Reckit-Benckiser-Aktie: Britischer Konsumgüter-Riese nimmt Milliarden-Zukauf ins Visier

Die Nachricht kam gestern wie ein Paukenschlag: Der weltweit agierende Hersteller von Reinigungsmitteln und Haushaltswaren plant einen Mega-Zukauf in den USA.

Offenbar gibt es fortgeschrittene Verhandlungen zum Erwerb des Konzerns Mead Johnson Nutrition, eines amerikanischen Herstellers für Babynahrung.

Der Deal wäre mit 16,7 Mrd. Dollar in jedem Fall eine richtig große Nummer. Damit würde Reckitt Benckiser in einen völlig neuen Geschäftsbereich vordringen.

Die Anleger beider Gesellschaften zeigten sich begeistert:

Während die Mead-Johnson-Nutrition-Papiere um über 20% nach oben schossen, verteuerten sich auch die Reckitt-Benckiser-Aktien um knapp 3%.

Reckitt Benckiser im Porträt

Falls Sie den britischen Konsumgüter-Konzern noch nicht so richtig auf dem Schirm haben, seine Produkte kennen Sie bestimmt:

Denn Sagrotan, Durex, Clerasil, Kukident oder Nurofen-Fiebersaft dürfte wohl so ziemlich jeder von Ihnen im Schrank stehen haben.

Der Konzern ist in über 60 verschiedenen Ländern tätig und hat seinen Sitz in Slough, westlich von London.

Zu den größten Aktionären des Konzerns gehört die deutsche Milliardärs-Familie Reimann, die 15% aller Aktien besitzt.

Der Industriellen-Clan ist eine der wohlhabendsten Unternehmer-Familien in Deutschland.

Ihr Vermögen geht auf den Ludwigshafener Spezialchemie-Konzern Benckiser und dessen Fusion 1999 mit der britischen Reckitt zurück.

Mega-Deal erschließt komplett neuen Geschäftsbereich

Mit der geplanten Transaktion erreicht der britische Konzern v. a. eines: Neben der Erschließung eines völlig neuen Geschäftsbereichs wird die Position in Asien deutlich gestärkt.

Bislang hat der Konzern noch keine Säuglings-Nahrung im Angebot. Zu den Top-Marken gehören vor allem Reinigungsmittel und freiverkäufliche Gesundheits-Produkte.

Für das Objekt der Begierde Mead Johnson will Reckitt offenbar 90 Dollar je Aktie auf den Tisch legen. Dies entspricht einem satten Aufschlag von 30% auf den Schlusskurs vor den Spekulationen.

Dabei wird Mead Johnson schon länger als Übernahme-Objekt gehandelt. Angeblich gab es auch Interesse seitens Danone und Nestlé.

Starke Präsenz in Lateinamerika und Asien

Neben den Produkten ist Mead Johnson v. a. wegen seiner starken Marktposition in Lateinamerika und Asien interessant.

Für gut 16,7 Mrd. Dollar erhält Reckitt Benckiser ein Unternehmen mit einem Jahres-Umsatz von zuletzt 3,7 Mrd. Dollar.

Seit 2004 haben die Erlöse mehr gut 85% zugelegt. Die Gewinnmargen des Herstellers von Babynahrung sind unterdessen ausgesprochen konstant:

In den vergangenen 10 Jahren pendelte die Gewinnspanne in einem engen Band zwischen 13,67 und 17,70%.

Großer Schluck aus der Pulle

Mit  der Übernahme stemmt Reckitt die größte Transaktion in der bisherigen Firmen-Geschichte und wird einen deutlichen Sprung im Umsatz machen.

Der Konsumgüter-Konzern kam selbst im letzten Jahr auf einen Jahres-Erlös von knapp 8,9 Mrd. Pfund und war mit einer Gewinnrendite von 19% sogar noch ein Schnaps profitabler als der Babynahrungs-Konzern.

Der Grund für die Verbreiterung der Produkt-Palette liegt in dem abflachenden Wachstum der Hygiene- und Reinigungs-Sparte.

Mit dem Fokus auf freiverkäufliche Gesundheits-Produkte und jetzt auch Babynahrung versucht der Konzern wieder das Wachstum anzukurbeln.

3. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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