Reckitt-Benckiser-Aktie nach Offerte auf Erholungskurs

Allein schon das Angebot sorgt für Furore:

Reckitt Benckiser, bekannt für Haushalts-Produkte wie Sagrotan oder die Kondom-Marke Durex, will den auf Babynahrung spezialisierten US-Konzern Mead Johnson Nutrition übernehmen.

Die Offerte liegt bei rund 16,7 Mrd. Dollar und wäre somit der bislang größte Deal in der Geschichte von Reckitt Benckiser.

Babynahrung würde zudem das bisherige Portfolio ergänzen, denn in diesem Bereich ist Reckitt noch nicht aktiv.

Mead Johnson: Stark aufgestellt

Wie lukrativ ein Einstieg sein könnte, zeigt sich am Jahres-Umsatz von Mead Johnson, der sich 2016 auf rund 3,7 Mrd. US-Dollar summierte. Den Löwenanteil steuert das Geschäft im asiatischen Raum bei.

Für die kommenden Jahre werden sowohl dem Segment Babynahrung als auch dem Absatzmarkt Asien rosige Wachstums-Aussichten bescheinigt.

Kein Wunder also, dass Mead Johnson gerade als ziemlich gefragtes Übernahmeziel gehandelt wird.

Neben Reckitt Benckiser galten auch z. B. die Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé und Danone als potenzielle Interessenten.

Das Angebot, das Reckitt auf den Tisch gelegt hat, liegt bei 90 Dollar je Aktie und somit 30% oberhalb des Schlusskurses vom Vortag der Offerte.

Anleger reagierten erfreut – und zwar nicht nur die Anteilseigner von Mead Johnson, sondern auch die von Reckitt, dessen Aktie nach Bekanntwerden des Angebots um 5% zulegen konnte.

Deal mit Handschrift von CEO Kapoor

Kommt der Deal zustande, würde er Reckitt-Benckiser-Analysten zufolge auf einen ganz neuen Weg führen – einen Weg, den CEO Rakesh Kapoor auserkoren hat.

Dieser soll auch dem Chef helfen, endlich eigene Akzente zu setzen; bislang steht Kapoor noch ziemlich im Schatten seines Vorgängers Bart Becht, der das Unternehmen von 1999 – 2011 führte.

Der Wechsel an der Spitze war seinerzeit von Anlegern eher kritisch beäugt worden. Kapoor ist es bislang nicht gelungen, sie so recht von sich zu überzeugen.

Der Mead-Johnson-Deal könnte das nun ändern, gilt er doch als wesentliche strategische Neuausrichtung des Konzerns.

Mit ihm könnte Kapoor auch die dunklen Kapitel des Vorjahres ein Stück weit vergessen machen.

Reckitt-Benckiser-Aktie: Erholungskurs 2017?

2016 hatte das Unternehmen mit einem Gift-Skandal in Südkorea zu kämpfen. Außerdem kritisierten Anleger die Vorstands-Vergütung.

Gleichzeitig verlief die Umsatz-Entwicklung wesentlich schleppender als erhofft. Gerade im Gesundheits-Bereich gingen die Umsätze 2016 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück.

Auch der Aktienkurs konnte keine allzu großen Sprünge aufweisen.

Auf einen moderaten Anstieg in der 1. Jahreshälfte folgte eine Abwärts-Phase im Herbst, sodass 2016 unterm Strich als Nullsummenspiel verbucht werden musste.

Der angekündigte Babynahrungs-Deal könnte nun für neuen Schwung sorgen, eine erste Reaktion an den Märkten fiel zuversichtlich aus.

Kommt die Übernahme zustande, wird Kapoor jedoch noch unter Beweis stellen müssen, dass der neu eingeschlagene Weg tatsächlich der richtige für Reckitt Benckiser ist.

2017-02-10 Reckitt

10. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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