Rechtfertigt Salzgitter ein Investment?

Das Ergebnis stimmte zuletzt bei Salzgitter. Ob das Anleger allerdings überzeugt? Eine Analyse. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Stahlbranche ist als sehr zyklisch bekannt. Anleger können bei Stahl-Aktien schnell aufs falsche Pferd setzen. Der Konkurrenzkampf, der Preisdruck und nicht zuletzt die Entwicklung der Weltwirtschaft sind bekannte Hemmschuhe für die Entwicklung von Stahl-Aktien.

Ein Unternehmen, das zuletzt mit steigenden Gewinnen überzeugen konnte, ist Salzgitter. Salzgitter gehört zu den größten Stahltechnologie-Konzernen Europas. In Deutschland ist das Unternehmen hinter ThyssenKrupp die Nummer 2.

Im Bereich Großrohre ist Salzgitter nach der Übernahme der Mannesmannröhren-Werke (MRW) Weltmarktführer. Die Produktpalette umfasst Flachstahlprodukte, Träger, Grobbleche sowie nahtlose und geschweißte Rohre in allen Dimensionen.

Salzgitter schloss das 1. Halbjahr mit einem erheblich gesteigerten, erstmals seit 2011 wieder positiven Halbjahresergebnis ab. Zu dieser erfreulichen Entwicklung trugen alle Geschäftsbereiche bei, aber auch die durchgreifende Wirkung des konzernweiten Restrukturierungsprogramms.

In Summe wurden 33,1 Mio € für strukturverbessernde Maßnahmen aufgewendet. Die finanzielle Basis bleibt mit 35% Eigenkapitalquote sowie 178 Mio € Nettoguthaben sehr solide.

Mäßige Nachfrage bleibt ein Problem

Der Geschäftsbereich Flachstahl verbuchte einen Absatz auf Vorjahreshöhe. Infolge der hohen Wettbewerbsintensität des europäischen Stahlmarktes gaben allerdings die Umsätze für die meisten Produkte im Jahresverlauf nach, sodass der Außenumsatz knapp unter seinen Vergleichswert fiel.

Der Geschäftsbereich erwirtschaftete wegen des erfreulich gesteigerten Beitrags der Salzgitter Flachstahl GmbH 20,7 Mio € Vorsteuergewinn und übertraf damit das 1. Halbjahr 2014 signifikant (-6,9 Mio €).

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Neben gesunkenen Rohstoffkosten wirkten hierbei auch erste Kostensenkungseffekte der im April in Betrieb genommenen Kohleeinblasanlage an den Großhochöfen in Salzgitter.

Die europäischen Träger- und Grobblechmärkte entwickelten sich uneinheitlich. Während sich der Trägerbereich als stabil erwies, war das Grobblechgeschäft von mäßiger Nachfrage sowie zunehmenden Importmengen belastet.

Für 2015 gehen wir von einem stabilen Umsatz und einem Vorsteuergewinn im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich aus. Auf Sicht von 6 bis 12 Monaten rechnen wir mit einer durchschnittlichen Kursentwicklung.

Gesamter Sektor eher uninteressant

Damit sehen wir die Aktie heute positiver als noch vor einigen Monaten. Grund ist einerseits der Kursverlust – die Aktie ist heute weniger hoch bewertet. Auch das positive Ergebnis bei Salzgitter macht Hoffnung. Die Stahlbranche an sich leidet aber auch weiter unter den niedrigen Preisen.

Dieses Manko kann auch Salzgitter nicht abschütteln. Die Dividendenrendite von 0,9% lockt auch keine Anleger an. Angesichts dieser Gemengelage sollten sich Anleger ein Investment genau überlegen.

Der gesamte Stahlsektor ist aus unserer Sicht derzeit nicht sonderlich interessant. Ausnahmen muss man mit der Lupe suchen, bei Salzgitter erwarten wir allerdings keine Sondersituation, die den Kurs beleben könnte.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.