Ratiopharm-Käufer Teva mit nächstem Milliarden-Deal

Vor weniger als einem Jahr hat der israelische Arzneimittel-Hersteller Teva die Übernahme des deutschen Konkurrenten Ratiopharm abgeschlossen. Doch der Expansionskurs geht auch nach dem 5,3-Mrd.-Dollar-Deal weiter. Teva ist zwar schon weltgrößter Generika-Hersteller, setzt aber weiterhin auf Wachstum.

Erst Anfang Mai stach Teva den kanadischen Konkurrenten Valeant beim Übernahme-Kampf um den US-Biotech-Konzern Cephalon aus. Valeant hatte versucht, sich mit einem „Spar-Preis“ Cephalon einzuverleiben – zog aber gegen die deutlich höhere Teva-Offerte den Kürzeren. Am Ende lag das Volumen des Deals bei fast 7 Mrd. Dollar.

Teva will auch den japanischen Markt erobern

Das Objekt der Begierde bei der neuesten Übernahme-Offerte ist Taiyo Pharmaceuticals. Das japanische Unternehmen wird von Privatinvestoren gehalten, die zunächst 57% ihrer Anteile an Teva abgeben. In einem zweiten Schritt übernimmt Teva dann den Rest des Unternehmens. Insgesamt hat der Deal ein Volumen von 1,3 Mrd. Dollar.

Taiyo ist der drittgrößte japanische Generika-Hersteller und hat rund 550 Präparate im Angebot. Mit dem Zukauf geht Teva der gleichen Strategie nach, wie auch der japanische Pharma-Riese Takeda: Wachstum international streuen, um von einzelnen Märkten unabhängiger zu werden. Bisher sind die USA mit rund 50% Absatz für Teva der wichtigste Markt.

Markt bietet großes Wachstumspotenzial

Tevas Schritt ist aber nicht nur wegen der Risiko-Streuung strategisch richtig. Mit der Übernahme steigen die Israelis direkt in die Spitzengruppe des japanischen Marktes auf. Der japanische Pharma-Markt war im vergangenen Jahr mit einem Volumen von rund 100 Mrd. Dollar weltweit hinter den den USA der Zweitgrößte.

Gleichzeitig ist es erklärtes Ziel der japanischen Regierung, den Anteil an Generika von aktuell 23% auf 30% bis 2012 zu steigern (zum Vergleich: Deutschland 60%). Teva kann also damit rechnen, dass der bisherige Umsatz des Übernahme-Kandidaten von 530 Mio. Dollar noch deutlich ausbaufähig ist.

Japanische Pharma-Unternehmen werden Übernahme-Welle maßgeblich mitbestimmen

Der Übernahme-Sensor hat Ihnen schon in der Vorwoche geschrieben, dass mit einer weiteren Konsolidierung in der Pharma-Branche zu rechnen ist. Nur 4 Tage später kommt es zu einem Milliarden-Deal, der mit Sicherheit nicht unbeobachtet bleibt und weitere Übernahmen auslösen wird.

Japanische Unternehmen werden dabei weiterhin eine Schlüsselrolle einnehmen. Denn die japanischen Krankenkassen stehen aufgrund der stark alternden Bevölkerung erheblich unter Kostendruck, sodass mit einer weiteren Steigerung des Generika-Anteils im japanischen Pharma-Markt zu rechnen ist. Arzneimittel verursachen 20% der Gesamtkosten – Generika bieten da ein großes Einsparpotenzial.

Der Markt ist daher sehr attraktiv und zieht Käufer an. Viele Branchen-Riesen haben bereits Kooperationen mit japanischen Unternehmen, denn für beide Seiten ist das lukrativ: Neue Absatzmärkte für japanische Unternehmen – Eintritt internationaler Konzerne in den wachsenden japanischen Generika-Markt.

16. Mai 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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