitieren, haben die jüngst veröffentlichten Halbjahreszahlen belegt.

Im ersten Halbjahr 2020 erzielte Quiagen einen Umsatz von 815,3 Mio. USD und lag damit um +12% über dem Vergleichswert des Vorjahres. “Die nie dagewesene Nachfrage nach Produkten für Coronavirus-Tests treibt die Performance von Quiagen im Jahr 2020 voran“, so Thierry Bernard, Chief Executive Officer von Quiagen N.V.

Wenn Sie in Quiagen investiert sind, ist das Scheitern des Übernahmeangebots kein Beinbruch. Meines Erachtens wird sich die Aktie auch in den nächsten Monaten weiterhin gut entwickeln. Die Corona-Krise ist noch lange nicht ausgestanden und so verkaufen sich die von Quiagen produzierten Testverfahren nach wie vor wie warme Semmeln. Und vielleicht bessert Thermo-Fisher sein Übernahmeangebot ja noch ein drittes Mal nach…


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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