Red Hat-Aktie: Technologie-Urgestein IBM legt Milliardenofferte auf den Tisch

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Red Hat-Aktie: Technologie-Ikone IBM legt Milliardenofferte auf den Tisch. Massiver Aufschlag auf den Börsenkurs (Foto: Laborant / shutterstock.com)

Die Meldung kam wie ein Paukenschlag. Gerade hatte IBM seine Anleger mit enttäuschenden Quartalszahlen geschockt und Zweifel an der Neuausrichtung aufkommen lassen. Jetzt schlägt die Technologieikone zu und will sich zukünftiges Wachstum einkaufen. Das lässt sich der US-Computerriese einiges kosten. Immerhin 34 Milliarden Dollar schwer ist die Offerte für den Softwarehersteller Red Hat. Der Angebotspreis von 190 Dollar je Aktie liegt deutlich (62%) über dem Schlusskurs der Firma.

Red Hat im Portrait

Red Hat startete vor 25 Jahren mit einer eigenen Variante des Open-Source-Betriebssystems Linux, die vor allem auf Servercomputern verwendet wird. Heute erzielt das Unternehmen seinen Umsatz vor allem mit seinem Softwarepaket und Serviceangebot Red Hat Enterprise Linux sowie anderen Technologien, die häufig in Rechenzentren eingesetzt werden.

Zuletzt beschäftigte der Konzern 12.600 und erzielte einen Jahresumsatz von 2,92 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Zuwachs von 21% zum Vorjahr. Im zurückliegenden Geschäftsjahr blieb dabei ein Gewinn von 259 Millionen Dollar hängen, was einer Gewinnspanne von 8,86% entspricht.

Übernahme ist ein „Game Changer“

IBM Chefin Ginni Rometty bezeichnet den Deal als einen absoluten Game-Changer, der das Zeug hat, die komplette Branche durcheinander zu wirbeln. IBM wird auf einen Schlag der weltweit größte Hybrid-Cloud-Anbieter. Sie müssen wissen: Beim Cloud-Geschäft wird die Software im Internet zur Verfügung gestellt und befindet sich nicht mehr wie früher auf dem Rechner des Nutzers. In diesem Bereich konkurriert der Konzern mit Unternehmen wie SAP und Oracle.

Größter Deal für IBM

Für IBM ist die Übernahme der bisher größte Deal in der kompletten Firmengeschichte. Immerhin blättert IBM 190 Dollar je Aktie auf den Tisch. Das entspricht einem Kaufpreis von 34 Milliarden Dollar und einem satten Aufschlag auf den Börsenkurs von über 60%. Auf den ersten Blick erscheint der Kaufpreis extrem sportlich. Immerhin entspricht die Offerte dem 11-Fachen Umsatz und dem 131-Fachen des Gewinns von Red Hat.

Dabei soll Red Hat nach dem Deal ein Teil von IBMs Hybrid-Cloud-Sparte werden. Alle Mitarbeiter sollen übernommen und die Eigenständigkeit der Firma beibehalten werden.

Vorteile für beide Firmen

Experten sehen in dem Zusammenschluss Vorteile für beide Parteien. Red Hat dürfte vor allem seinen potenziellen Kundenkreis deutlich erweitern, da die Dienste fest in das IBM-Produktportfolio integriert werden sollen. Der Zugang des IBM-Vertriebsteams in die Managementetagen der führenden internationalen Großkonzerne gilt unter Insidern als exzellent.

Für IBM geht es um die bessere Positionierung im Wachstumsmarkt mit Cloud-Dienstleistungen. Der Boom gilt als ungebrochen. Allerdings fehlte dem Konzern die Kontrolle über eine eigene Linux-Plattform, die bei den Nutzern bewährt und verankert ist. Red Hat hat genau diese zu bieten und ist seit langem der etablierteste Anbieter von Linux-Lösungen im Enterprise-Sektor. Die Kombination von Hardware und Dienstleistungen IBMs mit der Software und den Services von Red Hat dürfte den Konzern helfen, wieder auf seinen Wachstumspfad zurückzukehren.

Closing im ersten Halbjahr 2019 erwartet

Um den Deal zu finanzieren, setzt IBM sein geplantes Aktienrückkaufprogramm für die Jahre 2020 und 2021 aus. Dabei wird erwartet, dass der Deal im ersten Halbjahr 2019 komplett über die Bühne geht. Von den Geschäftsführungen beider Konzerne ist der Zukauf bereits gebilligt worden. Jetzt fehlt noch die Zustimmung der Red Hat-Aktionäre. Vor dem Hintergrund des enormen Kursaufschlags und den Vorteilen für beide Firmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Deal durchgeht.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.