Reform der Staatsanleihen-Bilanzierung kann DAX auf 10.000 Punkte hieven

Am deutschen Aktienmarkt herrschte heute gute Stimmung. Grüne Vorzeichen aus Asien und ein positiver Handelsstart in den USA sorgten beim […] (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Am deutschen Aktienmarkt herrschte heute gute Stimmung. Grüne Vorzeichen aus Asien und ein positiver Handelsstart in den USA sorgten beim deutschen Leitindex für ein Plus von 0,85%. Der DAX stieg auf 7.077 Punkte. Die Nachrichtenlage und der Handel sind jedoch in der Weihnachtswoche dünn.

Daher sollte der Indexanstieg auch nicht überbewertet werden. Verhältnismäßig wenige Käufer können den Index bei guter Ausgangslage nach oben treiben. Ein von der breiten Anlegermasse getragener Indexanstieg auf bis zu 10.000 Punkte kann aber schon im nächsten Jahr in Gang gesetzt werden und zwar dann, wenn die neuesten Pläne der europäischen Finanzaufseher umgesetzt werden.

Europäische Staatsanleihen sollen nicht mehr bevorzugt werden

Der Plan der Finanzaufseher ist spektakulär und wurde zu Unrecht von den deutschen Medien nicht ins Zentrum gerückt. Lediglich das Handelsblatt hat heute unter dem Titel „Spekulationsobjekt Staatsanleihen“ einen sehr guten Artikel zu diesem brisanten Thema veröffentlicht.

Denn der Plan sieht vor, dass zukünftig Staatsanleihen aus dem Euroraum – anders als bisher – nicht mehr risikofrei bilanziert werden dürfen. Dann dürfen auch Staatsanleihen aus Griechenland und Irland nicht mehr ohne Kapitalhinterlegung in die Bilanzen der Banken und Versicherungen aufgenommen werden (kaufen die Finanzkonzerne dagegen Aktien oder andere „Risiko-Papiere“, müssen sie schon lange Kapital zur Risikoabdeckung hinterlegen. Das macht diese Anlageklassen in den Bilanzen noch relativ unattraktiv). Das hört sich wie ein bilanztechnisches Detail an, ist aber eine Bombe mit enormer Sprengkraft.

Staatsbankrott kann neue Bankenkrise in Deutschland auslösen

Die Befreiung von der Kapitalhinterlegung war bisher ein Hauptgrund, warum sich Banken und Versicherungen in riesigen Mengen mit riskanten Staatsanleihen aus der europäischen Peripherie eingedeckt haben. Rückblickend ein gigantischer und teurer Fehler.

Vor dem Ausbruch der Finanzkrise war das jedoch scheinbar für alle Beteiligten ein guter Deal: Billige Refinanzierung für die Euro-Staaten und die Banken kassierten Zinsen ohne Risiko. Jetzt zeigt sich: Die Banken und Versicherungen haben die kreditfinanzierten Schulden-Orgien der Krisen-Länder mitfinanziert und nicht auf die Warnungen des Marktes gehört.

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Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben deutsche Banken mehr als 200 Milliarden Euro in Griechenland, Portugal und Irland investiert. Eine Pleite der Länder würde also die deutschen Banken massiv belasten und könnte eine neue Bankenkrise in Deutschland auslösen.

Bei Kapitalhinterlegung schwindet der Anreiz in Staatsanleihen zu investieren

Kommt die Änderung, wird zukünftig der Staatsanleihen-Anteil in den Portfolios der Banken und Versicherungen spürbar abnehmen. Wenn das reale Risiko mit Kapital abgedeckt werden muss, sinkt der Anreiz für eine Investition in diese Zins-Papiere enorm.

Das Geld der Banken und Versicherungen sucht dann nach renditestärkeren Anlage-Alternativen. Das treibt sie vornehmlich in den liquiden Aktienmarkt. Auch Immobilien-Investments werden attraktiver. Dort erfolgt zwar auch eine risikoabhängige Kapitalhinterlegung, aber die Rendite-Aussicht ist höher.

DAX kann bei Umsetzung der Reform auf 10.000 Punkte steigen

Wenn das Geld der Versicherungen und Banken zukünftig stärker in den Aktienmarkt wandert, werden die Kurse deutlich steigen. Dann kann der Aktienindex schon in wenigen Jahren die 10.000-Punkte-Marke überschreiten. Das klingt utopisch, aber beachten Sie die Finanzkraft: Aktuell liegt zum Beispiel die Aktien-Quote der deutschen Versicherungen bei durchschnittlich 3 bis 4%. Früher waren Aktien-Quoten von über 10% keine Seltenheit. Erhöhen die Versicherungen ihren Aktien-Anteil auf diesen Wert, würde das locker reichen, um den DAX auf 10.000 Punkte zu treiben.

Angesichts der Niedrig-Zins-Politik der Notenbanken und wachsender Inflationsängste gibt es bereits genug Gründe, warum in Aktien und nicht in Staatsanleihen investiert werden sollte. Damit der schnelle Wechsel in der Anlage-Politik nicht zu einem „Erdbeben“ führt, ist es aber möglich, dass der Gesetzgeber wieder Übergangsfristen einbaut. Dann erfolgt der Anstieg langsamer in mehreren Etappen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.