RA Pharmaceuticals explodiert nach Übernahmeofferte: Belgischer Pharmakonzern greift nach Medikamentenentwickler

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Milliardenschwerer Biotech-Deal im Anmarsch: Belgischer Pharmakonzern UCB legt stramme Übernahmeprämie für RA Pharmaceuticals auf den Tisch (Foto: Jonathan Weiss / Shutterstock.com)

Satte Prämien gehören im Übernahmegeschäft zur Tagesordnung. Doch den Kursaufschlag, den der belgische Pharmakonzern UCB für die Biotechnologiefirma RA Pharmaceuticals auf den Tisch legt, hat es wirklich in sich. Die Begier bieten 2,5 Milliarden Dollar für RA Pharma und damit mehr als doppelt soviel wie der Schlusskurs vor der Übernahme.

UCB im Portrait

Bevor ich auf die Details der Übernahme eingehe, möchte ich Ihnen den Bieter UCB erst noch näher vorstellen. UCB ist ein belgisches Pharma- und Biotechnologieunternehmen, das sich auf die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von Arzneimitteln gegen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), der Atemwege, der inneren Medizin sowie Krankheiten des Immunsystems konzentriert.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von 4,63 Milliarden Euro einen Reingewinn von 800 Millionen Euro.

UCB zahlt 111% Prämie

Jetzt will UCB sich den US-Biotech-Konzern RA Pharmaceuticals einverleiben und legt eine Offerte über 48 Dollar je Aktie auf den Tisch. Das entspricht einem massiven Aufschlag von 111% auf den Schlusskurs vor der Übernahme und bewertet das Objekt der Begierde mit 2,5 Milliarden Dollar. Einen spürbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg soll die Firma aber erst ab dem Jahr 2024 liefern.

Stand heute erzielt RA Pharmaceuticals keine nennenswerten Umsätze (2018: 2,5 Mio. Dollar) und verharrt tief in der Verlustzone (2018: -64,94 Mio. Dollar).

Seltene Krankheiten haben es UCB angetan

RA Pharmaceuticals ist ein Biopharma-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Behandlungen für schwere, vom Immunsystem verursachte Krankheiten konzentriert. Im Mittelpunkt des Deals steht das Präparat Zilucoplan, das kürzlich eine Phase-3-Studie gestartet hat. Bei der Erkrankung greifen Autoantikörper bestimmte Proteine im neuro-muskulären Übergang an. Das verursacht Muskelschwäche und Müdigkeit und betrifft fast 200.000 Patienten in den USA, der EU und Japan.

Zilucoplan wird auch für andere Krankheiten entwickelt, darunter ALS und die immunvermittelte nekrotisierende Myopathie (IMNM), zwei weitere Erkrankungen, die mit Störungen des Komplementimmunsystems verbunden sind. Zilucaplon macht den mit Abstand größten Teil der Forschungspipeline von Ra Pharmaceuticals aus.

Analysten erwarten Blockbuster-Potenzial

Die Erwartungen an das Medikament sind hoch. So gehen die Analysten von Jefferies davon aus, dass die US-Verkäufe von Zilucoplan bei rund 630 Millionen Dollar liegen werden, was die Therapie zu weltweiten Spitzenumsätzen von über 1 Milliarde Dollar antreiben könnte. Die Belgier kennen sich auf dem speziellen Krankheitsgebiet selbst sehr gut aus, weil sie auch an einem Antikörper forschen.

Wettbewerbsbehörden müssen zustimmen

Die Transaktion wurde von den Vorständen beider Unternehmen genehmigt und wird voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2020 abgeschlossen sein. Trotzdem dürfte der Deal kein Selbstläufer werden. Die Überschneidung zwischen den Pipelines von UCB und Ra könnte laut Experten zu kartellrechtlichen Problemen führen. Ähnliche Schwierigkeiten zeigten sich zuletzt bei Bristol-Myers Squibb und Roche bei ihren Übernahmen von Celgene bzw. Spark Therapeutics.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.