Reckitt-Benckiser-Aktie: Den Anlegern reicht’s

Es ist so weit: Der BreXit hat begonnen.

Vor wenigen Tagen hat die britische Regierung förmlich den Austritt aus der Europäischen Union beantragt, nun tickt die Uhr:

Binnen 2 Jahren müssen die verbleibenden 27 EU-Staaten und das britische Königreich ihre künftigen Beziehungen aushandeln.

Die britische Seite würde dabei gern größtenteils die bisherigen Vorzüge und Privilegien behalten und zugleich lästig gewordene Verpflichtungen loswerden.

Brüssel dagegen will ein möglichst hartes Exempel statuieren, um potenzielle Austritts-Ambitionen anderer Länder im Keim zu ersticken.

Wie so oft erscheint ein Mittelweg am wahrscheinlichsten:

Weder werden sich die Briten die sprichwörtlichen Rosinen herauspicken können, noch wird die EU sämtliche Verbindungen zur Insel kappen.

Schärfere Kontrolle

Ein ebenso wesentlicher wie schwieriger Bereich in den Verhandlungen wird die Ausgestaltung der Wirtschafts-Beziehungen werden.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele Unternehmen sich aus Großbritannien zurückziehen oder ihre Standorte auf den Kontinent verlagern.

Die britischen Unternehmen selbst, die im Lande bleiben werden, müssen sich zudem auf schärfere politische Kontrolle einstellen.

So will Premierministerin Theresa May die Mitspracherechte von Aktionären stärken, wenn es um die Bezahlung von börsennotierten Führungskräften geht.

Wie das aussehen kann, lässt sich aktuell am Beispiel von Reckitt Benckiser studieren:

Der Konsumgüter-Hersteller hat die Bezüge seines CEO Rakesh Kapoor für 2016 drastisch zusammengestrichen.

Kapoor, der im Vorjahr noch 25,5 Mio. Pfund kassiert hat und damit zu den bestbezahlten Vorständen seines Landes zählte, bekommt für das vergangene Jahr „nur“ 14,6 Mio. Pfund ausgezahlt.

Bonus in seiner ursprünglichen Funktion

Hier wird der Bonus als das gesehen, was er einst sein sollte: eine Erfolgs-Beteiligung, oder in diesem Fall eher eine Misserfolgs-Beteiligung.

Denn Reckitt Benckiser musste 2016 300 Mio. Pfund Entschädigungs-Zahlungen leisten.

Die gingen an die Angehörigen der Todesopfer, die ein vergiftetes Desinfektionsmittel des britischen Herstellers in Südkorea verursacht hatte.

Kapoor selbst ist dafür nicht verantwortlich; er war noch nicht im Amt, als der Skandal um das Luftbefeuchter-Desinfektionsmittel 2011 bekannt wurde.

Dennoch wurden die aktuellen Entschädigungs-Zahlungen explizit berücksichtigt bei der Berechnung seiner Bezüge.

Darüber hinaus hat der Konzern angekündigt seinen „Long-term Incentive Plan“ (LTIP) für die kommenden Jahre um 50% zu reduzieren. Auch das trifft die Bezüge von Kapoor empfindlich.

Reckitt Benckiser reagiert damit auf den öffentlichen Druck und die massiven Vorwürfe seitens der Anteilseigner, die schon seit Längerem eine exzessive Bezahlungs-Politik angeprangert hatten.

Reckitt-Benckiser-Aktie: Langsam aufwärts

Auf Kritik bei den Anlegern stieß zuletzt auch die geplante Übernahme des US-Babynahrungs-Herstellers Mead Johnson Nutrition:

Knapp 18 Mrd. Dollar wollen die Briten dafür auf den Tisch legen – überwiegend schuldenfinanziert.

Um den Unmut der Anleger zu besänftigen, kündigte Reckitt Benckiser auch in diesem Zusammenhang neue Schritte an:

Anfang der Woche wurde bekannt, dass man den Verkauf der Lebensmittel-Sparte erwägt.

Senf und Ketchup passen nach Einschätzung des Unternehmens nicht ins Produkt-Portfolio, das ansonsten v. a. von Reinigungsmitteln oder Hygiene-Artikeln dominiert wird.

Die Reckitt-Aktie hat sich zuletzt wieder mühsam zurückgekämpft, nach monatelanger Flaute geht es seit Jahresbeginn wieder schrittweise aufwärts.

Zuletzt war das Papier für rund 85 € oder 72 Pfund zu haben. Analysten-Einschätzungen fielen jedoch jüngst wieder zurückhaltender aus:

Experten von UBS und JP Morgan empfehlen in ihren aktuellen Studien, die Reckitt Aktie zu halten.

Großes Aufwärts-Potenzial sehen beide derzeit nicht, die Kursziele liegen bei gerade einmal 73 und 67,50 Pfund.

2017-04-06 Reckitt

7. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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